Rangendingen Scarlatti beschließt Jubiläum

Rangendingen / SWP 15.11.2018
Der Kammerchor am Würzburger Dom gastiert am Sonntag, 18. November, in der St. Galluskirche in Rangendingen.

Der Kammerchor am Würzburger Dom unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Schmid gestaltet an diesem Sonntag, 18. November, das Abschlusskonzert der Jubiläumsreihe „300 Jahre Kirchenchor Rangendingen – 30 Jahre Jann-Orgel Rangendingen“. Unterstützend sind in der Pfarrkirche St. Gallus ab 17 Uhr Solisten (Maximiliane Schweda, Sopran; Anna Feith, Sopran; Christopher Zehrer, Alt; Oliver Kringel, Tenor; Elias Wolf, Bass) und das „Consortium Consonans“ um den Organisten und Cembalisten Peter Kranefoed auf historischen Instrumenten zu hören. Zur Aufführung kommt die Marienvesper von Alessandro Scarlatti.

Die „Vespro della Beata Vergine“ vereint eine Reihe verschiedener Psalmvertonungen Scarlattis, die auf diverse Bibliotheken Europas verteilt sind. Eine Datierung der einzelnen Werke ist schwierig. Lediglich das „Laetatussum“ lässt sich auf den April 1717 datieren, da dieses zur Beweisführung eines musikalischen Streites diente, der im Dezember 1716 über eine zweifelhafte Passage in der Messe eines anonym gebliebenen Meisters angefangen und in dem Scarlatti als Richter aufgerufen wurde.

Auf ungewöhnlich kunstvolle Weise beherrscht und vereint Scarlatti die zwei auch noch im 18. Jahrhundert vorherrschenden Kompositionsarten, den „stile antico“ oder „alla Palestrina“ sowie den „stile concertato“ oder „moderno“, der auch „contrapunto sentimentale“ genannt wurde.

Besonders die Musik Roms war sehr von konservativen Strömungen bestimmt. Die zu dieser Zeit in Rom schaffenden Komponisten wurden als „Palstrina de nostri Tempi“ bezeichnet. Das „Laetatus sum“ und der Hymnus „Ave maris stella“ sind in dieser Vesper die Vertreter des alten Stils. Etwas verblüffend: Scarlatti hält sich in seiner Hymnenvertonung nicht an die vorgegebene Aufteilung der Verse, sondern komponierte einige zusammenfassend – und kommt so auf fünf anstelle von sieben Abschnitten.

Ganz dem neuen Stil verpflichtet sind die beiden vierstimmigen Psalmen „Nisi Dominus“ und „Lauda Jerusalem“. Auf subtile Weise wird auf kürzestem Raum mit barocken Wortmalereien gespielt. In den fünfstimmigen Vertonungen entfaltet Scarlatti den ganzen Kosmos barocker geistlicher Musik. Alle kompositorischen Mittel werden kombiniert und verwoben.

Die Gesamtleitung des Konzerts hat Christian Schmid. Sein Studium der Kirchenmusik, Musikpädagogik und des Dirigierens mit Schwerpunkt Chor und Oratorium absolvierte er an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Nach seinem Studium war er ­zunächst Domkantor an der ­Domkirche St. Eberhard in Stuttgart.

An der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart unterrichtet Christian Schmid Chordirigieren; an der Hochschule für Musik in Würzburg hat er Chorpädagogik und in der Oratorienklasse gelehrt. Zudem vertrat er im Sommersemester 2016 an der Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart einen Teil der Professur für Chorleitung.

Konzertreihe wird gefördert

Die Reihe „Rangendinger Konzerte“ wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Bildung und Kultur der Sparkasse Zollernalb und durch die Gemeinde Rangendingen.

Die Marienvesper von Alessandro Scarlatti

1. Psalmus Dixit Dominus (Psalm 109) für zwei Soprane, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo
2. Psalmus Laudate pueri Dominum (Psalm 112) für zwei Soprane, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo
3. Psalmus Psalmus Laetatus sum (Psalm 121) für Sopran, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo
4. Psalmus Nisi Dominus aedificaverit (Psalm 126) für Sopran, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo
5. Psalmus Lauda Jerusalem Dominum (Psalm 147) für Sopran, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo
6. Hymnus Ave Maris Stella für Sopran, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo
7. Canticum Magnificat anima mea Dominum für zwei Soprane, Alt, Tenor, Bass und Basso continuo

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