Hechingen / Andrea Spatzal Für edle Tropfen braucht es den richtigen Riecher.  Den hat der Weilheimer Destillateur Thomas Beck. Der 43-Jährige versteht sein Handwerk.

Unscheinbar liegt der kleine Laden in der Weilheimer Burgstraße. An den Wänden ein frisches Apfelgrün, Dutzende von Flaschen in grob gezimmerten Regalen aus verwittertem Holz. In diesem nur zehn Quadratmeter großen Verkaufsraum sieht man nur die hübsch zurechtgemachten Produkte einer uralten, aufwändigen Handwerkskunst.

Die Schnapsbrennerei liegt ein paar Straßen weiter weg. Hier zischt’s und dampft’s, wenn der 43-jährige Destillateur Thomas Beck den Brennkessel anwirft. Erst vor wenigen Jahren hat der Weilheimer wirklich zurückgefunden zu den Wurzeln, dem Wissen und Können, das ihm die Familie in die Wiege gelegt hat.

Als Mitarbeiter eines großen Industrieunternehmens war Beck viel unterwegs, auch viel im Ausland. Seine Ehefrau Martina und die beiden Kinder musste er oft allein lassen. „Aber mit 40 wird der Schwabe g’scheit“, sagt Thomas Beck und lacht. Also wechselte der Werkzeugmachermeister in ein heimisches Unternehmen, ist heute Wassermeister bei den Imnauer Mineralquellen. Er freue sich, auch hauptberuflich in der Lebensmittelbranche tätig sein zu dürfen, sagt Beck. Das Imnauer Quellwasser sei für ihn auch von besonderer Bedeutung, denn er nutzt es als Verschnittwasser, macht also seine Destillate damit erst genießbar, setzt sie „auf Trinkstärke“, wie es im Fachjargon heißt.

Seit dem „Schwaben-Zoti“ hat sich viel getan. Der „Zoti“ ist Becks Erstlingswerk, ein Kräuterlikör, verfeinert mit Bienenhonig. Nicht einmal den Honig kauft Thomas Beck zu. Als Imker verlässt er sich auch da lieber auf seine eigenen Produkte. Ausgebildeter Baumpfleger ist Beck übrigens auch noch. Das hilft, wenn er die weitläufigen Obstwiesen in einem 20-Kilometer-Umkreis rund um Weilheim, in Hechingen und Balingen – und neuerdings auch ein großes Kirschenfeld in Belsen bewirtschaftet. Wenn Erntezeit ist, sagt Beck, muss die ganze Familie mit anpacken. Angestellte gibt es in dem Familienbetrieb keine.

2014 hat Thomas Beck die elterliche Mostkelterei in der Weilheimer Alemannenstraße übernommen, nach und nach hat er die Brennerei wieder eingeführt. Seine Brennerausbildung hat der 43-jährige an der Uni Hohenheim gemacht und seit Oktober 2017 arbeitet er an einer Zusatzausbildung zum Destillateur. Der Unterricht findet in Blöcken in Offenburg und Freiburg statt. Seine letzte Prüfung hat Beck gerade erfolgreich hinter sich gebracht.

Mit zwölf Mitschülern aus seiner international besetzten Klasse war der Weilheimer kürzlich in de Schweiz. Zu Studienzwecken. Denn die Einladung kam von keinen Geringeren als den Weltklasse-Destillerien Humbel und Käsers Schloss. „Das ist oberste Liga“, sagt Beck. Er habe viel gelernt in der Schweiz und kann es kaum erwarten, seine Ideen umzusetzen. Unter den Argusaugen erstklassiger Brennmeister habe man viel ausprobieren dürfen. Zum Beispiel hat Beck in der Schweiz seinen ersten Rum bereitet. Und zum ersten Mal hat er erlebt, dass man in einer Brennblase kochen kann. „Sagenhaft“, schwärmt er von dem „Schinkenbraten von der Kirschmaische“.

Das neueste Produkt aus dem Hause Beck ist jetzt schon zu haben: exquisite Schnapspralinen mit Bränden aus Weilheim, gepaart mit der Konditorenkunst des Cafés Früholz. Den Kontakt zu den Albstädter Confiseuren hat Familie Beck auf dem Tischlein-deck-dich-Markt in Hechingen knüpfen können, der übrigens nach der Winterpause am 3. Mai erstmals wieder stattfindet.

Ein „kleines mittelständisches Unternehmen“ nennt Thomas Beck seine Mostkelterei und Brennerei, die er sukzessive weiter ausbauen will. Er weiß, dass „die Nachfrage nach Manufaktur-Produkten steigt“. Für seine Brände und Ginsorten hat Beck viel positives Feedback bekommen und mit den edlen Tropfen auch schon so manchen Wettbewerb gewonnen.

Gin aus Weilheim verkauft sich bis nach Südafrika. Regelmäßig werden mehrere Bars beliefert und sogar ein Vier-Sterne-Hotel. Stolz ist Thomas Beck darauf, dass er jeden einzelnen Kunden, jeden Barkeeper persönlich kennt. Zum idealen Schnäpsle gehört eben auch Menschenkenntnis und die richtige Beratung.

Der konsequente Eigenanbau mache den Qualitätsunterschied aus, ist der 43-Jährige überzeugt. „Wir haben gute Sorten auf unseren Wiesen“ – Kaiser Wilhelm, Gravensteiner… Ganz bodenständige Obstbrände seien es auch, die momentan im Trend liegen, stellt der Fachmann fest. Für Leckermäulchen jetzt auch im Schokomantel.