Wer kennt sie nicht, die berühmte, sich wie eine Blüte langsam entfaltende  „Morgenstimmung“ oder die eingängige Melodienfolge aus dem Satz „In der Halle des Bergkönigs“, die Edvard Grieg, ein bedeutender norwegischer Komponist der Romantik, als Bühnenmusik zu Henrik Ibsens Drama „Peer Gynt“ komponiert hat? Unter der Leitung von Musiklehrerin Andrea Nägele hat sich das Orchester des Gymnasiums Hechingen der Peer-Gynt-Suite angenommen, um dem Publikum bei Sommerkonzert in der Aula einen Hörgenuss der besonderen Art zu bieten. Dabei hatten nicht nur die Musiker einen großen Auftritt. Auch szenisches Spiel, Tanzdarbietungen und Filmsequenzen waren in die Aufführung miteingeflochten und verliehen den Klängen des Orchesters einen reizvollen Rahmen.

Peer Gynt – ein Name wie ein Fels, der groß, ja beinahe ehrfurchtgebietend wirkt. In Drama und Musik wird darin die Geschichte eines Taugenichts und Lügenbolds erzählt, der auf der Suche nach dem Glück durch die Welt irrt, bis er am Ende desillusioniert als alter Mann in seine norwegische Heimat zurückkehrt. Eine Geschichte, die in unterschiedlichste Welten führt. Passend dazu luden die beiden jungen Moderatorinnen das Publikum in der Aula des Gymnasiums zu einer musikalischen Reise ein, die in die Berge Norwegens, ins Reich der Trolle und schließlich bis nach Marokko entführt, um am Ende wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Das alles gefühlvoll intoniert von den Streichern, Bläsern und Percussionisten des Orchesters.

Ganz sanft und andächtig ließen die Musiker die ersten Töne der „Morgenstimmung“ in den Saal fließen, die in wiegender Melodik und reizvollen Klangkombinationen den allmählichen Aufgang der Sonne nachzeichnet.

Junge Schauspielerinnen der Klassenstufe sieben setzten danach auf der Bühne das unstete Leben des Bauernsohns Peer Gynt in Szene. Mit nur wenigen Requisiten auskommend, führten sie dem Publikum den Brautraub vor Augen, bei dem Peer Ingrid entführt, um sie danach schnell wieder  fallen zu lassen. Auch seine Begegnung mit Slovejg, in die er sich verliebt, sowie der Tod seiner Mutter wurden von den Schauspielerinnen ergreifend nachgespielt.

Eine weltbekannte Melodie, deren markantes, immer wiederkehrendes Motiv wohl jeder kennt, intonierte das Orchester mit dem düster wirkenden Satz „In der Halle des Bergkönigs.“ Mit fieberhafter Intensität steigert sich dieser in Tempo, Ambitus und Dynamik, bis der Berg zusammenbricht. Geradezu naturalistisch ist hier Ibsens Bühnenanweisung musikalisch umgesetzt: „Die Trolle flüchten unter Gepolter und Geheul. Die Halle stürzt zusammen; alles verschwindet.“

Zwischen der Musik und den Bühnenszenen wurden immer wieder Video-Sequenzen eingeblendet, in denen Schüler ihr Talent als Filmemacher unter Beweis stellten. Mit Hilfe kleiner Spielfiguren wurden hier Szenen wie etwa Peer Gynts Ankunft in Marokko im Mini-Format vor passender Kulisse nachgestellt und von Sprechern kommentiert.

Beim Satz „Anitras Tanz“ setzten plötzlich filigrane Pianotöne ein und junge Tänzerinnen wirbelten zu Klängen mit fein ausdifferenzierter Dynamik über die Bühne. Bis sich Peer Gynt, der einst ausrief „König, Kaiser will ich werden!“, zum Schluss wieder da findet, wo sein wahres Kaisertum liegt und Solvejg auf ihn wartet: „Zu Haus.“

Am Ende eines Konzertes, das spannend, poetisch, quirlig und bedachtsam zugleich daherkam, bedankte sich die stellvertretende Schulleiterin Beate Widmaier bei allen Akteuren: „Einmal mehr hab Ihr es geschafft, uns aus dem Alltag zu entführen. Ihr habt uns einen wunderbaren Abend beschert“, sprach sie allen Anwesenden aus dem Herzen.

Heute Abend gibt es die zweite Aufführung


Wieder in der Aula Wer die erste Ausgabe des Sommerkonzerts am Dienstagabend verpasst hat, der muss sich nicht grämen. Am heutigen Donnerstag wird „Peer Gynt“ um 19 Uhr noch einmal in der Aula des Gymnasiums Hechingen zu hören und zu erleben sein.