Stein Richtfest im Tempelbezirk der Villa Rustica

Hechingen / Matthias Badura 03.05.2018
Der Säulengang im neuen Tempelbezirk des römischen Freilichtmuseums in Stein hat den Zimmermannssegen erhalten.

Beim Jupiter! Der Dachstuhl über der Säulenhalle im Tempelbezirk der Villa rustica in Stein steht. Fest gefügt, ohne einen einzigen Eisennagel in der gesamten Konstruktion!

Darauf und auf den weiteren Fortgang der Bauarbeiten im Tempelbezirk unterhalb des Gutshofes stieß Museumschef Gerd Schollian am Mittwoch mit Helfern und Förderern an. Dazu tönte vom Dach der Richtspruch des Zimmermeisters und Restaurators Daniel Dieringer, der das Gebälk mit seinen Leuten in vergangenen Tagen errichtet hatte.

Die Gäste und Zuschauer brachten ihr Trankopfer römisch-stilecht aus Tonbechern dar, Zimmermeister Dieringer dagegen benutzte, der Tradition seines Handwerks folgend, ein Gefäß aus Glas – das dann auch herrlich zerschellte, als er es am Ende seines Richtspruchs Richtung Erdboden schleuderte.

Unter denen, die von unten Beifall klatschten, standen auch Landrat Günther-Martin Pauli und der designierte neue Bürgermeister der Stadt Hechingen, Philipp Hahn. Sie gratulierten nicht nur. Beide stellten auch in Aussicht, dass man dem Museum gegebenenfalls unter die Arme greifen werde, falls in der Schlussrechnung des Tempelbezirks ein Loch klaffen sollte.

2017 wurde damit begonnen, neue Mauern auf den Überbleibseln des Tempelbezirks zu errichten. Nun stehen – unverputzt – ein Großteil der Wände und die Säulenhalle. Bis alles fertig und schön begrünt ist, wird es noch rund zwei Jahre dauern, bis 2020 also. Dann sollen ein zweites Sakralgebäude und der Rest der Mauer errichtet ein. Auch will man die Tempelhäuschen innerhalb des Bezirkes wieder aufbauen. Einstweilen ragen von ihnen nur die antiken Grundmauern aus dem Boden.

Da kommt noch enorm viel Arbeit auf die Helfer zu. Und manche Diskussion. Zu entscheiden, was wie überdacht, bemalt, verputzt, gestrichen oder verziert wird wäre einfach – wenn die römischen Architekten Baupläne und Din-Normen hinterlassen hätten. Haben sie aber nicht. Und so bleibt vieles Abwägungssache. Andererseits ist durch die ständige Begleitung von Fachleuten und Experten eben doch gewährleistet, dass man sich in Stein so nah wie möglich der Orignialbauweise nähert.

Am Mittwoch wurde nicht mehr gebaut, da wurde erst einmal gevespert und nochmals angestoßen. Auf das Dach, den Bau – und eine erfolgreiche Saison. Über eine Sache kann man sich indes heute schon sicher sein: Der wieder eingerichtete Tempelbezirk wird nördlich der Alpen der bislang erste und einzige seiner Art sein.

Gesamtkosten von 400 000 Euro

Finanzierung Die Baukosten für den gesamten Tempelbezirk werden auf 400 000 Euro geschätzt. Ein Teil wird bezuschusst, einen weiteren, nicht geringen Anteil der Kosten bringen Museumschef Gerd Schollian und seine Leute durch Eigenleistung auf.