Hechingen Schätze in der Kirche und im Garten

Baukunst und Natur sind in St. Luzen ganz nah beieinander. Davon konnten sich die Besucher der jüngsten Stadtführung des Bürger- und Tourismusbüros unter der Überschrift „700 Jahre St. Luzen“ überzeugen. Die Regie hatte bei der Kirche Jörg Küster (Dritter von rechts), draußen im Garten Ulrich Knoll (Zweiter von rechts).
Baukunst und Natur sind in St. Luzen ganz nah beieinander. Davon konnten sich die Besucher der jüngsten Stadtführung des Bürger- und Tourismusbüros unter der Überschrift „700 Jahre St. Luzen“ überzeugen. Die Regie hatte bei der Kirche Jörg Küster (Dritter von rechts), draußen im Garten Ulrich Knoll (Zweiter von rechts). © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 08.05.2018

Sankt Luzen ist das Beste, was wir hier in Hechingen haben. Das sagt einer der es wissen muss: Jörg Küster, Stadtführer und profunder Kenner der Hechinger Historie. Am Sonntag brachte er rund 20 Interessierten die Geschichte der Klosterkirche näher. Durch den Garten ging es anschließend mit Ulrich Knoll, der ebenfalls Stadtführer und Nabu-Mitglied ist.

Im ersten Teil der Führung stand das Gotteshaus im Mittelpunkt – „ein kunstgeschichtliches Kleinod mit bescheidenem Äußeren, von europäischem Rang.“ Was ein Professor einst mit diesen Worten ausdrückte, wird sichtbar, sobald sich das Kirchentor öffnet. Denn im Inneren von St. Luzen, das 1318 – also vor genau 700 Jahren – in der Urkunde eines Verkaufsbriefes erstmals erwähnt wurde, entfaltet sich eine künstlerische Pracht, die sich stilistisch im Spannungsfeld zwischen Renaissance und Manierismus bewegt. Die Wurzeln reichen jedoch viel weiter zurück. „St. Luzen gilt als das älteste noch bestehende Gotteshaus in Hechingen“, erläuterte Jörg Küster. Die äußere Hülle der Kirche lasse heute noch erkennen, dass sie 1392 im spätgotischen Stil errichtet wurde. Bereits in einer frühen Urkunde wird erwähnt, dass ein Besuch der Hechinger Wallfahrtskirche einen Ablass ermöglicht, der den Aufenthalt im Fegfeuer um beachtliche 40 Tagen reduziert. Welch` Glück für den Stadtführer: „Ich bin so oft hier, ich dürfte längst sündenfrei sein“, scherzte Jörg Küster.

Und wie kam es zur Gründung des Klosters? Der Zollergraf Eitelfriedrich II. ist es gewesen, der nach seinem Tod 1512 testamentarisch einen Klosterbau bei St. Luzen verfügte. Dieses Vermächtnis konnte jedoch erst sein Urenkel, Graf Eitelfriedrich I. von Hohenzollern-Hechingen, erfüllen. Er sorgte dafür, dass sich ein Franziskanerkonvent ansiedelte. Außerdem ließ er die St. Luzen-Kirche, angetrieben von gegenreformatorischem Eifer, im Stile des Manierismus prachtvoll ausgestalten. Sie sollte vor allem eines vermitteln: „Der katholische Himmel ist schöner als der der Ketzer und Wüschtgläubigen.“

Thematisiert wurde zudem die Geschichte der Hechinger Klosterbrauerei, deren Gerstensaft um einiges besser geschmeckt zu haben scheint als der Rangendinger Wein. Letzterer war den Franziskanern, wie Küster erläuterte, schlicht zu sauer.

Gleich neben der Klosterkirche ist ein grünes Paradies zu finden, in dem zwar weder Wein noch Hopfen wachsen, das aber ein wahrer Garten Eden für Tiere und Pflanzen ist: Der ummauerte Klostergarten, der, wie Ulrich Knoll erläuterte, eine Größe von fast zwei Hektar hat. Seine Schätze galt es am Sonntag im zweiten Teil der Führung zu entdecken. Seit 1994 sei die Hechinger Nabu-Gruppe in St.  Luzen aktiv, habe die verschiedenen Biotope und ein Heilkräuterbeet gestaltet, erläuterte Ulrich Knoll. „Historisch bedingt wollten wir hier wieder einen Garten anlegen und auch die heimischen Kräuter vorstellen.“ Während am Teich Amphibien und Insektenarten beobachten werden können, sind auf der Streuobstwiese Vögel und Fledermäuse zu Hause. Am Wildbienenhaus wiederum summt und brummt es. „Hier herrscht reges Leben“, betonte der Experte, der viele interessante Informationen zur Flora und Fauna parat hatte und die ökologische Bedeutung des Klostergartens für Hechingen hervorhob.

Davon, dass die Nisthilfen des Nabu gut angenommen werden, konnten sich die Besucher überzeugen, als direkt über ihren Köpfen ein Blaumeisenpaar ein und aus flog. Zum krönenden Abschluss wurde noch ein Blick in die Brutkiste der Turmfalken von St. Luzen geworfen, denn wie jedes Jahr können die faszinierenden Tiere live auf einem Bildschirm im Kreuzgang beobachtet werden.

Weiter geht es schon am Samstag mit dem Martinsberg

Für Sportliche Die Stadtführungen des Bürger- und Tourismusbüros der Stadt Hechingen erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit auch in der weiteren Umgebung. Oft bilden allerdings die Einheimischen die Mehrzahl der Teilnehmer. Denn die Veranstaltungen sind nicht allein informativ und lehrreich. Meist ist so eine Stadtführung ebenfalls sehr kurzweilig und unterhaltsam. Nach St. Luzen winkt bereits am bevorstehenden Samstag, 12. Mai, der Martinsberg. Unter der Überschrift „Märchenpfad und viel Geschichte“ lädt Stadtführer Franz Seeburger zu einer Wanderung rund um den Hechinger Unterstadtberg ein. Man trifft sich um 14.30 Uhr am Parkplatz des Schützengilde-
Schützenhauses oberhalb des Schwimmbades. Als Dauer der Führung angesetzt sind etwas eineinhalb Stunden.

Vier Juni-Termine Besonders viel los ist bei den Hechinger Stadtführungen im nächsten Monat. Los geht es am Samstag, 2. Juni, um 14.30 Uhr mit einer Führung durch die Alte Synagoge. Franz  Seeburger erzählt Wissenswertes über das frühere jüdische Gotteshaus und das jüdische Leben in Hechingen. Rolf Dieter Götting ist am Sonntag, 17. Juni, mit einem Fußballthema an der Reihe. Ab 14.30 Uhr (Treffpunkt Parkplatz St.-Luzen-Kirche) geht es um den ersten Fußball-Nationaltrainer Otto Nerz, der in Hechingen geboren wurde. Der Heilige Johannes und das Kloster Stetten stehen am Sonntag, 24. Juni, um 14 Uhr bei Joachim Stegmeier im Fokus. Den Schluss im kommenden Monat macht der sehr beliebte Abendliche Stadtrundgang mit Georg Niedermaier. Der Ausgangspunkt am Samstag, 30. Juni, ist um 19.30 Uhr erneut der Parkplatz von St. Luzen.

Weitere Informationen Die Stadtführungen sind terminiert bis Ende des Jahres: Das Finale ist am 11. November. Dabei geht es ums Ende des Ersten Weltkriegs und die Lage in der Hechinger Heimat. Mehr Infos zu den Führungen gibt es unter www.hechingen.de.