Die große Welt des William Shakespeare beginnt bei ihm nicht im England, sondern unter einer Trockenhaube im „Friseursalon Philippe“: Wenn Bernd Lafrenz die Bretter betritt, welche die Welt bedeuten, nimmt eine One-Man-Show ihren Lauf, die es in sich hat. Er schlüpft in die Rolle von Frau Kaiser, die beim Friseur eine Liebesnachricht per Smartphone empfängt. Einmal kurz die Perücke gedreht, schon ist Frau Becker an der Reihe, die sich denselben amourösen Avancen eines Unbekannten ausgesetzt sieht. Schnell merken die Damen: Da ist ein Heiratsschwindler par excellence am Werk! Ein Skandal der seinesgleichen sucht und ihn in Shakespeares Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ findet.

Der Friseur weiß Bescheid

Das weiß keiner besser als Friseur Philippe, der – natürlich ebenfalls verkörpert vom Solo-Künstler Lafrenz – seinen Kundinnen und gleichzeitig dem Publikum im Hechinger „Museum“ sogleich die Geschichte von Sir John Falstaff erzählt. Der ist ein „etwas abgehalfterten Ritter“, der in völliger Überschätzung seiner Wirkung auf Frauen gleich zweien Avancen macht. Sein Ziel: Er will mit Charme und List an das Geld der wohlhabenden Damen kommen.

Wer an dieser Stelle noch glaubt, dass vier Rollen schon genug seien, wird von Bernd Lafrenz sogleich eines Besseren belehrt. In Windeseile und mit wenigen Handgriffen baut er mitten im Stück die nur spärlich mit  Requisiten ausgestattete Kulisse um, schafft eine neue Atmosphäre, einen neuen Raum. Aus einem Kleiderständer wird kurzerhand ein Gasherd, der Regenschirm zum Schwert. Genauso hurtig schlüpft der Mime von einer Rolle in die nächste, verkörpert mal den großspurigen Falstaff, mal den Französisch parlierenden Dr. Cajus, wechselt vom Friedensrichter zum Pfarrer, vom Diener zur Zofe, von Frau Page zu Frau Ford. Selbst vor einem kläffenden Hund macht der Verwandlungskünstler nicht Halt.

Die große Lust am Spiel

Egal, ob Männlein oder Weiblein, jung oder alt, gewitzt oder einfältig: Lafrenz zündet ein Feuerwerk der Mimik und Gestik, fegt wie ein Derwisch über die Bühne, ist ein Gaukler und Jongleur der Worte und Stimmlagen. Die Lust am Spiel steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Welcher der rund 20 verschiedenen Charaktere, die er bei seiner freien Interpretation von Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ verkörpert, sein liebster ist – man mag es nicht beurteilen.

Im Alleingang zeichnet der Schauspieler ein komödiantisches Bild davon, wie der in Geldnöten befindliche Sir Falstaff, der „noch nie so tief gefallen“ ist, auf die Idee kommt, gleichzeitig mit zwei Damen anzubandeln. Unterstützung holt sich Lafrenz beim Publikum, das im Laufe des Stücks als Chor auftritt und die Bürger von Windsor verkörpert. Kaum ist Falstaff auf den imaginären Straßen der Stadt unterwegs, wird auf Wink des Mimen lautstark „Da ist der Betrüger“ skandiert. Der lässt sich allerdings so schnell nicht einschüchtern. „Frau Ford und Frau Page – die werde ich brandschatzen“, lässt Falstaff wissen. Mir nichts, dir nichts verfasst er zwei gleichlautende Liebesbriefe und sieht sich schon in Gold und Silber baden. Doch das Doppelspiel wird von den Damen entdeckt, die alsbald Rachepläne schmieden. „Wir können uns doch einen kleinen Spaß machen mit diesem Ritter, bis das lodernde Feuer der gierigen Lust ihn in seinem eigenen Fett zerschmoren hat“, sinnieren sie.

Ganz so dicke kommt es am Ende aber nicht: Im dunklen Schlosspark, in dem die Mitternachtsglocken vom Publikum mit lautem  „Bong, Bang“ imitiert werden, kommt es zum großen Finale. Die Bürger von Windsor jagen dem Ritter einen Riesenschrecken ein. Der gelobt Besserung: „Ich will nur noch Gutes tun“, lässt er wissen und wird daraufhin zum Freudenfest geladen. Friseur Philipp ist mit seiner Geschichte am Ende angelangt. Der Rest ist Schweigen, wie es in einem anderen Shakespeare-Stück so treffend heißt.

Nochmal Shakespeare, diesmal für Kinder


Wilde Liebesraserei Am Dienstag, 27. November, gastiert das Ensemble Phoenix aus Köln mit seiner an Kinder gerichteten Inszenierung von „Ein Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare um 14:30 Uhr in der Stadthalle Hechingen. Es geht um Feen, Elfen, Geister und Kobolde, einen Mensch mit Eselskopf und zwei Liebespaare, die in ein unglaubliches Wirrspiel verwoben sind. Im Mittelpunkt steht die Komik von Durcheinander und Verwechslungen.

Ab acht Jahren Das Stück eignet sich für Kinder ab acht Jahren. Karten gibt es im Bürger- und Tourismusbüro, bei der Buchhandlung Teresa Welte und an der Tageskasse. Gruppen ab zehn Kindern können sich im Sachgebiet Tourismus und Kultur der Stadt Hechingen anmelden und erhalten einen Preisvorteil. (Telefonnummer 07471/940-119).