Gruol Motorradtreffen – fast so gut wie Wacken

Maskiert: die Musiker von „Beast In Black“.
Maskiert: die Musiker von „Beast In Black“. © Foto: Max Bäurle
Gruol / Von Max Bäurle 04.09.2018
Pop-, Rock-und Metal-Bands aus ganz Deutschland begeisterten das feierwütige Publikum beim Motorradtreffen in Gruol.

Wacken-Verhältnisse in Gruol: Beim Motorradtreffen an der Himmelsleiter fühlte man sich vor allem am ersten Tag unweigerlich an das regnerische Wetter, das typischerweise beim großen Heavy-Metal-Festival in Wacken herrscht, erinnert. Vermutlich auch aufgrund der widrigen Bedingungen war am Freitag nicht ganz so viel los wie in den Vorjahren, das Zelt war aber zumindest gut gefüllt. Und die Stimmung war prima.

Als bekannteste Band für den ersten Tag hatten die Veranstalter die berühmte deutsche Metal-Combo „Grave Digger“ aus Gladbeck verpflichten können. Diese wartete mit Titeln von früher auf, spielte aber auch Songs vom in Kürze erscheinenden Album „The Living Dead“. Nachdem die vier Musiker um Sänger Chris Boltendahl die Bühne geentert hatten, fragte dieser: „Are you ready?“ – und die Meute antwortete mit einem langgezogenen „Jaaaa“ beziehungsweise „Yeaaaah“. Boltendahl erwies sich als „Lawbreaker“ und „Witch Hunter“ und teilte später bei „Circle of Witches“ mit, dass dieser Song in Gruol seine Live-Premiere feiere.

Der Frontman heizte die Stimmung immer wieder an, und bei „Ballad of a Hangman“, ein Song, der durch seine „Hohoho“-Piratenchöre auffällt, sangen Boltendahl und Fans abwechselnd. Bei vielen Liedern stachen die filigranen Gitarrensoli von Axel Ritt heraus. Das abwechslungsreiche „The Curse of Jacques“ bestach durch einen dezenten Beginn, melodiöse Elemente und einen tollen Groove. Bei einem wieder schnelleren, treibenden und ebenfalls groovenden Titel stellte der Sänger der Band klar, dass in seiner Brust ein „Lionheart“ schlage – und das Publikum sang wieder begeistert mit. Schlagzeuger Marcus Kniep wirbelte hier ganz besonders. Vor dem Titel „Tattooed Rider“ informierte Boltendahl, dass man diesen Titel extra für alle Biker geschrieben habe. Natürlich durfte auch der größte Hit „Rebellion“ nicht fehlen. Nach zwei Zugaben endete am Freitag das Konzert von „Grave Digger“.

Den Anfang machte am Freitagabend die AC/DC-Coverband „Big Balls“ aus Stuttgart, die kurzfristig für die Judas-Priest-Coverband „Just Priest“ eingesprungen war. Bei ihrem Auftritt reihte sich Hit an Hit, und so erklangen unter anderem „Back in Black“ und „Thunderstruck“ – und mit „TNT“ auch eine der bekanntesten Rockhymnen überhaupt. 

Dann kam die ebenfalls mit Spannung erwartete finnische Band „Beast In Black“ auf die Bühne, und die Musiker hatten ihr Publikum fast von der ersten Sekunde an auf ihrer Seite. Sowohl die Instrumentalisten als auch Sänger Yannis Papadopoulos wussten bei den häufig im Up-Tempo angesiedelten Songs voll zu überzeugen. Der bestens aufgelegte Sänger  forderte das Publikum beim etwas weniger schnellen „Touch in the Night“ zum Mittanzen auf. Bei der traumhaften Ballade „Ghost in the Rain“ sah man im Rund viele Lichter von in die Höhe gereckten Smartphones, und Sänger Yannis ging auch hier mit klarer Stimme zu Werke. Veredelt wurde die Ballade von einem gefühlvollen Gitarrensolo.

Den Abschluss machte am Freitag die Cover-Band „John Diva and the Rocket of Love“. Die Musiker erinnerten in ihren schrillen Outfits an die großen Rockgruppen sowie Glam-, Hair- und Posermetalbands der 80er und hatten zwei hübsche Cheerleader mitgebracht, die für zusätzliche Abwechslung sorgten. Zu Liedern unter anderem von Whitesnake gesellten sich „Oh Yeah“ von Mötley Crüe und „Rock you like a Hurricane“ (Scorpions) – und bei „We’re not gonna take it“ „Poison“, „Jump“ und „The Final Countdown“ ging im Publikum richtig die Post ab. Am Samstag heizte zunächst das Trio „Nitro Gods“ aus Esslingen/Hannover ein, das erdigen, ungezügelten Rock’n’Roll auf die Bühne zauberte. Auch am zweiten Tag war die Stimmung gut, und beim Auftritt der „Nitrogods“ wurde gleich fleißig mitgesungen. Die Band hatte den „Boogie Man“ mit nach Gruol gebracht und verwandelte das Zelt ins „Whiskey Wonderland“. Zu den eigenen Songs gesellten sich die „Motörhead“-­Hits „Overkill“ und „Ace of Spades“. „Hardbone“ aus Hamburg zeigten sich enorm spielfreudig und setzten im Stile von Bands wie AC/DC und eigenen Songs Akzente. Die Akteure stellten klar: „This is Rock’n’Roll“ und ließen den „Sound of the City“ im Zelt erklingen. Den Abschluss machte die Fürther Band „Powerage“ mit bekannten Pop-, Rock- und Metal-Songs.

Das Open Air in Wacken

Das Wacken Open Air ist ein seit 1990 stattfindendes Heavy-Metal-Festival, das jährlich am ersten Augustwochenende in der Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein stattfindet. Nahezu alle Spielarten des Hard Rock und Metal sind auf dem Festival vertreten. Mittlerweile ist es eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt und eines der größten Open-Air-Festivals Deutschlands. In den Jahren 2011 bis 2018 lag die Teilnehmerzahl jeweils bei rund 85 000 Menschen, davon 75 000 zahlende Besucher.

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