Hechingen Sommeratelier im Weißen Häusle ist eröffnet

Viel zu entdecken gibt es beim Sommeratelier im Weißen Häusle, wo Arbeiten der Künstler Nils-Simon Fischer und Jonas Monib zu sehen sind.
Viel zu entdecken gibt es beim Sommeratelier im Weißen Häusle, wo Arbeiten der Künstler Nils-Simon Fischer und Jonas Monib zu sehen sind. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 30.07.2018
Distanz ist, was man daraus macht: Nils-Simon Fischer und Jonas Monib gestal­ten das Sommeratelier im Weißen Häusle.

Energisch bahnt sich ein schwarzer Streifen seinen Weg mitten durch den Raum, führt den Blick in die Tiefe und wird doch ganz plötzlich durchkreuzt von einem schmalen gelben Klebeband. Ein Ablenkungsmanöver? Ein Hinweis darauf, dass es immer und auf jedem Weg eine Abzweigung gibt? Oder doch eher ein visuelles Element, das Verbindungen herstellt und Distanzen überwindet?

„Control the Streets Vol. 1“ lautet die Überschrift, unter der die beiden Künstler Nils-Simon Fischer und Jonas Monib das Sommeratelier im Weißen Häusle gestalten. Eine Woche lang werden sie in der Galerie des Kunstvereins Hechingen arbeiten und sich dabei von neugierigen Besuchern über die Schulter blicken lassen. Denn das Sommeratelier soll nicht nur Einblick in das Werk der Künstler geben. Es zeichnet sich, wie es der Kunstvereinsvorsitzende Eberhard Wünnenberg bei der Vernissage am Sonntag ausdrückte, auch dadurch aus, dass der Aspekt „Work in progress“ eine große Rolle spielt. Der Schaffensprozess ist hier ebenso wichtig wie das entstehende Objekt selbst. So wird Kunst nachvollziehbar.

„Über eine Woche wird hier im Raum gearbeitet; es wird sich noch viel verändern“, unterstrich Wünnenberg. „Kommen Sie vorbei und schauen Sie, was entsteht.“

Zu sehen gibt es im Weißen Häusle junge Kunst, die so manche Überraschung birgt. So wird etwa aus dem gelben Streifen, der diagonal über den Boden verläuft, um ganz plötzlich abzuknicken, bei näherer Betrachtung ein Träger von Botschaften. „Auf dem Bauch liegend sind sie entstanden und wahrscheinlich sind sie auch nur so zu entziffern“, gab Wünnenberg den Besuchern schmunzelnd den Rat, sich tief nach unten zu begeben, wo einen ganz unerwartet Kunst erwarten kann.

In winzig kleinen Buchstaben sind hier Wörter und Sätze aneinandergereiht, die einem Kurznachrichtendienst auf dem Smartphone entlehnt scheinen. Etwa „Ja, alles gut, was machst Du so?“ oder „Wann kommst Du?“ Aber auch schlichte Alltagsbeobachtungen wie „Fliege brummt“ oder die optimistische Feststellung: „Der Tag ist noch jung.“ Dazu zeichnerisch unglaublich präzise umgesetzte, Code-artige Symbole, die sich Reihe für Reihe aneinanderfügen.

Festgehalten hat die winzigen Wörter und Zeichen Nils-Simon Fischer, der sich in seinen Arbeiten mit dem sichtbaren und nicht sichtbaren Dingen des Alltags auseinandersetzt. Aus Grosselfingen stammend, lebt und arbeitet Fischer heute in Düsseldorf. Sein Künstlerkollege Jonas Monib, der in Stuttgart zu Hause ist, widmet sich in seinem Werk bildhauerischen Fragestellungen, zu deren Umsetzung ihm Artefakte der heutigen Zeit dienen. Zufällige Fundstücke, so ästhetisch ansprechend wie banal.

Im Weißen Häusle sind sie unübersehbar: Massive Brocken von Straßenasphalt, die sich im Raum verteilen und durch Sichtlinien miteinander verbunden sind. Die Werke des einen Künstlers treffen mit denen des anderen zusammen. Verschiedene Inspirationsquellen und Positionen werden so zu etwas Ganzheitlichem. Aus Distanz wird Nähe, genau wie in der Kommunikation der beiden Künstler, die die mehr als 300 Kilometer zwischen ihren Wohnorten durch moderne Kommunikationsformen überwinden. Eine Straße aus Asphalt braucht es dazu nicht. Was beim Blick in den Galerieraum aus der Distanz zunächst sehr reduziert wirkt, entfaltet bei näherem Hinsehen eine immense Wirkungskraft. Man darf also gespannt sein, was nach einer Woche Sommeratelier noch so alles wartet.

Info Das Sommeratelier im Weißen Häusle dauert noch bis zum kommenden Sonntag, 5. August, und ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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