Die große, neue Eingangstür des Steinemer Rathauses steht an diesem Januarmorgen weit offen. Davor parkt ein Transporter, aus dem die Mitarbeiter einer Umzugsfirma mit vereinten Kräften schwere Schränke hieven. Scheinbar mit Leichtigkeit bugsieren sie die Möbelstücke ins Gebäude und haben dabei sogar noch Zeit für einen freundlichen Gruß. Ihr Ziel ist der Raum gleich neben dem Eingangsbereich, in dem künftig die Ortschaftsverwaltung Stein beheimatet sein wird.

Kleindienst und Wolf mittendrin

Dort stehen bereits die Schreibtische von Ortsvorsteher Harald Kleindienst und der Verwaltungsangestellten Regina Wolf, die mittendrin sind im Geschehen. Zwischen zahlreichen Kartons voller Ordner und Büromaterialien, noch leeren Regalwänden und gerade erst aufgestellten Schränken beraten die beiden, wo welches Möbelstück platziert werden soll und packen kräftig mit an.

Neue Ordnung fürs Archiv

Für die Männer der Umzugsfirma geht es derweil munter hin und her. Immer wieder fahren sie zum Pfarrzentrum, wo die Ortschaftsverwaltung in der Zeit der Rathaussanierung ihr Übergangsquartier hatte, um dort noch die restlichen Möbel abzuholen. Eine weitere Anlaufstelle ist ein ehemaliges Firmengebäude in der Mühläckerstraße, in dem das Archiv zwischengelagert wurde. Auch dort muss aus- und umgeräumt werden, und zwar möglichst mit System, damit der Überblick nicht verloren geht. So fällt dann auch das Wiedereinsortieren in den neuen Räumlichkeiten leichter.

Alt und erhaltenswert

„Es ist schon eine Menge Arbeit, denn wir wollen das Archiv ein bisschen auf Vordermann bringen und die neueren von den älteren Unterlagen trennen“, erklärt Harald Kleindienst. Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten fällt in einer Ortschaftsverwaltung eben eine riesige Menge an Schriftlichem an. „Vieles im Archiv ist schon sehr alt und erhaltenswert“, weiß der Ortsvorsteher, der den Umzug nutzen will, um ein bisschen mehr Ordnung in die Unterlagen zu bringen.

Zeit für Feinarbeit

In der Teeküche klappert derweil das Geschirr, das Regina Wolf in die Oberschränke räumt. „Einige kleinere Dinge fehlen noch, und auch ein paar Ausbesserungsarbeiten stehen an, aber die standen dem Einzug der Verwaltung nicht im Wege“, freut sich Harald Kleindienst, seinen neuen Arbeitsplatz schon jetzt beziehen zu können. Wenn die großen Möbel alle ihren Platz im Raum der Ortschaftsverwaltung gefunden haben, kann endlich das Büromaterial eingeräumt werden. Da wird hier eine Lampe aufgestellt und dort eine Schreibunterlage hingeschoben, PCs und Drucker erhalten ihren Platz und am Schluss bleibt auch noch Zeit für ein bisschen Feinarbeit.

Erste Sprechstunde am Montag

Mit jedem Handgriff zieht etwas mehr Wohnlichkeit in die großen, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten ein, die für die Bürger und ihre Anliegen bald die Anlaufstelle schlechthin sein werden. Die erste Sprechstunde des Ortsvorstehers im generalsanierten Rathaus wird bereits am kommenden Montag stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt sollen dann auch Telefon und Internet funktionieren.

Haus der Vereine

„Unser Ziel ist, dass dieses Haus möglichst bald mit Leben gefüllt wird“, betont Harald Kleindienst. Das Steinemer Rathaus sei schließlich weit mehr als „nur“ der Sitz der Ortschaftsverwaltung. Auch die Narrenzunft Stoanemer Sadbolla und der Tischtennisclub erhalten im Gebäude ihr neues Domizil und werden bald einziehen. Übergangsweise soll auch dem Jugendtreff, der derzeit ohne Räumlichkeiten dasteht, eine Möglichkeit für kleinere Zusammenkünfte zur Verfügung gestellt werden. „Das Rathaus soll ein Haus sein, das allen Bürgern offensteht und in das die Menschen gerne kommen“, sagt der Ortsvorsteher. „Es ist jetzt an uns, es zu nutzen, aber auch zu pflegen und zu erhalten.“ Damit es möglichst lange das Schmuckstück mitten im Ort bleibt, das es durch die umfassende Sanierung geworden ist.

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Überfällig Dass der Hechinger Stadtteil Stein eine neue Ortschaftsverwaltung braucht, daran ist seit Jahren nicht gezweifelt worden. Der Schritt zur kostpieligen Sanierung statt eines Neubaus war nicht unumstritten. Aber mittlerweile haben offenbar alle Beteiligten ihren Frieden mit dem Vorhaben gemacht. Das ist eines der größten: Die Sanierungsarbeiten am 1920 errichteten Rathausgebäude sind veranschlagt mit Kosten von 1,09 Millionen Euro. Hinzu kommen 60 000 Euro für die Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage. Ein Teil der Kosten wird durch Fördergelder des Programms Klimaschutz+ des Landes Baden-Württemberg finanziert.