Seit Dienstag rüttelt und ruckelt und vibriert es auf der Nordseite der Obertorplatz-Baustelle, dass die Wände wackeln. Um den Untergrund zu befestigen, wurden auf der Fläche zwischen dem historischen Brunnen und der Frauengartenstraße mehrere Lastwagenladungen schwerster Schroppen abgeladen und an Ort und Stelle von Baggern der Baufirma Storz klein gestampft.

Das hat nun offenkundig zu ersten Schäden an einem angrenzenden Gebäude geführt: Der Orthopäde Dr. Wilfried Gfrörer, dessen neues Geschäftshaus Frauengartenstraße 6 unmittelbar an der Baustelle liegt, zeigte am späten Dienstagabend bei der Stadt an, dass im Laufe des Nachmittags „erhebliche Schäden in Form von multiplen Rissen“ an seinem Gebäude aufgetreten seien. Betroffen davon sei insbesondere die Kellerwand zur Frauengartenstraße hin, jedoch auch andere Wände im Untergeschoss und die Bodenplatte des Erdgeschosses. Der HZ-Redaktion (die im Erdgeschoss des Gfrörer-Gebäudes residiert) zeigte der Hausherr die Schäden am Mittwochvormittag. In der Tat: An den Kellerwänden und -decken sind etliche zwar feine, aber teils auch sehr lange Risse gut erkennbar.

Am Erdbeben lag es nicht

Für Gfrörer steht fest. „Die Schäden sind offensichtlich bedingt durch die hochintensiven Vibrationen im Rahmen der oberflächlichen Verdichtungsarbeiten auf dem Obertorplatz.“ Und um keinen Zweifel daran zu lassen, dass die Risse nicht etwa durch das Erdbeben in der Nacht zum Dienstag entstanden sind, verweist der Arzt darauf, dass am Dienstagnachmittag um 13.50 Uhr noch keine Risse erkennbar gewesen seien.

Gfrörer fordert: Weitere Schäden vermeiden

Die Stadtverwaltung forderte der Arzt auf, „sofort Beweissicherungsmaßnahmen einzuleiten und die Verdichtungsarbeiten umgehend zu stoppen, um weitere Schäden zu vermeiden“.

Das Rathaus reagierte noch am selben Tag – allerdings nicht mit einem Baustopp. Verfüllt und verdichtet wurde auch am Mittwoch weiterhin, wenn auch mit feinerem Material und deshalb mit weniger Vibrato. Stadtbaumeisterin Helga Monauni sicherte dem Beschwerdeführer jedoch zu, ein Gutachterbüro mit der Aufnahme der Schäden zu beauftragen. Rathaus-Sprecher Thomas Jauch lässt dazu ergänzend wissen, dass die Stadt „bereits im Vorfeld der Bauarbeiten ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt“ habe. Im Klartext: Der Zustand der umliegenden Häuser wurde genau (auch mit Fotos) dokumentiert, um für den Fall, dass Schäden gemeldet werden, einen Vorher-nachher-Vergleich anstellen zu können. Auf diese Weise sei gesichert, dass Geschädigte zu ihrem Recht kämen. Keinen Zweifel ließ Jauch derweil daran, dass die Verdichtungsarbeiten zu Ende gebracht werden.

Nötig wurden diese, weil sich während der Bauarbeiten herausstellte, dass der Untergrund im Norden des Obertorplatzes nicht tragfähig genug ist. Dort standen einst drei Häuser (unter anderem das des berühmten Arztes Friedrich Wolf), und darunter erstreckte sich die ehemalige Lehmgrube, die später als Löschteich Verwendung fand. Um für die nötige Stabilität zu sorgen, wurde dieser Bereich bis zu 75 Zentimeter tief ausgekoffert – und jetzt wird die große Wanne mit grobem Schotter verfüllt. Auch eine Vliesschicht wurde eingearbeitet, und wenn es nötig ist, wird noch eine Betonschicht aufgetragen.

Stadt bekräftigt: „Es geht weiter!“

„Es geht weiter“, bekräftigt Jauch, und zwar mit unvermindertem Tempo – wobei man im Rathaus weiß, dass man „vor der einen oder anderen unliebsamen Überraschung nicht gefeit ist“. Das weiß jetzt zumindest auch ein Anlieger zu bestätigen.

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Leitungen für Gas und Wasser werden erneuert


Nachverdichtung des Untergrunds ist das eine aktuelle Projekt auf der Obertorplatz-Baustelle. Zum anderen werden diese Woche die Gas- und Wasserleitungen für die Anlieger an der Westseite des Platzes erneuert. All das geschieht augenscheinlich mit kaum für möglich gehaltenem Tempo.