Sigmaringen Sie bleiben bis April

Bis zu 350 Flüchtlinge sollen nach Vereinbarung des Landes mit der Bundeswehr, der Stadt und dem Landkreis Sigmaringen bis Ende April 2015 in der Graf-Stauffenberg-Kaserne untergebracht werden.
Bis zu 350 Flüchtlinge sollen nach Vereinbarung des Landes mit der Bundeswehr, der Stadt und dem Landkreis Sigmaringen bis Ende April 2015 in der Graf-Stauffenberg-Kaserne untergebracht werden.
SWP 25.02.2015
Die Behörden wollen bis Ende April Flüchtlinge in der Sigmaringer Graf-Stauffenberg-Kaserne unterbringen. Beim Infoabend berichtete Frank Maier, Leiter der LEA in Meßstetten, über seine Erfahrungen.

Das Ministerium für Integration, das Regierungspräsidium, der Landkreis und die Stadt Sigmaringen informierten in der Sigmaringer Stadthalle über die Unterbringung von Flüchtlingen in der Stauffenberg-Kaserne.

Die knapp 100 Zuhörer, die in die Sigmaringer Stadthalle gekommen waren, setzten sich hauptsächlich aus potenziellen Helfern oder schlicht an der Problematik interessierten Menschen zusammen. Es gab in der Fragerunde praktisch keine kritischen, geschweige denn ablehnende Wortmeldungen zur Aufnahme der Flüchtlinge. Die Stimmung war entspannt.

So wurden in erster Linie Fragen gestellt, bei denen es zunächst um die Verbesserung der momentanen Situation der Menschen in der Kaserne ging. Bürgermeister Thomas Schärer verwies in seinen einleitenden Worten darauf, dass man den Menschen, die aus Not nach Deutschland kommen, mit Offenheit und Freundlichkeit begegnen müsse, und würdigte das ehrenamtliche Engagement der Helfer.

Joachim Pampel, Leiter der Abteilung II im Integrationsministerium, die für Flüchtlinge zuständig ist, betonte, dass die Flüchtlinge aus dem Kosovo, die derzeit in der Kaserne untergebracht sind, nur sehr geringe Chancen auf eine Anerkennung als Asylbewerber hätten, auch wenn der Kosovo nicht als sicherer Herkunftsstaat eingestuft sei. Er verwies auf das Bestreben, die Asylentscheidungen zu beschleunigen und versicherte, dass der Vertrag zwischen dem Ministerium und dem Landkreis eine Unterbringung nur bis zum 30. April dieses Jahres vorsehe. An eine Verlängerung sei keinesfalls gedacht: "Es gibt keinen Geheimplan des Landes."

Die stellvertretende Regierungspräsidentin aus Tübingen, Grit Puchan, erklärte, seitens des Landes stünden alle benötigten personellen und finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Aus den Zuhörern kam die Frage, ob es möglich sei, den Flüchtlingen den Kontakt in die Heimat mittels Internet und Skype-Verbindungen zu ermöglichen. Frank Maier, der Leiter der Erstaufnahmestelle in Meßstetten, die auch für die Sigmaringer Flüchtlinge in der Kaserne zuständig ist, berichtete von den Erfahrungen, die man dort gemacht hat, und verwies darauf, dass man in Sigmaringen nicht alle wünschenswerten Einrichtungen schaffen könne, da der Vertrag ja bereits Ende April auslaufe. In Sigmaringen sei überdies das Handy-Netz wesentlich besser als in Meßstetten, so dass man hier problemlos telefonieren könne. Bedenken, dass für das Landeskinderturnfest im Frühsommer durch die Flüchtlingsunterbringung Unterkünfte fehlen könnten und die Bundeswehrturnhallen belegt seien, wurden unter Verweis auf die Vertragslage zurückgewiesen.

Zur Sprache kam auch die Bewältigung der Alltagsprobleme, die sich den Flüchtlingen in einer ungewohnten Umgebung stellen und die Sprachbarrieren und Schwierigkeiten beim Einkaufen. Grit Puchan und Landrätin Stefanie Bürkle versicherten, dass man sich bemühe, Grundlagen zu vermitteln. Gedanken machen sich die Bürger auch darüber, ob die derzeit zwei zusätzlichen Stellen für Sozialarbeiter in der Betreuung ausreichend seien.

Nach den ersten Ablehnungsbescheiden könnten sich Frustration und Enttäuschung breit machen und zu Problemen führen. Bei Bedarf könne man die Stellen jederzeit aufstocken, hieß es hierzu aus dem Regierungspräsidium. Die Flüchtlinge seien darüber aufgeklärt worden, dass ihre Chancen gering seien. Landrätin Stefanie Bürkle betonte in ihrem Schlusswort, dass es die Aufgabe des Landkreises und der Bürger vor Ort sei, sich für eine menschenwürdige Lösung der Probleme einzusetzen.