Ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über der Villa rustica, die Sonne schickt wärmende Strahlen, Vögel zwitschern und machen das Idyll perfekt. Eigentlich bietet der Frühling ideale Bedingungen für einen Ausflug ins Römische Freilichtmuseum. Doch das Gelände ist menschenleer und wird es vorerst auch bleiben. Die Saisoneröffnung, die am 1. April hätte stattfinden sollen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Um die Frage nach dem Warum zu beantworten, braucht es nur ein Wort: Coronavirus.

Ohne Besucher ist Ebbe in der Kasse

Nicht nur Ladenbesitzer und Unternehmer bangen um ihre Existenz, auch für Museen ist die Lage prekär. Denn letztere müssen in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot ebenfalls geschlossen bleiben. Und wie überall gilt auch hier: Ohne Besucher klingelt leider auch keine Kasse.

Das Römische Freilichtmuseum Stein trifft die Zwangspause besonders hart. Denn ausgerechnet jetzt, wenn eigentlich die besucherstärksten Monate anstehen, müssen die Tore geschlossen bleiben. Eintrittsgelder und Wirtschaftseinnahmen fallen somit komplett weg. „Damit werden uns allein im April und Mai 60 000 bis 80 000 Euro Umsatz fehlen“, befürchtet der Fördervereinsvorsitzende Gerd Schollian. „Das ist für uns eine mittlere Katastrophe.“

Alle Klassenausflüge sind storniert

Sämtliche Schulklassen, die Ausflüge in die Villa rustica gebucht hatten, haben ihren Besuch bereits abgesagt. Auch der Förderverein selbst kann sein Programm nicht wie geplant aufrechterhalten. So wurde das für Mai im Terminkalender stehende Festwochenende mit „Zeitreise von der Antike bis zum Mittelalter“ in den Herbst verschoben. Auch das große Römerfest im August könnte auf der Kippe stehen, denn noch weiß keiner, wie lange die Krise andauern wird. „Wenn das ausfallen müsste, wäre es fatal, denn der Überschuss aus diesem Fest hilft uns zwei Jahre lang, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, konstatiert Gerd Schollian.

Gerade jetzt, wo der Förderverein mit der Rekonstruktion des Tempelbezirkes ein Großprojekt am Laufen hat, wäre finanzielle Sicherheit extrem wichtig. Denn die Arbeiten daran gehen natürlich weiter, und es wurden bereits Aufträge vergeben, die mit hohen Kosten verbunden sind. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, schildert der Römerchef die Lage. „Wenn wir auf längere Zeit keine Einnahmen mehr haben, sind wir dringend auf ein Darlehen angewiesen.“

2019 war eine Supersaison

Die große Hoffnung des Fördervereins war, 2020 wieder eine so erfolgreiche Saison verbuchen zu können, wie das im vorigen Jahr der Fall war. „Da haben wir so gut gewirtschaftet, dass wir 20 000 Euro Überschuss in den Tempelbezirk investieren wollten.“ Das sei jetzt nicht mehr möglich, jeder Cent werde nun im Museum gebraucht, um überhaupt über die Runden zu kommen. Schließlich müssen laufende Kosten abgedeckt werden, zu denen auch die Löhne zählen. Derzeit arbeiten nur noch der Hausmeister und eine Teilzeitkraft im Museum. Kann nicht bald eröffnet werden, droht auch dem Hausmeister Kurzarbeit. Eine Situation, die Gerd Schollian so manche schlaflose Nacht bereitet: „Wir hoffen natürlich auf staatliche Unterstützung, denn wir sind dringend auf Hilfe angewiesen.“ Zwei bis drei Monate könne sich das Museum noch über Wasser halten, schätzt er, danach werde es dann richtig eng.

Die ersten Götter werden geliefert

Doch wer ihn kennt, der weiß, dass sich Gerd Schollian so schnell nicht unterkriegen lässt. Gemeinsam mit zwei, drei ehrenamtlichen Helfern ist er weiter unermüdlich im „Heiligen Bezirk“ zugange. Einer der Tempel konnte bereits fertiggestellt werden, im Laufe des nächsten Monats sollen die beiden ersten Götterfiguren geliefert werden.

Sorgen macht sich Schollian indes nicht nur um die finanziellen Einbußen, sondern auch um die Menschen, die mit dem Freilichtmuseum eng verbunden sind. „Unsere Italiener, die seit Jahren unser Römerfest besuchen, kommen ausgerechnet aus der Lombardei, der Gegend, die am stärksten von Corona betroffen ist.“ Da könne man nur hoffen, dass alle gesund bleiben, das sei momentan schließlich das Wichtigste.

Info Wenn sonst nix geht: Wie wäre es mit einem virtuellen Spaziergang durch die herrliche Anlage? Man nehme dazu: www.villa-rustica.de.

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bis drei Monate kann sich das Römische Freilichtmuseum Stein noch über Wasser halten ohne Einnahmen, schätzt der Förderverein. Danach wird es finanziell zappenduster.