Bechtoldsweiler Sein liebstes Kind

Bechtoldsweiler / HORST BENDIX 24.08.2012
Vier liebevoll umsorgte Oldtimer stehen bei dem Bechtoldsweilemer Walter Haag in der Scheune. Sein liebstes Kind ist ein Lanz-Bulldog mit Baujahr 1937. Die HZ hat bei der Hege und Pflege zugeschaut.

Lanz, das ist mehr als ein Name, ein Begriff, eine Legende aus der ehemaligen Werksfabrik Mannheim. Seit dem Jahr 1967 ist der Name verschwunden. Als neuer Begriff ist heute die John- Deere-Lanz in aller Munde. So hat man der fortschreitenden Technik Rechnung getragen. Die Vergangenheit macht "wum-wum-wum-wum". Es kann losgehen, der Kamin raucht. Gemeint ist der aus dem Jahr 1937 stammende Lanz-Bulldog, mit dem Walter Haag schon viele Bulldog- und Schleppertreffen vom Bodensee bis in den Schwarzwald besucht hat. Sein Lanz läuft, zwar langsam, aber Staunen und Anerkennung allerorten sind ihm gewiss.

Die Augen glänzen, wenn der passionierte Landwirt Walter Haag auf seinen Fuhrpark schaut, unter dem sich nicht nur zwei uralte Lanz-Schlepper, sondern auch ein McCormick aus Neuss bei Köln und ein Wahl-Schlepper befinden. Letzterer wurde bis in die 50er-Jahre in der Kreisstadt Balingen gebaut, gleich neben dem Bahnhof, wie Walter Haag weiß.

Der ganze Schlepper wackelt und schaukelt: "Es ist schon eine kleine Wissenschaft mit dem alten Lanz, bis alles rund läuft", wischt sich Walter Haag vom Kurbeln den Schweiß von der Stirn. Den Lanz-Bulldog, umgangssprachlich auch Ackerschlepper geheißen wegen seiner Einfachheit und Robustheit so geheißen, hat er von einem Landwirt aus dem Bodenseekreis erworben. Mit diesem Vehikel war damals kein Staat mehr zu machen gewesen. Aber wer den Mechaniker und Tüftler Walter Haag kennt, der weiß, dass er auch einen regelrechten Schrothaufen nach mehrjähriger Restaurierung wieder fahrbereit machen kann. Tag und Nacht schuftete er mit blauem Anton bewappnet und ölverschmierten Händen an seinem liebsten Kind. Und jetzt sieht der alte Lanz wieder aus, als wäre er gerade aus den Werkstoren gerollt worden. Und die Augen des 72-Jährigen leuchten, wenn er auf den Mercedes unter den Oldtimern zeigt.

Bevor Walter Haag die Glühnase im Zylinderkopf vorglühen kann, muss er die Heizlampe anzünden. Die Vorglühzeit an der Glühnase funktioniert an diesem Morgen noch nicht so richtig, deshalb muss er das Lenkrad (!) mehrmals seitlich in die Kurbelwelle setzen, damit sich der Treibstoff entzünden und mit Schwung dann das vibrierende Geräusch des Lanz-Bulldogs ertönen lassen kann. Nach gut zwölf Minuten ist es dann so weit, und das "wum-wum-wum-wum" gibt das Signal zur Fahrbereitschaft. "Ich muss immer wieder üben, üben und üben, um die Schaltung in den Griff zu kriegen", lacht Walter Haag. Das ist ein zeitaufwändiges Unterfangen, aber jetzt ist es geschafft, und der Lanz kommt auf Touren. "Ich drehe heute anschließend noch eine Runde um das Dorf", lässt Haag wissen.

Man kann bei diesem Oldtimer nicht einfach so den Zündschlüssel drehen wie bei den Nachfolgern, zeigt der Mechaniker Walter Haag. Dies macht den enormen Fortschritt im Traktorenbau deutlich. Und wie kam der Bechtoldsweilemer eigentlich zu diesem Hobby? Walter Haag kratzt sich am Kopf und denkt nach: Als sein Vater nicht mehr aus dem Krieg heimgekommen war, musste er die Ärmel hochkrempeln. Zusammen mit seiner Mutter trieb er die Landwirtschaft um. Das war dann der Startschuss für seine Leidenschaft für Lanz-Bulldogs. Und heute sieht man Walter Haag bei Schleppertreffen in der ganzen weiten Region. Dann heißt es immer: "Die Schlepperfreunde soundso begrüßen Walter Haag mit seinem Oldtimer vom Typ 2816, mit Hubraum 2,616 und der Pferdestärke 28 vom Baujahr 1937" - und das nun schon seit rund 25 Jahren.

Der Tüv spielt bei diesem Hobby eine große Rolle. Erst wenn alles abgenommen ist, darf der Lanz auf die Straße, unterstreicht Walter Haag. Es ist ihm wahrhaftig zu gönnen, dem 72-jährigen Bechtoldsweilemer, dass er noch viele Jahre für spannende Vorstellungen mit seinem Fuhrpark sorgen kann, und wenn Haag, Altöl statt Blut in den Adern zu haben scheint, was viele Besucher ihm über die Jahre hinweg attestierten, ist dies der beste Beweis für ihn, dass er den Lanz-Bulldog noch lange fahren kann.