Die Handwerker auf dem Dach des Steinemer Rathauses sind an jenem Donnerstagnachmittag beschäftigt. Die Sanierungsarbeiten am 1920 errichteten Gebäude mitten im Hechinger Stadtteil sind gerade in vollem Gange. 1,09 Millionen lässt sich die Stadt dies kosten, plus 60 000 Euro für die Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage. Ein Teil der Kosten wird durch Fördergelder des Programms Klimaschutz+ des Landes Baden-Württemberg finanziert.

2017 wurde der Wunsch vehementer

„In Stein wird da schon länger darauf gedrängt“, erzählt Michael Werner, Sachgebietsleiter für Hochbau und Gebäudeunterhalt des Fachbereichs 3 der Stadt Hechingen, und meint die Sanierung des kompletten Gebäudes. Seit mehreren Jahren hatte der Steinemer Ortschaftsrat diese Veränderung schon gefordert, 2017 wurde der Wunsch dann vehementer.

Michael Werner ist an der Sanierung genauso wie Günter Neth, Mitarbeiter des Sachgebiets Hochbau und Gebäudeunterhalt, sowie Thorsten Sorg, der Inhaber der Balinger Firma Sorg Architekten, beteiligt. Die Fachplanung für die Elektronik hat das Bitzer Planungsbüro Strehlau Gebäudetechnik übernommen, die Fachplanung für Heizung Lüftung und Sanitär das Ingenieurbüro von Martin Fetzer aus Albstadt.

2020 soll Vorhaben beendet sein

Voraussichtlich ist die Generalsanierung am Steinemer Rathus noch Ende dieses Jahres abgeschlossen. Der Startschuss fiel im April 2019, als der Gemeinderat der Stadt Hechingen das Vorhaben beschloss. Für die Handwerker ging es dann im Oktober des vergangenen Jahres los.

Gebäude ist 100 Jahre alt

Das Steinemer Rathaus war zu dem Zeitpunkt in marodem Zustand. Das Holz faulte laut Michael Werner, der Putz an der Außenfassade bröckelte ab. „In ein paar Jahren wären weitere Folgeschäden zu erwarten gewesen“, so Werner. Das Rathaus Stein, das um 1920 als Schulgebäude in Fachwerkbauweise errichtet und genutzt worden war, wurde 1972 zuletzt umgebaut und saniert. Heute wird das Objekt als Sitz der Ortschaftsverwaltung, für Sitzungen des Ortschaftsrates und von Vereinen genutzt.

Westgiebel wird erneuert

Nun ist das Gebäude eingerüstet, der Vorplatz teilweise vollgestellt und für die Öffentlichkeit abgesperrt. Die Handwerker fingen mit der Fassadensanierung des Holz-Fachwerks an, schadhafte Hölzer wurden ausgetauscht und eine Feuchtigkeitssperre eingebaut. Der Westgiebel wurde nach dem Abtragen der Putzschicht durch eine gedämmte Holzständerkonstruktion ersetzt.

Neue Raumaufteilung

Wer das Erdgeschoss betritt, befindet sich dann auch mitten auf der Baustelle. Im rechts vom Eingang gelegenen Zimmer wurde die Ausmauerung größtenteils ersetzt und auf den Rohbau zurückgebaut. Das 70er-Jahre-Parkett kommt auch noch heraus. Hier trafen sich immer die Mitglieder der Narrenzunft Stoanemer Sadbolla. Demnächst zieht in diesen Raum die Ortschaftsverwaltung ein. Das Erdgeschoss soll dann barrierefrei über eine Rampe von außen zugänglich sein.

Riesiges Loch in der Wand

Momentan finden die Sprechstunden für die Bürger im kirchlichen Gemeindehaus statt. Der Versammlungsraum für örtliche Vereine und Tanzgruppen wird der künftige Sitzungssaal des Ortschaftsrats sein. Links daneben befindet sich dann die Teeküche, inklusive Stuhllager. Da nun mit Wärmepumpe geheizt wird, konnte der Kamin ausgebaut und fast ein halber Quadratmeter Fläche gewonnen werden. In der Wand prangt nun ein riesiges Loch, durch das hindurch der Baustellengänger geradeaus auf den Eingang des Gebäudes blickt. Auch an ein barrierefreies Behinderten-WC samt Putzraum, links von der Haustür, wurde gedacht.

Neue Fenster und bodentiefe Fluchttüren

Im gesamten Objekt werden neue Türen gesetzt. Auch in Sachen Fenster hat sich etwas  getan: Alle Objekte werden ausgetauscht. Zwei Fenster im Saal und eines in der Ortschaftsverwaltung sind nun auch bodentief und dienen im Ernstfall der Evakuierung als schneller, direkter Fluchtweg. Innen sind sie schön mit Holz verkleidet, außen sind sie langlebig aus Aluminium. Die gesamte Elektroinstallation im Gebäude wird umgestellt. die Schiebeläden der Fenster sind zum Beispiel im Erdgeschoss elektrisch bedienbar. Die Beleuchtung wird auf LED-Technik umgestellt. Durch neue Gebäudetechnik und Anbringen eines Vollwärmeschutzes wird versucht, klimafreundlicher zu agieren. Es gibt auch Präsenzmelder, die automatisch nach kurzer Zeit das Licht ausschalten.

Arbeiten liegen im Zeitplan

Mit dem Zeitplan sind die Beteiligten zufrieden. „So, wie es im Moment aussieht, sind wir ganz gut dabei“, sagt Michael Werner. Im ersten Stockwerk wurden die vier in sich teilweise, gefangenen Räume aufgelöst. Ein Flur wird angelegt.

Narrenzunft Sadbolla hat Interesse

In der bisherigen Rumpelkammer, links vom Eingang, wird nun eine Teeküche eingerichtet. Früher befanden sich auf der Etage auch das Zimmer der Römervilla-Verwaltung, das damalige Sekretariat des Ortsvorstehers sowie, rechts vom Eingang, der bisherige Versammlungsraum des Rats. Diese Räume werden nach der Sanierung nun flexibel nutzbar. Als Wohnung sei das Obergeschoss nicht vorgesehen. Aber: „Von der Narrenzunft Sadbolla ist Interesse da, dass sie im neuen Rathaus unterkommen“, weiß Werner.

1,15 Millionen Euro ist eine Stange Geld. Aber einen Neubau in dieser Größe zu errichten, wäre laut Werner „deutlich teurer“ gewesen. Ein Abbruch des 100 Jahre alten Gebäudes sei auch „von Anfang an“ aus Sicht der Steinemer kein Thema gewesen. Denn das Rathaus birgt einen „gewissen Identifikationscharakter“ für die Einwohner.