Hechingen / EBERHARD WAIS Gesellschaftsspiele türmen sich meterhoch, Geschirr und Gläser drängeln eng aneinander, Bücher stehen in langen Reihen, Kleidung hängt an Ständern: Der erste Hechinger Warentauschtag war prall gefüllt.

Jeder kennt das: Über die Jahre sammeln sich in Schränken, Truhen, Kisten und Kartons unglaublich viele Dinge, die man nicht mehr braucht und die einem nicht mehr gefallen. Solche und noch viel mehr Gebrauchsgegenstände gab es kostenlos beim ersten Hechinger Warentauschtag, organisiert von der Bunten Liste Hechingen in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Zollern, Naturschutzbund Nabu Hechingen und Kinder brauchen Frieden, und sehr vielen freiwilligen Helfern, wie sich die Initiatorin Almut Petersen freute.

Unablässig wird körbe- und kistenweise neues Material im "Museum" angeliefert, die Zollernstraße ist ebenso schnell zugeparkt zum Entladen, wie die Tische drinnen überfüllt sind. Immer mehr Interessenten wuseln durch die Gänge und an den Tischen vorbei, um das eine oder andere zu erhaschen, was man schon lange gesucht hat, und nicht wenige nehmen mindestens so viele andere Dinge wieder mit nach Hause, wie sie gebracht haben.

Gleich vorne locken die alten Schallplatten von Roy Black bis zu "Jesus Christ Superstar", und mancher geht mit einem ganzen Arm voll davon nach Hause. Daneben sind Deko-Artikel platziert, vom Glücksschwein bis zum Vogelbauer. Kinderkleidung liegt da, daneben Frauenwäsche, Männer-Rollis und Cordjacken, Hosen, Jacken, Schals, Hüte, Mützen, Schuhe, und wie wär's mit dem roten Chapeau?

Zwischendrin alte Gardinenstangen aus Holz, bunte Bettwäsche im Kilopack, Taschen und fast alle Bücher dieser Welt, vielleicht mit dem ganz persönlichen Lesezeichen oder einer kleinen Notiz. So manche Bücherwand dürfte jetzt einige Lücken haben, woanders dagegen wird sie zu klein.

Genau das ist der Sinn eines solchen Tauschtages: weg von der Wegwerfmentalität, hin zu einem nachhaltigeren Umgang mit Dingen und Ressourcen. Warum ein Buch, wenn man es einmal gelesen hat, nicht einfach weitergeben, statt es über Jahrzehnte unberührt als Belesenheitsnachweis in den Bücherschrank stellen? Diese unglaubliche Menge an tauschbaren, verwertbaren Dingen, die sich am Samstag im "Museum" stapelte, macht nachdenklich über die Wegwerfgesellschaft, darauf hinzuweisen war eine der Intentionen des Tauschtages.

Manches ist technisch zwar überholt, wie die altehrwürdige analoge Elektronik und die unzähligen VHS-Kassetten, anderes nicht mehr in Mode, wie die Bierseidel oder die sortierten Porzellanteller. Interessanter sind da schon das komplette Steingutservice mit exotischem Muster oder das goldberandete Tafelgeschirr mit Suppenterrine.

"Direct-Recycling" nennt Almut Petersen diese Art des Warentauschs. Umwelt- und ressourcenschonendes Verhalten ist es allemal, auch wenn eine gehörige Portion Sammelfreude dabei sein mag. Almut Petersen und Hannes Reis von der Bunten Liste waren hoch zufrieden mit Zuspruch und Verlauf des Warentauschtages. "Wir werden den Tauschtag im nächsten Jahr wieder organisieren", kündigte Reis an.

Das Ziel der Veranstalter, den konsumorientierten Lebensstil wenn schon nicht anzuprangern, dann doch ein wenig zu hinterfragen, ist auf alle Fälle erreicht. Und was geschieht mit all dem Rest, für den niemand neues Interesse hatte? Eine halbe Stunde vor Schluss durften professionelle Flohmarkt- und Secondhandhändler ins "Museum", und dabei ging noch so manches über den Tisch. Der Tauschtag ist auf alle Fälle nachahmenswert. Und für den Tafelladen kamen noch 330 Euro Spenden zusammen.