Hechingen Sanja Beck ist die rechte Hand von Hannes Stöhr

Hechingen / JUDITH MIDINET 10.08.2012
Hotels für die Schauspieler buchen, Komparsen suchen und mal den Fahrdienst übernehmen - das sind die Aufgaben von Sanja Beck. Sie ist in Hechingen Regieassistentin für Hannes Stöhrs neuen Film.

Ein bisschen Kino ist Sanja Beck schon in die Wiege gelegt worden. Die Hechinger Kinos gehörten einst ihrem Großvater und heute ihrem Onkel Ralf Merkel. Bei solchen Voraussetzungen war es fast schon selbstverständlich, dass Sanja Beck, als sie 16 Jahre war, anfing im Kino zu arbeiten - erst am Süßwarenstand und bis heute an der Kasse. Ihr Onkel war es auch, der sie anrief und sagte: "Hannes Stöhr braucht jemand als Regieassistent, der sich hier in Hechingen gut auskennt und die Leute kennt. Das wäre doch was für dich!" Gleich zugesagt hat Sanja Beck aber nicht, sondern sich die Sache erstmal überlegt. "Auch wenn mir eigentlich klar war, dass ich es machen werde", sagt sie. Denn so eine Chance bekomme man nicht zweimal.

Hannes Stöhr dreht Anfang Oktober einen Teil seines neuen Films "Bogenschütz & Chong" in Hechingen. Der Regisseur aus Sickingen war bereits im Juli auf Drehortsuche in seiner alten Heimat. Dies war auch eine Gelegenheit für Sanja Beck, Hannes Stöhr persönlich kennenzulernen, den sie bis dahin "nur vom Sehen bei den Premierenfeiern in Hechingen kannte". "Ich habe mich im Juli mit dem Team vertraut gemacht und die verschiedenen Locations, wo dann im Oktober gedreht wird, besucht", erzählt sie.

"Das waren zwei mega anstrengende Tage", sagt die 19-Jährige, "weil man beim Dreh auf so viele Sachen achten muss." Die Arbeit als Regieassistentin findet sie spannend, auch wenn sie noch gar nicht so lange in den Beruf reingeschnuppert hat. "Ich habe viel Verantwortung, mit der ich gar nicht gerechnet hätte", erzählt sie. Denn wenn im Oktober gedreht wird, muss alles stimmen, jedes Detail exakt geplant sein.

Nichts darf schief gehen. Das hat Sanja Becker in den zwei Tagen der Vorbereitung schnell gemerkt. Besonders faszinierend fand sie die spezielle App auf dem Smartphone des Kameramannes, die diesem genau sagen konnte, wo die Sonne im Oktober an dem jeweiligen Drehort unter- oder aufgeht. "So kann er bereits planen, wo die Schauspieler beim Dreh dann stehen müssen", erklärt die Regieassistentin.

Das Team um Hannes Stöhr habe ihr viel erklärt und sie nett aufgenommen. "Die Filmleute verwenden viele englische Fachbegriffe", erzählt Sanja Becker. Was zum Beispiel ein "Covermotiv" ist, weiß sie jetzt: "Wenn es regnet und man an einem Drehort nicht filmen kann, braucht man einen Ausweichort, denn die Schauspieler werden ja nach Drehtagen bezahlt." Besonders gut gefallen hätte den Filmleuten, von denen die meisten aus Berlin kommen, dass hier alles so schön grün ist. "Mariazell fanden die total schön", erzählt Sanja Beck.

Einen richtigen Einsatz als Regieassistentin hatte die 19-Jährige bereits. Prompt als Hannes Stöhr im Juli ankam, war auch schon sein Mietauto kaputt und Sanja Beck musste den Fahrdienst übernehmen. "Deswegen war eine wichtige Voraussetzung für den Job, dass ich den Führerschein habe."

Ihre eigentlichen Aufgaben als Regieassistentin beginnen erst in den kommenden Wochen. Sie muss Fotos von möglichen weiteren Drehorten machen, Hotels für die Schauspieler und das Team suchen, Fahrdienste organisieren und selbstverständlich Komparsen organisieren. Anfang September wird sie einen Aufruf starten. "Ich denke, viele Menschen in Hechingen sind bereit, sich für den Film hinzusetzen", ist sie sich sicher. Auch Freunde von ihr hätten schon gefragt, ob sie denn mitmachen dürften.

Wo und welche Komparsen gebraucht werden, steht bereits fest. Eine Szene wird zum Beispiel in der Johanneskirche gedreht. "Die muss voll werden", weiß Sanja Beck. So etwa 100 Leute "in Trauerkleidung" muss sie für den Dreh auftreiben und organisieren, dass diese die richtige Kleidung anhaben und genügend Zeit einplanen. "Auch wenn die Szene im Film nur zehn Minuten dauert, kann es sein, dass man einen halben Tag drehen muss", erklärt die Regieassistentin. Auch zehn bis 15 chinesische Komparsen muss sie suchen: "Das wird eher schwierig." Nicht ganz so einfach werde es auch, echtes Filmmaterial aus der Zeit des Wirtschaftswunders zu finden. Auch da sind wieder Hechinger gefragt, die vielleicht noch das ein oder andere Filmchen auf dem Speicher haben.

Mit den Vorbereitungen ist es aber noch nicht getan. Zwar weiß Sanja Beck jetzt in der Vorbereitungsphase noch nicht ganz genau, was auf sie zukommt, aber sie muss dem Filmteam auch während der Dreharbeiten im Oktober zur Verfügung stehen.

Auf die Arbeit mit den Schauspielern - Walter Schultheiß, Ulrike Folkerts und Christoph Bach wirken in dem Film mit - freut sich die 19-Jährige: "Bei der Premiere von ,Berlin Calling waren die Schauspieler richtig cool drauf und das sind die jetzt bestimmt auch." Interessant werde die Arbeit mit Walter Schultheiß, denn "der ist schon recht alt und muss viel sitzen".

"Bogenschütz & Chong" ist ein Film über die Globalisierung: Bei einem schwäbischen Unternehmen, das Textilmaschinen herstellt, bleiben die Aufträge aus. Deshalb will der Sohn des Firmengründers die Firma an Chinesen verkaufen - selbstverständlich gegen den Willen des Vaters. Sanja Beck war erst kritisch, als sie hörte, dass der neue Film das Thema Globalisierung aufgreift, aber nachdem sie das Drehbuch gelesen hat, ist sie sicher: "Der Film wird echt lustig. Das Thema Globalisierung wird total anders aufgezogen, nämlich realitätsnah und witzig."

Einen Job beim Film als Regieassistentin könnte sich Sanja Beck für die Zukunft "schon" vorstellen. Aber voraussichtlich studiert sie ab Oktober erstmal "International Business Management" an der Fachhochschule in Villingen-Schwenningen. Im Frühjahr kommenden Jahres, wenn nochmal einige Szenen in Hechingen gedreht werden, und bei der Premierenfeier des Films wird sie dann nochmal als Regieassistentin tätig sein.

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