Hechingen Schlange stehen am Kreuz

Selbst mit anpacken ist in Taizé eine Selbstverständlichkeit. 43 Jugendliche aus der Seelsorgeeinheit St. Luzius und vier Begleiter erlebten die Faszination, die von dem Zeltdorf im Burgund ausgeht, hautnah.
Selbst mit anpacken ist in Taizé eine Selbstverständlichkeit. 43 Jugendliche aus der Seelsorgeeinheit St. Luzius und vier Begleiter erlebten die Faszination, die von dem Zeltdorf im Burgund ausgeht, hautnah.
SWP 06.11.2013
Mit großer Neugier ließen sich 43 Jugendliche aus der Hechinger Seelsorgeeinheit St. Luzius mit ihren vier Begleitern auf das Abenteuer Taizé ein. "Irgendwas ist hier, das dich verändert", sagen sie.

Taizé ist ein kleines Dorf auf einem Hügel im Burgund mit Zeltplatz und einfachen Baracken zum Schlafen und einer großen Kirche mit Teppichboden und Fußbodenheizung. Das ganze Jahr über treffen sich dort tausende Jugendliche.

Auch 43 Jugendliche aus der Seelsorgeeinheit St. Luzius sich mit ihren Begleitern, Gemeindereferentin Melanie Fecker und Kaplan Hannes Rümmele sowie zwei Ehrenamtlichen, ließen sich auf das Abenteuer Taizé ein. Viele von ihnen waren Firmlinge, die sich dort auf ihre Firmung vorbereitet haben. Andere davon waren schon im letzten Jahr dabei und wollten unbedingt wieder mit.

Taizé ist nicht nur dieses Zeltdorf in Frankreich, wo gebetet wird und schöne Lieder gesungen werden. Wer nach Taizé kommt, ist eingeladen, Gemeinschaft mit Gott zu suchen, im gemeinsamen Gebet, im Singen, in der Stille, im persönlichen Nachdenken und in den Gesprächen. Gastgeber in Taizé ist eine Gemeinschaft von Brüdern, die sich auf ein Leben in Ehelosigkeit und Einfachheit eingelassen haben.

Jeder ist dort, um einen Sinn fürs eigene Lebens zu finden und Kraft zu schöpfen. "Mir hat die Stille viel gebracht. Man kann viel Nachdenken", erzählt Kim dem Bruder Norbert, der sich für die Jugendlichen aus der Seelsorgeeinheit Zeit genommen hat. Taizé will dazu auffordern, auch zuhause Verantwortung zu übernehmen und den Glauben weiterzugeben. Bruder Norbert machte deutlich, dass es weitergehen muss, wenn sie wieder daheim sind. Das sei eine Herausforderung, aber Gott stehe einem bei.

Für die Jugendlichen aus der Seelsorgeeinheit St. Luzius war schon diese eine Woche in den Herbstferien eine Herausforderung. "Hier halte ich keinen Tag aus!" " In den Baracken muffelt es!" "Die Klos sind voll eklig!" Aber schon nach einem Tag merkten sie, dass es doch geht - auch wenn das Handy mal ausgeht, weil es keine Steckdose zum Laden gibt, man beim Essen holen mit 2500 anderen Jugendlichen in der Schlange steht und die Toiletten nur sauber werden, wenn man sie selber putzt. Die Jugendlichen aus Hechingen machten die Erfahrung, dass jeder seinen Teil zur Gemeinschaft beitragen muss.

Jeder Tag in Taizé ist geprägt durch praktische Arbeit und Bibelarbeit. Ein Bruder gibt eine Einführung in das Tagesthema. Anschließend findet ein Austausch in der Kleingruppe statt. Und plötzlich spüren die Jugendlichen den Geist in Taizé: "Irgendwas ist hier, das dich verändert"; stellte Annalena fest. Diese Erfahrung machten die Verantwortlichen für die Firmvorbereitung schon im vergangenen Jahr. Die Jugendlichen kehren verändert zurück. Manche denken neu über ihr Leben nach. Andere sagen, dass sich ihre Beziehung zu Gott verändert und vertieft hat. "Ich hab das Gefühl, dass ich jetzt näher an Gott dran bin", erzählen die Jugendlichen. "Über drei Stunden musste ich warten, damit ich am Kreuz beten konnte", berichtet Hannah, die am Samstag ihre Firmung feiert.

Eine bessere Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung kann es fast nicht geben, sind sich die Begleiter der jungen Menschen einig. Und nach dem anfänglichen Gejammer steht am Ende die Begeisterung: "Es gab so einen Wendepunkt. Es ist schön hier: Die Freude und die Gemeinschaft, die ich hier erlebe, ist einfach genial". Die Jugendlichen erleben in Taizé viele Gleichaltrige aus allen Ländern, die an Gott glauben. Das tut gut und macht Mut, sich selber auf eine Beziehung mit Gott einzulassen.

So gestärkt dürfen nun am Samstag, 9. November, um 16 Uhr die Firmlinge, die in Taizé waren, zusammen mit den Firmlingen, die sich auf dem Firmweg B vorbereitet haben, ihre Firmung in der Hechinger Stiftskirche feiern.