Hechingen So virtuos geht Posaunenmusik

Das Ensemble „Blech Forest“ bietet Posaunenmusik der etwas anderen Art.
Das Ensemble „Blech Forest“ bietet Posaunenmusik der etwas anderen Art. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Von Antonia Lezerkoss 07.12.2018

Mit einem virtuos gestalteten Auftritt hinterlegte das international besetzte Posaunenensemble „Blech Forest“ in der Hechinger Johanneskirche eine hervorragende musikalische Visitenkarte und setzte dem letzten diesjährigen Konzert der beliebten Reihe „Musik in der Villa“ ein exquisites Sahnehäubchen auf.

Unter der künstlerischen Leitung von Abbie Conant und dem temperamentvollen Dirigat von Joseph Burnam boten die bestens gestimmten Musiker nicht nur festliche Musik, sondern auch Entertainment der Extraklasse. Mit brillanten Farben, großartiger Dynamik, perfektem Zusammenspiel und vor allem unbändiger Spiellust zelebrierten die jungen Meister aus aller Herren Länder die große klangliche und stilistische Bandbreite ihres Instrumentes, der Posaune.

Vom sinfonischen Klang über kammermusikalische Feinheiten bis zu jazzigen Inspirationen verwoben sie geschickt Weltliches mit Geistlichem, Erhabenes mit Leichtem. Die bedachte, intelligent vermischte dramaturgische Auswahl von Epochen, Stilen und Atmosphären, begeisterte das Publikum im – trotz eines Parallelkonzertes in der Stadthalle – gut besuchten Gotteshaus.

In festlicher Pracht und modernem Gewand boten Bläser die eröffnende, lebhafte „Canzona septimi toni“ aus Giovanni Gabrielis (1557-1612) bekannter Sacrae Symphoniae in der kirchenmusikalischen Stilistik der Zeit um 1600 strahlend und doppelchörig dar. Das von harmonischer Spannung erfüllte „Sancta Maria“ von Gabrieli gelang ebenso erhaben wie das der neueren Zeit zuzurechnende „Ave Maria“ aus der Feder von Franz Biebl (1906-2001). Das „Graduale – Os Justi“ von Anton Bruckner (1824-1896), das volltönende Tenor-, jubelnde Alt- und sonore Bassposaune in vollendetem Dialog musizierten, geriet zu einem funkelnd-virtuosen Juwel.

Kein Geringerer als der Floh war es, der das Christkind zum Lächeln brachte: Mit dieser heiteren Weihnachtsgeschichte von Karl-Heinrich Waggerl lockerte der dem Ensemble zugehörige Erzähler Lucas Kienzle den musikalischen Vortrag ebenso auf wie Prof. Gerhard Wolf, der charmant durch das Programm führte.

Nach der Pause, in der die angenehm überraschten Zuhörer mit Weihnachtsgebäck und Glühwein verwöhnt wurden, zeigten die Künstler, dass sie sich sowohl auf majestätisch-barocke Klänge als auch auf vergnügte, modernere Melodien verstehen. In klanglicher und besonders auch in technischer Hinsicht geradezu perfekt agierend, spielten sie Weihnachtslieder wie „Feliz Navidad“ und „Have your self a merry little Christmas“.

Aus New York stammt die junge Sopranistin Sonya McGaffey, die als Überraschungsgast und wahrer Augen- und Ohrenschmaus mit ihrer wundervollen, kristallklaren Stimme den Vortrag der Instrumentalisten wirkungsvoll bereicherte. Mit den gefühlvoll vorgetragenen Liedern „Climb every Mountain“, dem US-amerikanischen „The Christmas Song“, eroberte sie die Herzen der Zuhörer im Sturm; fröhlich und unbeschwert scherzte sie mit dem Bariton Richard Gonzalez (ebenfalls Überraschungsgast) in dem pfiffigen „Oh Baby it’s cold outside“.

Für Heiterkeit sorgten auch Abbie Conant, welche die Posaune in der „Sprache Neptuns“ präsentierte, und die „babylonische Sprachverwirrung“ der polyglotten Musikstudenten um den „Nikolaus“.

Das gemeinsam gesungene „Es ist ein Ros entsprungen“, ein inspiriertes „Tochter Zion“, das beschwingte „Joy to the World“ sowie der stimmungsvolle Vortrag des „Andachtsjodlers“ beendeten das mit begeistertem Beifall bedachte Konzert.

Furioses Finale für die Reihe „Musik in der Villa“

Es hat sich gezeigt, dass der Kulturverein Hechingen/Villa Eugenia mit Margarete Kipp-Lenkheit und Christoph Schanze an der Spitze sowohl mit diesem Konzert als auch mit der vielseitigen, sehr ansprechenden Programmauswahl für „Musik in der Villa“ das ganze Jahr über ein äußerst glückliches Händchen hatte.

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