Mössingen Stärken besser fördern Mössinger Realschule präsentiert Gemeinschaftsschulkonzept

Informierten über das pädagogische Konzept zur Gemeinschaftschule (von links nach rechts): Deutsch-Fachberaterin Angelika Renschler, Schülersprecherin Stefanie Kettner, Rektor Hartmut Nill, Oberbürgermeister Michael Bulander und die Elternbeiratsvorsitzenden Claudia Braun und Carolyn Strassner. Foto: Karin Iova
Informierten über das pädagogische Konzept zur Gemeinschaftschule (von links nach rechts): Deutsch-Fachberaterin Angelika Renschler, Schülersprecherin Stefanie Kettner, Rektor Hartmut Nill, Oberbürgermeister Michael Bulander und die Elternbeiratsvorsitzenden Claudia Braun und Carolyn Strassner. Foto: Karin Iova
KARIN IOVA 22.03.2014
Das Konstrukt Realschule hat in Mössingen ausgedient. Hartmut Nill, Rektor der Friedrich-List-Realschule, präsentierte nun das pädagogische Konzept zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule.

"Die Realschule wie wir sie kennen, funktioniert nicht mehr", davon ist Hartmut Nill, Rektor der Friedrich-List-Realschule in Mössingen, überzeugt. Man habe es heutzutage mit "munteren, offenen und kritischen" Schülern zu tun, die zu "selbstbewussten Menschen" erzogen würden - durch individuelles Lernen. Als die verbindliche Grundschulempfehlung wegfiel, sei es den Lehrern klar gewesen: "Jetzt müssen Rahmenbedingungen verändert werden".

Die Gemeinschaftsschule mit den beiden Bildungsabschlüssen Hauptschulabschluss und Mittlere Reife soll ein neues Zeitalter im Steinlachtaler Schulwesen einläuten. Das pädagogische Konzept, das Rektor Hartmut Nill am Donnerstagabend in der Aula der Friedrich-List-Realschule zahlreichen Lehrern, Eltern, Schülern und Interessierten vorstellte, zeigt: Die Kooperation aller Beteiligten - Lehrer, Schüler und Eltern - wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Umbrüche wird es in der Kultur des Lehrens und Lernens geben. Die Schule arbeite mit einem "erweiterten Leistungsbegriff" und wolle "stärkenorientiert" agieren. Dazu gehören altersunabhängige Fördergruppen in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch, Inklusion - dazu soll zunächst ein runder Tisch eingerichtet werden - und eine neue Leistungsbewertung, bei der allerdings weiterhin Noten vergeben werden sollen.

Die Gemeinschaftsschule knüpft an Bestehendes an: Wochenplanarbeit, kooperatives Lernen und Projektunterricht wurden schon 2010 mit dem "Poolstundenmodell" eingeführt. Der Klassenlehrer wird dabei zum "Lerncoach", der durch weitere Coaches für seine "Lerngruppe" unterstützt werden soll - um der Überforderung angesichts eines Klassenteilers von 30 Schülern entgegenzuwirken. Zusätzlich soll das Kollegium um 30 Prozent an Lehrkräften verstärkt werden.

Neu wird auch der "Trainingsraum" sein, der momentan aus Platzgründen noch nicht umgesetzt werden kann. In diesen Raum sollen Schüler, die den Unterricht stören, ihr Verhalten reflektieren.

Sorgen bereitet den Eltern die Aufnahmezahl der geplanten Schulform: 112 Plätze soll es an der Schule, die derzeit 700 Schüler fasst, geben. Oberbürgermeister Bulander beruhigte: Man gehe im gesamten Steinlachtal von neun Zügen aus, was eine ausreichende Abdeckung darstelle. Zudem müsse man mit dem Rückgang der Schülerzahlen von 20 Prozent rechnen. Am 7. April stimmt der Gemeinderat über das pädagogische Konzept ab.

Bezüglich des noch ausstehenden Raumkonzeptes und des Beantragungsverfahrens macht man sich seitens der Verwaltung keine Sorgen. Zum Schuljahr 2015/2016 soll die Gemeinschaftsschule an den Start gehen: "Ich habe keine Sorge, dass da etwas schief geht", so Rektor Nill zuversichtlich.