Ein BMW-SUV mit Riesenanhänger kurvt höchst vorsichtig durch die Untere Mühlstraße. An der Rückseite des Schuhfachgeschäfts angekommen, versucht der Fahrer rückwärts in Richtung des verwahrlosten Stadtmühle-Anbaus anzudocken. Kein leichtes Unterfangen, denn vorne schimpfen Nachbarn, hinten ist es verdammt eng – und auf dem Hänger sind vier stattliche Balken gelagert. Irgendwann ist es aber doch geschafft, und die voluminösen Hölzer, gefertigt an der Steinlach, können abgeladen werden. Das gibt einem ebenfalls leicht voluminösen Herren die Gelegenheit, sich von den aufgebrachten Anwohnern zu lösen. Bei ihm handelt es sich um den Besitzer der Stadtmühle, auch Untere Mühle genannt.

Mit den vier Balken, so kündigt der Türke an, geht es nun an die Arbeit: Die Wand des Lagergebäudes, die vollends einzubrechen droht, soll neu hochgezogen werden. Deshalb war er am Morgen im Bauamt und auch beim Bürgermeister, erzählt er. Und er macht den Eindruck, als wolle er nur das Beste mit der Stadt erreichen. Noch in dieser Woche soll die Mauer stehen. Nächste Woche komme ein Statiker, der das Ergebnis unter die Lupe nimmt. Und dann? Ja, dann könnten tatsächlich die seit über vier Jahren wegen der Einsturzgefahr des Mühlenanbaus abgesperrten öffentlichen Parkplätze wieder freigegeben werden. Und die Nachbarn würden  sich endlich wieder beruhigen, weil Platz für Autos von Bewohnern und Kunden ist.

Ob dieses Szenario tatsächlich Wirklichkeit wird, das wird nun spannend – und dürfte sich in Bälde entscheiden. Der Besitzer der Stadtmühle und die Stadt Hechingen befinden sich seit einer kleinen Ewigkeit wegen eben der Parkplätze in einem durchaus intensiven Rechtsstreit, der bis ans Verwaltungsgericht Sigmaringen geführt hat. Der jüngste Showdown endete am Sonntag, 30. September. Bis dahin hätte der vorwiegend in der Türkei lebende Mühlenbesitzer, der er seit 2002 ist, Zeit gehabt, um, so schreibt die Stadt, „einen ordnungsgemäßen Zustand wiederherzustellen“.

Der Mann, der fließend deutsch spricht, hatte fristgerecht zum 15. August die Auftragsbestätigungen eines Unternehmers und eines Statikers vorgelegt. Bis Sonntag allerdings war nur ein Gerüst aufgebaut, „so dass die Frist objektiv nicht eingehalten wurde“, betont die Stadt. Die Folge: Am Montag wurde Ersatzvornahme festgesetzt. Anders ausgedrückt: Die Stadt lässt abbrechen auf Kosten des Eigentümers. Durchgezogen werden soll das, sobald der Eigentümer über die Ersatzvornahme informiert ist. Inzwischen hat die Stadt von ihm auch eine Zustelladresse in Deutschland erhalten. Dann geht’s schneller.

Im Rathaus geht man davon aus, dass der Herr der Immobilie beim Verwaltungsgericht erneut einen Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz stellen wird. Weil der Vorgang in Sigmaringen bekannt ist, werde aber sicherlich zügig entschieden. In wessen Sinne, bleibt abzuwarten. Unter Umständen ist bis zur nächsten Gerichtsentscheidung ein stabiles Mäuerchen erwachsen.

Zwangsversteigerung steht ins Haus


Die Uhr tickt Unabhängig von der Parkplatz-Frage läuft derzeit das Verfahren zur Zwangsversteigerung der Mühle, und zwar „planmäßig“, wie die Stadt wissen lässt. Das Verwaltungsgericht hat die Anträge des Eigentümers abgelehnt. Der Termin zur Schätzung des Gebäudes hat stattgefunden. Derzeit, so schreibt die Stadt, erstellt ein Sachverständiger das Wertgutachten. Liegt das vor, wird ein Termin zur Zwangsversteigerung anberaumt. In der Kreide steckt der Besitzer bei der Stadt mit etwa 3000 Euro, bei den Stadtwerken mit gut 15 000 Euro. Zahlt er, hätte sich die Zwangsversteigerung wohl erledigt. kle