Angesichts der leidvollen Erfahrungen zweier verheerender Kriege reifte der Entschluss: "Nie wieder!" Im Geiste des Elysée-Vertrages, der die Epoche der "Erbfeindschaft" beendete und die deutsch-französische Freundschaft einleitete, entwickelten sich kommunale Partnerschaften zur Bildung eines neuen, geeinten Europas. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges betraf dies auch die Beziehungen zu den Staaten des ehemaligen Ostblocks - und nicht zuletzt zu den Gemeinden Ostdeutschlands.

Vorläufer der Städtepartnerschaft zwischen Joué-lès-Tours und Hechingen war 1971/72 das Zustandekommen einer Schulpartnerschaft zwischen dem Hechinger Gymnasium und C.E.S. La Rabiére in Joué, der sich sehr bald auch die Realschule anschloss. (Joué liegt im Département Indre-et-Loire im Herzen Frankreichs.) Im Juni 1973 besiegelten in Joué-lès-Tours - und danach im Juli in Hechingen - Bürgermeister Norbert Roth und Bürgermeister Raimond Lory die Städtepartnerschaft offiziell.

Nun galt es dieses zarte Pflänzchen mit Leben zu erfüllen. In Hechingen wurde das Partnerschaftskomitee Joué-lès-Tours der Ansprechpartner. Zusammen mit den französischen Freunden initiiert und organisiert das Komitee bis heute die Veranstaltungen. Gerne erinnert sich die Bevölkerung an zahlreiche französische oder deutsche Aufenthalte. Darin enthalten waren offizielle Anlässe, wie die Rathauseinweihung in Joué-lès-Tours, Gemäldeausstellungen, Konzerte, sportliche Begegnungen oder Austausch von Schulklassen. Auch Hechinger Juristen pflegten regen Aus-tausch mit ihren französischen Kollegen, ebenso Modellflieger, Sportfischer, Kirchenchöre, Folkloregruppen, Briefmarkenfreunde oder Senioren. Die Einbeziehung von Limbach-Oberfrohna im Südwesten des Freistaates Sachsen im Jahr 1991 verlieh der Beziehung schließlich weitere Impulse.

1995 wurde Norbert Roth von Jürgen Weber im Amt des Hechinger Stadtoberhauptes abgelöst und Joué erhielt mit Philippe Le Breton einen neuen Verwaltungschef. Personen kamen und gingen, aber Freundschaften blieben - vor allem im privaten Bereich. Das zehn-, das zwanzig- und das dreißigjährige Partnerschaftsjubiläum wurden gebührend gefeiert. Mit einem Jahr Verspätung doch zur gleichzeitigen Würdigung des 20jährigen Geburtstags der ungarisch-deutschen Partnerschaft mit Hódmezövásárhely wird jetzt vom 9.bis 11. Mai das vierzig jährige Jubiläum feierlich begangen.

A propos Ungarn: Nach der mehr als einem halben Jahrhundert dauernden Spaltung Europas wurde die Entscheidung getroffen: Hechingen gründet eine Partnerschaft mit einer ungarischen Stadt. Es war eher Zufall, dass Bürgermeister Robert Roth im Rahmen einer Konferenz mit dem Bürgermeister von Hódmezövásárhely, Dr. András Rapcsák, zusammentraf.

Fest steht: Das Dokument über die Städtefreundschaft wurde am 24. Juni 1994 unterzeichnet. Danach knüpften die Bürger erste Kontakte. Trotz der großen Entfernung und sprachlicher Barrieren kam es zu herzlichen Begegnungen zwischen Künstlern, Musikern, Pfadfindern und Volkstanzgruppen. Seit 2004 treffen sich die Polizeibeamten beider Städte regelmäßig zum Erfahrungsaustausch.