Hechingen Sebastian hilft im SOS-Dorf in Bolivien

Im nächsten Monat heißt es Abschied nehmen (von links): Sebastian Pappe, Elisa Pappe und Georg Pappe.
Im nächsten Monat heißt es Abschied nehmen (von links): Sebastian Pappe, Elisa Pappe und Georg Pappe. © Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / Bernd Ullrich 17.07.2018
Nach dem Abitur etwas wirklich Sinnvolles tun. Das plant ein Hechinger im SOS-Dorf in Bolivien.

Die Voraussetzungen für den jungen Mann sind eigentlich optimal. Mutter Elisa kommt aus Bolivien, und Papa Georg hat einige Jahre in dem Land verbracht. Das bedeutete, dass Francesco zweisprachig aufwuchs. Kenntnisse der Sprache sind aber nicht unbedingt eine Voraussetzung beim Auswahlverfahren des „weltwärts“-Programmes in Zusammenarbeit mit dem Bolivianischen Kinderhilfswerk (BKHW) für den Auslandsdienst. Sie werden aber gerne gesehen.

Was bewegt den jungen Mann  in das Land zu gehen, das als eines der ärmsten Südamerikas mit einer sehr hohen Kinderarbeitsrate gilt? „Es sind im Wesentlichen zwei Dinge, die mich antreiben“, sagt Sebastian Pappe. Da ist zum einen der Wunsch Land und Leute kennen zu lernen und auch seine Wurzeln mütterlicherseits zu erkunden. Und zum anderen ist da das Anliegen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Zu den Voraussetzungen für die Annahme seiner Bewerbung für das „weltwärts“-Programm zählen der feste Wille und die Bereitschaft zu helfen. Diese Fähigkeiten hat er in Hechingen bei kirchlichen Aktivitäten und im sozialen Bereich schon unter Beweis gestellt. Seine Arbeit mit jungen Ministranten hat ihn auf die Idee gebracht, später als Grundschullehrer zu arbeiten. Sport und Musik werden bei dem jungen Mann großgeschrieben, und beides will er auch jungen Menschen in Südamerika vermitteln.

Das wird vermutlich kein Spaziergang werden, kennt er doch die Verhältnisse dort durch Schilderung seiner Eltern. Mangelnde Schulbildung, Armut und daraus resultierende Probleme machen es den Menschen schwer und werden mannigfaltige Anforderungen an den jungen Mann aus Deutschland stellen. „Ich möchte einen Beitrag, auch wenn es nur ein sehr kleiner ist, dazu leisten, ihre Lage zu verbessern“, erklärt der zukünftige und temporäre Wahlbolivianer bescheiden und ergänzt: „Ich möchte eine Evolution anreißen, aber keine Revolution. Und ich möchte auch die Menschen einer anderen Kultur verstehen und ihnen nicht unsere Kultur überstülpen.“

Um Land und Leute kennen zu lernen, hat sich Sebastian Pappe vorgenommen auch im SOS-Kinderdorf zu leben, und gleichzeitig hofft er auf einen Familienanschluss. „Dann wäre ich noch näher bei den Menschen, erführe ihre Ansichten, Nöte, Sorgen, Probleme und ihre Freuden.“ Im Kinderdorf wird er es mit Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 18 Jahren zu tun haben, wird Unterricht erteilen und Hausaufgabenhilfe leisten. Er wird Kinder bei Arzt- oder Ämterbesuchen begleiten und eigene Projekte – wie etwa die Förderung der sozialen Kompetenz – initiieren. Und natürlich wird er schauen, dass neben der Vermittlung von Bildung sein heiß geliebter Sport nicht zu kurz kommt.

Für Sebastian Pappe stellt sein Aufenthalt in Bolivien einen Beitrag zur Völkerverständigung in der globalisierten Welt dar. Der junge Mann ist zuversichtlich, dass ihn das erstmalige Verlassen der gewohnten Umgebung selbstständiger und weltoffener machen wird. Das eigenständige Lösen von Problemen dürfte für die Stärkung der Persönlichkeit von Vorteil sein. Seine Arbeit hat schon in der Heimat begonnen, in der er gefordert ist, durch eigenes Engagement Unterstützer  für das soziale Projekt zu finden.

Bei aller Spannung auf das, was da kommt ab dem kommenden Monat, freut sich der junge Hechinger darauf mit Kindern zu arbeiten. „Kinder sind ehrlich und freuen sich an kleinen Erfolgen“. Und er hofft, dass er nach seiner Rückkehr in einem Jahr seiner Mutter „etwas Bolivianisches“ kochen kann.

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