Sickingen Sickingen bleibt wehrhaft

Der Stadtteil Sickingen bangt um die Eigenständigkeit seiner kleinen Grundschule.
Der Stadtteil Sickingen bangt um die Eigenständigkeit seiner kleinen Grundschule.
Sickingen / SWP 24.01.2012
In Sickingen blickt man der Zusammenarbeit mit der neuen Bürgermeisterin zuversichtlich entgegen. Aber Dorothea Bachmann wird auch gleich an die Einhaltung der Eingemeindungsverträge erinnert.

Gestern Abend erinnerte Ortsvorsteher Gerhard Henzler in seinem Jahresrückblick daran, dass Hechingens neue Bürgermeisterin Dorothea Bachmann am Wahlsonntag 9. Oktober in Sickingen besonders viele Stimmen geholt hat. Bei einer Wahlbeteiligung von 46 Prozent bekam die Bewerberin 80 Prozent Zustimmung. "Die Sickinger erhoffen sich von der neuen Bürgermeisterin, (. . .) dass ihr inneres Wertesystem nicht gar alles beliebig zur Disposition stellt, sondern dass es für sie auch heilige und damit unantastbare Bereiche gibt", lautete Henzlers Botschaft in Richtung Hechingen. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und Sickingen solle "von Sachlichkeit, Kompetenz und Harmonie auf der Grundlage der Eingemeindungsverträge" geprägt sein.

Die Zukunft der Schule ist derzeit wohl die größte Sorge der Sickinger. Die Nachricht, dass es dem Schulamt nicht gelungen sei, eine geeignete Person für die Schulleitung der Sickinger Grundschule zu finden und die Schule deshalb zu einer weiteren Außenstelle der Grundschule Hechingen gemacht werden soll, sorgte in Sickingen und Bechtoldsweiler für große Unruhe und Proteste. Seit 1882 haben die beiden Hechinger Teilortsgemeinden eine eigene Grundschule, die das Dorfschulsterben der 60er-Jahre überlebt hat und sogar vergrößert und ausgebaut wurde. Bereits seit Mai 2010 wird die Schule von einem Lehrerinnenteam unter der Leitung von Ingrid Lehmann interimsmäßig geführt. Im Oktober wurde die Schulleiterstelle erneut in der Fachzeitschrift "Kultus und Unterricht" ausgeschrieben.

Für Diskussionen sorgte in Sickingen auch das Vorhaben der Stadt, die Sankt-Antonius-Kirche der katholischen Kirchengemeinde zu übertragen. Der Sickinger Ortschaftsrat stimmte unter zwei Bedingungen zu: das Gebäude müsse auch in Zukunft von der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde genutzt werden können, wie es in Sickingen seit 1968 üblich ist, und es müsse im Tausch oder durch einen symbolischen Kauf ein kirchliches Grundstück (Nr. 105) in den Besitz der Gemeinde übergehen.

Positiv verändert hat sich im vergangenen Jahr der Ortskern Sickingens. Nachdem schon das vorige Jahr mit "Großbaustelle Sickingen" überschrieben werden konnte, geht die Bautätigkeit munter weiter. Markante Veränderungen ergeben sich durch den Abriss des früher stolzen Bauernhauses des damals reichsten Sickingers in der Achalmstraße 15, das einer Gartenanlage Platz macht, sowie durch den Umbau des sogenannten Glaserhauses Ecke Valentin- und Achalmstraße. Weitere Häuser entstanden im Baugebiet "Helle". Im Streckenabschnitt Anton-Bruckner-Straße, Mozartstraße, Bergweg und Hohenzollernstraße wurde der zweite Teil der Kanalsanierung in Angriff genommen und vollendet. Entlang der Dorfdurchgangstraße wurden die Bürgersteige erneuert und der Platz vor den Häusern Achalmstraße 9 bis 13 neu gestaltet. Er erhielt eine neue Oberflächenstruktur und eine Linde, die nachts von zwei Bodeneinbaustrahlern erleuchtet wird.

Um die Sickinger Grundschule und den Kindergarten zu stärken, beschloss der Ortschaftsrat, im Gewann "Witzenhart" das nächste Baugebiet auszuweisen. Mit großer Mehrheit setzte der Ortschaftsrat die Änderung des Bebauungsplanes "Sickinger Wiesen" durch, damit die Firma Hoffmann Blechverarbeitung an ihrem bisherigen Standort weiter expandieren kann.

Die Sickinger Wünsche an den Haushalt 2012 nennt Ortsvorsteher Henzler "bescheiden". So müsse in einem Teil der Mozartstraße eine alte Wasserleitung ersetzt werden. Die "Oberen Gärten" seien ein "Schandfleck in der Dorfmitte" und gehörten als Straße ausgebaut. Der Friedhofbereich sollte von gefährlichen Stolperfallen befreit werden und ein kleines Rasengrabfeld sowie einen befestigten Weg am Rande für Betriebsfahrzeuge erhalten. Im Schulbereich wären Unterhaltsarbeiten und die letzten Brandschutzmaßnahmen umzusetzen und in der Fahrzeuggarage der Feuerwehr fehlt noch die vorgeschriebene Absauganlage.

Ein ausführlicher Blick auf die Veranstaltungen des vergangenen Jahres rundete den Sickinger Rückblick ab. "Unsere Vereine, der Kindergarten, die Grundschule, die evangelische und die katholische Kirche beleben mit ihren Aktivitäten den Wohnort Sickingen", stellte Henzler fest. Besonders erwähnt wurde der Alemannenumzug mit rund 100 Teilnehmern.

Hervorgehoben wurde auch die vom Ehepaar Kopf angeregte Initiative "Bürger helfen ehrenamtlich Bürgern", die beim Ortschaftsrat und bei der Bevölkerung auf sehr positive Resonanz stieß. Zirka zehn Personen helfen kostenlos oftmals älteren und alleinstehenden Einwohnern bei alltäglichen Erledigungen oder leisten ihnen einfach nur Gesellschaft. Die Initiative sei nicht als Konkurrenz zu bestehenden sozialen Diensten zu sehen, sondern als"bürgerschaftliche Ergänzung und Abrundung" der bestehenden Angebote.

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