Smartphones sind heute kleine Alleskönner für die meisten Menschen und eine Selbstverständlichkeit im Alltag. Sie werden längst nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt, vielmehr sind sie praktischerweise gleichzeitig Uhr, Kamera, Kalender, Wecker, Musikabspielgerät, Taschenlampe, Internetsuchmaschine und WhatsApp-Nachrichtensdienst in einem.

Noch deutlich mehr Raum und Bedeutung nimmt das Smartphone im Leben heutiger Jugendlicher ein. In Deutschland besitzen rund 85 Prozent aller 13-jährigen ein eigenes Smartphone. Durchschnittlich verbringen Teenager etwa drei Stunden täglich mit dem Lesen und Verschicken von Nachrichten. Hinzu kommt die Nutzung weiterer Smartphonefunktionen, so dass Jugendliche heute tagtäglich insgesamt rund ein Viertel ihrer wachen Zeit mit dem Handy beschäftigt sind.

Schüler der gymnasialen Oberstufe der Alice-Salomon-Schule nahmen sich die Zeit, das übliche Ausmaß der Handynutzung und eigene Erfahrungen zu diskutieren. Die Jugendlichen erleben Handys und ihre vielfältigen Funktionen in erster Linie als etwas Positives – gleichwohl berichteten sie aber auch davon, dass bestimmte Aspekte der Handynutzung durchaus negativ sind. So resultiert aus der Möglichkeit „always on“ sein zu können, auch eine gewisse Anspannung. FOMO („Fear of missing out“) bezeichnet den Druck, ständig im Netz dabei sein zu müssen. Die Existenz dieses Phänomens wurde auch von den Alice-Salomon-Schülern bestätigt. Im Zusammenhang damit berichteten sie, dass sie unterschwellig ständig der Erwartung ausgesetzt sind, auf Nachrichten von anderen schnell reagieren zu müssen.

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee zu einem Selbstversuch: Wie fühlt sich das Leben eigentlich ohne Smartphone an? Um das herauszufinden, beschlossen elf Schüler sowie drei Lehrkräfte, eine Woche lang gänzlich auf ihr Smartphone zu verzichten. „Der erste Tag war der schlimmste, aber dann habe ich mich doch recht schnell daran gewöhnt“, schrieb anschließend ein Schüler. Andere berichten von Zuständen wie „Stressfreiheit“ und „Ausgeglichenheit“. Und bei allen trat gelegentlich ein relativ unbekannter Zustand ein: Langeweile – die dann aber auch zu positiven Erlebnissen geführt hat. „Ich hab dann einfach mehr Sport gemacht – und hatte auch mehr direkten Kontakt mit Leuten“, berichtet eine Schülerin. „Ich habe die ganze Woche über deutlich besser geschlafen als sonst“, erzählt eine Schülerin, „weil ich beim Einschlafen nicht wie sonst immer noch ewig mit anderen gechattet habe, stattdessen habe ich endlich mal wieder ein richtiges Buch gelesen.“ Viele berichteten außerdem, sie haben in der handyfreien Woche besser und konzentrierter lernen können. Letztlich sei die handyfreie Woche eine empfehlenswerte Erfahrung gewesen. „Natürlich werden wir in Zukunft nicht auf unsere Smartphones verzichten – aber in manchen Bereichen werden wir sicherlich bewusster damit umgehen“ – so das Fazit der Gruppe. Einige möchten das Experiment sogar irgendwann nochmals wiederholen – und möglicherweise sogar noch steigern: Im Raum steht eine komplett bildschirmfreie Woche – also auch ohne Fernseher und ohne PC-Bildschirm.

Für die acht Schüler, die sich am Selbstversuch beteiligten, starten die Ferien mit einem besonderen Bonus: Sie erhielten Büchergutscheine im Wert von zehn Euro, die vom Förderverein der Alice-Salomon-Schule sowie von der Buchhandlung Welte zur Verfügung gestellt wurden.