Hechingen Rote Reiter galoppieren durch die Villa

Bilder und Skulpturen des Künstlers Hans Mendler, hier bei der Ausstellungseröffnung im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Christina Ossowski, sind bis Ende November in der Villa Eugenia zu sehen.
Bilder und Skulpturen des Künstlers Hans Mendler, hier bei der Ausstellungseröffnung im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Christina Ossowski, sind bis Ende November in der Villa Eugenia zu sehen. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 23.10.2018
Der Künstler Hans Mendler lässt rote Reiter durch die Hechinger Villa Eugenia galoppieren und Harlekine kopfstehen.

Es ist ein Festival des Lebens, das sich derzeit in den Ausstellungsräumen der Villa Eugenia entfaltet und jeden, der eintritt, in einen Sog aus Farben und Formen zu ziehen vermag. Die dort gezeigten Bilder und Skulpturen Hans Mendlers sind seiner „Lust am Spiel“ entsprungen, wie es im Untertitel der Ausstellung „Rote Reiter“ heißt. Die unbändige Kreativität und Schaffenskraft, die aus ihnen spricht, ihre Farbigkeit und Formenvielfalt nimmt den Betrachter mit in burleske Welten, obskure Sphären und längst vergangene, „ritterliche“ Zeiten. Bei der Vernissage, die von Matthias Anton am Saxophon mit ganz viel Groove umrahmt wurde, führte die Kunsthistorikerin Christina Ossowski in das Werk des in Leonberg lebenden Künstlers Hans Mendler ein.

Lag dessen Schaffensschwerpunkt einst auf der Malerei, ist die Skulptur mittlerweile als gleichwertige Kunstgattung hinzugetreten. Die Schau in der Villa zeigt beides – auf eine so ausgeklügelte Art, dass die Bilder an der Wand und die Figuren im Raum auf faszinierende Weise zu kommunizieren scheinen.

Eine ganze Serie von Bildern befasst sich mit der Auseinandersetzung Hans Mendlers mit der umfangreichsten Sammlung mittelhochdeutscher Liedtexte, dem „Codex Manesse“ und seiner Buchmalereien. Reproduktionen dieser Bilder dienen dem Künstler als Grundlage für Übermalungen, welche die mittelalterlichen Abbildungen nicht einer bloßen Adaption unterziehen. Der Künstler lässt etwas völlig anderes aus ihnen entstehen, verleiht ihnen einen neuen Sinn. „Er lässt sich von den alten Meistern inspirieren, versetzt sich regelrecht zurück in deren Zeit, um ihren Bildern eine heutige Deutung zu geben“, erläuterte Christina Ossowski. Auf diese Art und Weise sind sieben gemalte Paraphrasen auf den „Codex Manesse“ entstanden, die Titel wie „Minne“ oder „Huldigung“ tragen und einen Bogen zwischen dem fernen Damals und dem Hier und Jetzt schlagen. „Mendlers Anverwandlungen der Codex-Illustrationen zeigen seine Fähigkeit traditionelle Kunst für zeitgenössische Bildsprache nutzbar zu machen“, unterstrich die Expertin. Die Bilder seien spielerisch, frech und von leichter Hand gemalt.

Dasselbe gilt für seine vor Lebensfreude,  strotzenden Darstellungen und Skulpturen, die der berühmten „Commedia dell’arte“ entlehnt sind. Wer kennt sie nicht, die Figuren des lustigen Arlecchino, des tollpatschigen Pagliaccio oder des listigen Pulcinella aus dem italienischen Volkstheater, dessen wesentliche Elemente Humor, Masken und Improvisation sind. Hans Mendler greift dieses „Spiel nach Lust und Laune“ auf, lässt die Figuren in seinen Bildern „abenteuerliche Sprünge, Verrenkungen und akrobatische Gags vollführen.“ Er collagiert und übermalt, tauscht Körperteile, ja sogar Typen aus, kreiert eine phantastische, farbenfrohe, manchmal sogar im wörtlichen Sinne kopfstehende Welt voll sprühender Energie.

Die Freude an der Bewegung ist auch in der Bilderserie „You better run“ ganz offensichtlich, an deren „hyperbewegliche Gestalten, die uns so unbekümmert entgegen kommen: laufend, tanzend, im Sprung.“

Nicht schroff und kantig, eher geglättet und gerundet kommen die Skulpturen des Künstlers daher, deren harmonische Farbigkeit ebenso anziehend wirkt wie die Ausdruckskraft ihrer Gesichter. Um sie aus Eiche, Kirsche oder Walnuss zu formen, greift der Künstler oft zur Motorsäge – ein Werkzeug, das hohe Ansprüche an seinen Verwender stellt. Dem Wuchs, den Maserungen folgend, ringt Mendler dem Holz seine Wesen ab, transportiert durch sie Emotionen, die von Heiterkeit bis hin zur Melancholie reichen. Alle Spielarten der Maskerade tun sich in seinen Figuren auf. Egal ob aus Holz oder Bronze gefertigt – als Spiegel der menschlichen Seele wissen sie zu faszinieren.

Info Die neue Ausstellung in der Villa Eugenia ist bis zum 25. November geöffnet, und zwar wie immer samstags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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