Hechingen / VALERIE EBERLE Kleidung aus Kambodscha und Bangladesch - das muss nicht sein. Es gibt durchaus regionale Alternativen, zeigte ein Abend im Bildungshaus St. Luzen. Faire Textilien haben freilich nach wie vor ihren Preis.

Das Thema "Faire Textilien - regionale Alternativen" fand großes Interesse. Das Bildungshaus St. Luzen war am Mittwochabend voll besetzt. Viel vor hatte der Organisator vom Verein "Regionalgenial Zollernalb": Theaterstück, Modenschau, Kurzreferate und eine abschließende Diskussion - alles rund um die Textilproduktion.

"Uns bleibt ja keine Wahl" - ein Satz, den die Schüler der Waldorfschule Balingen in ihrem Theaterstück oft benutzten. Sie thematisierten mit ihrem Stück die Probleme der Näherinnen und den Zwiespalt der Käufer. Denn Mode für wenig Geld hat seine Konsequenzen. Aber mit kleinem Portemonnaie bleibt da kaum eine Alternative - oder etwa doch?

Der Abend im Bildungshaus St. Luzen wurde von den Veranstaltern von "Regionalgenial Zollernalb" in Kooperation mit dem Weltladen in Hechingen, Terre des Femmes und dem Bildungshaus St. Luzen so organisiert, dass aus unterschiedlichster Sicht auf das Thema eingegangen wurde. Alle Beteiligten gaben im Laufe des Abends ihre persönlich Einschätzung zum Thema ab und beantworteten Fragen.

Die Theater-AG der Waldorfschule unter der Leitung von Maria Radetzki und Hans-Martin Hauch brachte mit ihrem Stück zu Beginn des Abends: "Kleider machen Leute - Schmutz auf schicker Kleidung" sogar Dr. Franz Bumiller, Chef der Firma efix trikot GmbH aus Hechingen, ins Schwitzen. "Während des Theaterstückes hab ich ein bisschen Angst bekommen, da hier Fragen aufgekommen sind, die gerade für mich als Hersteller schwierig zu beantworten sind."

Seit über 60 Jahren ist die Familie Bumiller mit ihrem Textilunternehmen in der Region heimisch. Der Unternehmer kennt sich aus und kann aus persönlichen Erfahrungen über die Bedingungen in Textilfabriken im In- und Ausland berichten. "Die Bedingungen wurden bereits im Theaterstück vorgetragen", sagt Franz Bumiller, "da gibt es nicht mehr viel zu sagen."

In einer Reihe saßen die Schüler auf schwarzen Sitzklötzen, reichten Kleidungsstücke weiter und klagten in den Rollen der Näherinnen über miesen Lohn, fehlende Arbeitsverträge, ausbleibende Zahlungen, körperliche Züchtigungen und Strafen.

In seinem Vortrag "Efix tricot - Not from China" stellte Bumiller seine regionale Alternative vor. "Produziert wird alles im eigenen Haus", sagte Bumiller und erläuterte den Produktionsvorgang an einem Beispiel. "Herkömmliche Shirts bestehen aus 500 000 Maschen. Für ein efixelle-Shirt sind 2,5 Millionen Maschen vorgesehen." Alles beginnt beim Spinnen der Garne in Deutschland und Italien und endet bei der Endfertigung am traditionellen Textilstandort in Hechingen. Die Veredelung erfolgt bei Partnerfirmen, die nach Ökotex-Standard 100 zertifiziert sind. Hergestellt werden die Shirts ausschließlich in Deutschland beziehungsweise in benachbarten Ländern. Die Vision des Unternehmers ist es, bereits am Etikett sehen zu können, woher das Garn kommt und wo produziert wird. "Einfach ist der Weg nicht, und man drohte mir sogar, sollte ich die Produkte ,efix tricot - Not from China' auf den Markt bringen."

Vergleichbares zeigte Sabine Schramm vom Kaufhaus Schramm aus Jungingen. Gemeinsam mit ihrer Familie und einer Freundin war sie von Kopf bis Fuß in Biogarn, recycelte Baumwolle, Hanf und Fair-Trade-Jacke, Boxershort und Socken eingekleidet. Ein Unterschied zu konventioneller Kleidung war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Laufschuhe, Ledertasche und Hosenanzug machten einen guten Eindruck. Dahinter steckt jedoch viel mehr. Die Kleider sind aber auch nicht ganz billig. Und das ist meist das größte Problem.

Was auch im Theaterstück deutlich wurde, in dem die Schüler am Ende ihre ganz persönliche Meinung zum Thema kundtaten. So mussten die meisten Schüler zugeben, dass sie wegen der Preisunterschiede wahrscheinlich weiterhin bei großen Modehäusern einkaufen werden. Franz Bumiller fasste die Problematik zusammen:. "Solange der Verbraucher nicht entschlossen ist, mehr Geld für seine Kleidung zu bezahlen, werden sich die Umstände nicht ändern. Die Veränderung schafft der Verbraucher."