Mit ihrem Recital „Eine Nacht in Granada“, einer aparten Mischung aus herb-melancholischen und ausgelassen-lebensfrohen Klängen, hat die international renommierte Gitarrenvirtuosin Johanna Beisteiner ein unverwechselbares, typisch spanisches Flair in die Räume der Villa Eugenia gezaubert.

In der Tradition verhaftet, entwickelte die sympathische Künstlerin trotzdem ihre individuelle, unnachahmliche Musiksprache: herb und wehmütig, rasant und heißblütig, magisch. Sie wählte als Auftakt ihres Konzerts ausgerechnet einen Flamenco aus der Feder eines russischen Komponisten Eduard Schafranski (1937-2005).

Als exquisites Schmankerl erwies sich Beisteiners Eigenkomposition, die „Don Quijote Fantasy“, nach Themen des gleichnamigen Ballettstücks von Léon Minkus. Brillant und in intensivem Dialog mit ihrem Instrument gelang der Gitarristin eine wunderbar leidenschaftliche und vielgestaltige Darstellung des „Ritters von der traurigen Gestalt“. Schönste melodische Einfälle, kunstvoll aufgelöste Akkorde, tanzartige Rhythmen aber auch harte Akkordrepetitionen umwoben den unangepassten Fantasten und Weltflüchter und gewährten aufschlussreiche und erhellende Einblicke in die unterschiedlichsten Ausdrucksweisen des Gitarrenspiels.

Wenig bekannt ist, dass der Violinvirtuose und Komponist Niccolò Paganini (1782-1828) auch ein begnadeter Gitarrist war. Seine „Große Sonate in A-Dur“ taucht den Zuhörer in herrliche, schattierungsreiche Klangwelten. Virtuose Kontrolliertheit und intelligente Gestaltung: Beisteiners Spiel besitzt alles, um besonders das Halbschattige in dieser Musik einzufangen. Rhythmisch fesselnd und im Dynamischen hochsensibel zu Werke gehend, entlockte sie ihrer Gitarre dabei alle klangfarblichen Möglichkeiten ebenso wie eine warme, tonliche Fülle und Tiefe.

Als bedeutender Vertreter der spanischen Gitarrenmusik gilt Francisco Tárrega (1852-1909). Seine kleinen romantischen Charakterstücke gehören zu den schönsten, die für die Gitarre geschrieben wurden. Mit Spielfreude und hörbarer Lust am Klang des Instrumentes setzte die Künstlerin in seinem berühmtesten Werk, den „Recuerdos de La Alhambra“, die Vorstellung von dem maurischen Palast in perlendes Tremolo um. Mit der volltönigen Gitarre von Paulino Bernabé, einem der brillantesten, spanischen Gitarrenbauer, schimmern und leuchten zwei spanisch inspirierte Walzer in wunderschönen Farben. Zarte Triller geben „katalanischen Weisen“ ihren Liebreiz und bezaubern die Zuhörer.

Feurig zupackend musizierte Johanna Beisteiner die zwei sehr spanisch durchkolorierten Charakterstücke „Asturias“ und „Granada“ aus der „Suite Espagnola op. 47“ von Isaac Albéniz (1860-1909) und beendete damit ihre Klangreise durch Spanien.

Die begeisterten, leider sehr wenigen Konzertbesucher entließen sie jedoch erst nach zwei Zugaben. Antonia Lezerkoss