Das Buch über die Nonnen von SantAmbrogio hat weit über die Wissenschaftskreise hinaus Aufsehen erregt. Der Verfasser, der in Münster lehrende Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf, ein gebürtiger Schwabe, kommt nun auf Initiative des Hohenzollerischen Geschichtsvereins nach Hohenzollern, um die Bezüge zur hiesigen Region aufzuzeigen.

Am Montag, 8. Juli, schildert Wolf um 20 Uhr im Spiegelsaal des Staatsarchivs Sigmaringen eingehend die Erlebnisse der Fürstin Katharina von Hohenzollern im Kloster SantAmbrogio in Rom und stellt sein Buch näher vor. Fürstin Katharina trat 1858 in das Kloster ein und wurde dort beinahe Opfer eines Giftanschlages. Im Sommer 1859 konnte sie fliehen und erstattete Anzeige bei der Römischen Inquisition. Damit brachte sie ein Verfahren ins Rollen, das die von Wolf in fesselnder Weise rekonstruierten skandalösen Vorgänge in dem römischen Nonnenkloster - angefangen bei homo- und heterosexuellen Verfehlungen bis hin zu Mord - aufdeckte. Nach ihrer Flucht lernte Katharina die Benediktinermönche Maurus und Placidus Wolter kennen, mit denen sie 1863 das Kloster Beuron gründen sollte.

Am Dienstag, 9. Juli, geht Wolf um 9 Uhr im Festsaal des Klosters Beuron (Zugang über die Klosterpforte) der Frage nach, wie die Brüder Wolter und ihre Klostergründung Beuron in dem Konflikt zwischen Modernisierern und Konservativen einzuordnen sind. Wolf beschränkt sich dabei nicht auf die Schilderung von Verbrechen und sexuellen Verfehlungen, sondern bettet die Ereignisse und das Inquisitionsverfahren ein in die Auseinandersetzungen zwischen den damaligen Richtungen in der katholischen Kirche. Schließlich waren in den Skandal konservative Kirchenkreise direkt oder indirekt verwickelt, die die Kirche gegen die Moderne abzuschotten versuchten. Namentlich der Jesuit Josef Kleutgen, der später wesentlich am päpstlichen Unfehlbarkeitsdogma mitwirken sollte, war als Beichtvater der Nonnen tief in den Skandal verstrickt, und dies nicht nur, weil er im Bett einer Nonne landete.

Ein wichtiges Dokument, das Wolf neben den Akten der Inquisition für seine Forschungen herangezogen hat, befindet sich im Staatsarchiv Sigmaringen, genauer in dem dort als Depositum verwahrten Fürstlich Hohenzollernschen Haus- und Domänenarchiv. Das Staatsarchiv hat dieses Dokument ins Internet eingestellt (www.landesarchiv-bw.de/stas, unter der Rubrik "Aktuelles"). Es handelt sich dabei um die "Erlebnisse der Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen in SantAmbrogio zu Rom", die Katharinas Vertraute Christiane Gmeiner 1870 in deren Auftrag zu Papier zu brachte.