Hechingen Schwäbischer Adel und katholische Kunst

Dr. Edwin Ernst Weber referierte beim Hohenzollerischen Geschichtsverein.
Dr. Edwin Ernst Weber referierte beim Hohenzollerischen Geschichtsverein. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 18.01.2018
Das Leben des Grafen Gottfried Werner von Zimmern war Thema eines Vortrags im Hohenzollerischen Landesmuseum.

In der Stuttgarter Staatsgalerie lädt derzeit die Landesausstellung „Katholische Pracht in der Reformationszeit“ ein, einen großen schwäbischen Künstler zu entdecken: den Meister von Meßkirch. Ein „Notname“, denn welcher Künstler sich hinter der Bezeichnung verbirgt, ist bis heute unklar.

Das große Rätsel konnte auch der Sigmaringer Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber, der am Dienstag auf Einladung des Hohenzollerischen Geschichtsvereins im Landesmuseum sprach, nicht lösen. Mit seinem Vortrag „Graf Gottfried Werner von Zimmern – zwischen Reformation, Bauernkrieg und altgläubigem Bekenntnis“ gelang es ihm aber, das Leben des „Mäzens“ des Meisters von Meßkirch umfassend zu beleuchten und damit auch Einblick in das Werk des namenlosen Künstlers zu geben.

Gleich zu Beginn seines Vortrags hob Weber die enge Verbindung hervor, die zwischen den Zimmern in Meßkirch, die 1538 in den Grafenstand erhoben wurden, und den Hechinger Hohenzollern herrschte. Denn Anna, die älteste Tochter Gottfried Werners, ehelichte 1531 den Grafen Jos Niclas von Hohenzollern. Das sogenannte „Sigmaringer Hausaltärchen“ war wohl eine Hochzeitsgabe und könnte somit ursprünglich in Hechingen gestanden haben. „Man kann sogar vermuten, dass die Hohenzollern die ersten Auftraggeber des Meisters von Meßkirch waren“, hob Weber hervor. Denn die Zimmern hätten ihre Aufträge zuvor an andere Werkstätten vergeben. So liege es durchaus im Bereich des Möglichen, dass der sogenannte Meister von Meßkirch aus dem hohenzollerischen Raum stamme, „auch wenn das natürlich alles rein spekulativ ist“, so der Re­ferent.

Über die wichtigsten Daten und Begebenheiten aus dem Leben Gottfried Werners von Zimmern gibt die berühmte Zimmerische Chronik Auskunft. Da sich sein Vater infolge der Werdenbergfehde auf der Flucht befand, verbrachte der 1484 geborene Adelsspross eine unstete Kindheit und Jugend. „Der Bua ist rumkomma wie `s bös Geld“, unterstrich Weber auf gut Schwäbisch. Die Vermählung mit seiner Jugendliebe, der weit höhergeborenen Apollonia von Henneberg, verschaffte Gottfried Werner Ansehen und Aufstieg. „Er renommierte gerne mit dem Stand seiner Frau“, deren Familienwappen stets neben dem der Zimmern erscheint.

Aus der großen Liebe wurde mit den Jahren jedoch eine problematische Beziehung, denn nach der Geburt zweier Töchter blieb der ersehnte Stammhalter aus. Eine ausschweifende Konkubinenwirtschaft des Grafen sowie die gänzliche Entfremdung der Eheleute war die Folge, auch wenn die Stifterbilder auf dem Hochaltar der Meßkircher St. Martinskirche und dem Wildensteiner Altar Eintracht symbolisieren.

Reformation und Bauernkrieg stellten Gottfried Werner, einen der markantesten Vertreter des altgläubigen Adels, „zweifellos vor große Herausforderungen.“ 1525 floh er vor dem Aufstand seiner bäuerlichen Untertanen und der Bürger seiner Residenzstadt auf die Festung Wildenstein. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde den rebellischen Meßkirchern ein Unterwerfungsvertrag aufgezwungen. Den 1526 begonnenen Neubau der St. Martinskirche ließ Gottfried Werner mit einem dezidiert altgläubigen Bildprogramm ausstatten. Unter dem Chor entstand eine Grablege für sein Geschlecht. Das Grabepitaph des 1554 verstorbenen Grafen ist bis heute er­halten.

Was bleibt ist das Bild eines „eigenwilligen, standes- und machtbewussten Adligen, der aus eigener Frömmigkeit dem alten Glauben treu blieb“ und als Bauherr und Kunstmäzen die wohl schillerndste Figur des Geschlechts derer von Zimmern darstellt.

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