Im Obst- und Gartenbauverein Bietenhausen rumort es kräftig: Mit seinem plötzlichen Rücktritt nach einer nur einjährigen Amtszeit sorgte der erste Vorsitzende Dietmar Schirmer in der Hauptversammlung am Samstag für ein Erdbeben.

Nur so zum Hintergrund: Bei der letztjährigen Hauptversammlung schmiss der komplette Vorstand unter Rudi Schmid hin. Zwar konnten mit Dietmar Schirmer und Edwin Kessler damals zwei neue Vorsitzende gefunden werden, aber die Posten des gesamten Vorstandsgremiums wurden nicht durchgängig besetzt.Erst die außerordentliche Mitgliederversammlung im Sommer brachte einen kleinen Erfolg. Mit Jürgen Kessler gab es einen Beisitzer. Es mangelte lediglich an der in der Satzung festgeschriebenen Anzahl von vier Beisitzern.

Wie Schirmer am Samstag im Bürgerhaus Bietenhausen einräumte, sei der Verein wohlwissentlich handlungsunfähig gewesen. „Wir bewegten uns in einem rechtsfreien Raum“, resümierte er. Dennoch führte der Vorstand des 90 Mitglieder zählenden und ältesten Vereins des Ortes die Geschäfte weiter, um die Organisation am Leben zu erhalten.

Familiäre und berufliche Gründe bewogen den scheidenden Vorsitzenden Dietmar Schirmer zum Rücktritt. Ein weiterer Grund sei die unausgeglichene Verteilung der Hauptarbeit gewesen. Diese bliebe das ganze Jahr über am Vorstand hängen, betonte Schirmer.

„Noch mehr Arbeit auf die ohnehin schon wenigen Schultern zu verteilen, das geht einfach nicht. Für einen Neuanfang reicht das nicht aus“, schimpfte der einstige Vorsitzende, der die Vorstandschaft als „völlig überlastet“ bezeichnete.

Weil sich für Schirmer kein Nachfolger finden ließ, regte der Vorstand an, den Verein für ein Jahr lang stillzulegen. Sogar das Thema einer Vereinsauflösung stand zur Debatte. Schirmer sah in einem solchen Fall das angesparte Geld in Gefahr, das dann an die örtlichen Vereine verteilt würde. Die in der Satzung verankerte Regelung, die vorhandenen finanziellen Mittel für fünf Jahre aufzubewahren, also einer Zeit, in der Verein seine Tätigkeit wieder aufnehmen könnte, ist laut Edwin Kessler aus Sicht des Finanzamtes nicht mehr gültig. „Es liegt aber an den Mitgliedern selbst, wie es mit dem Verein weitergeht“, betonte Edwin Kessler.

Ortsvorsteher Josef Pfister, der die einstimmige Entlastung des Vorstands feststellte, sagte: „Es ist richtig, dass es ohne einen ersten Vorsitzenden mit dem Verein nicht weitergeht.“ Er lobte auch: „Die Vorstandschaft hat bislang gute Arbeit geleistet und gezeigt, dass sie es kann.“ Pfister wird nun die Varianten der Stilllegung und Auflösung rechtlich prüfen lassen, bis eine eigens einzuberufende außerordentliche Mitgliederversammlung darüber entscheidet.

Ulrich Emde vom Kreisobstbauverband Zollernalb plädierte dafür, nicht die Flinte ins Korn zu schmeißen und nur eine vorübergehende Stilllegung anzustreben. Abhilfe könnte eine Kooperation unter den benachbarten Obst- und Gartenbauvereinen bringen, was lediglich Zeit brauche.

Mit den Finanzen sieht es hingegen gut aus: Kassierer Ingo Pape berichtete von einem Gewinn. Für alle bevorstehenden Vorhaben sei genügend Geld da. Roland Strie bescheinigte Ingo Pape ein geordnetes Belegwesen. Schriftführerin Frauke Kessler listete die Aktivitäten auf, die 2018 im Zeichen des 120. Vereinsjubiläums standen. Dazu gehörten Bastelaktionen von Vogelfutterhäuschen und das Mosten mit dem Kindergarten. Den gespendeten Apfelsaft trinken die Kindergartenkinder und die Schüler vom Diasporahaus ein ganzes Jahr über. Mangels Helfern konnten ein beabsichtigter Naschgarten sowie ein Geräteschuppen auf der OGV-Wiese nicht gebaut werden.

Falls es zu einer Vereinsauflösung oder Stilllegung kommen würde, so die Schriftführerin weiter, könne man dennoch aktiv sein, zum Beispiel beim Bienen- und Imkerprojekt und bei der Baumpflanzaktion mit dem Kindergarten und dem Diasporahaus. Edwin Kessler würde dafür sogar seine Privatwiese kostenlos zur Verfügung stellen, die ausreichend Platz für 30 Jungbäume bietet.

Mitgliedsbeiträge werden nicht erhöht


Die vom Vorstand angeregte Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, wonach befreite Ehrenmitglieder und Ältere wieder zahlen müssten, stieß auf Ablehnung. Ortsvorsteher Josef Pfister sagte: „Es kann nicht sein, dass über 90-Jährige den Beitrag wieder zahlen müssen.“ „Es war ja nur ein Vorschlag“, besänftigte Dietmar Schirmer. Eine Abstimmung darüber gab es nicht.