Stein Römerfest in Stein präsentiert Schlachtgetümmel

Stein / UWE OSTER 20.08.2012
Schattenplätze waren heiß begehrt beim Römerfest in der Villa rustica in Stein. Die Hitze machte Akteuren und Besuchern zu schaffen. Doch dafür bekam man ein einzigartiges Schauspiel geboten.

Das hätte den echten römischen Legionären nicht passieren können: Die LEG I Italica aus Venetien, eine der großen Attraktionen des Römerfests, kam in diesem Jahr mit deutlicher Verspätung nach Stein. Grund: Die Italiener hatten auf dem Fernpass eine Buspanne. . .

So konnte am Samstag zunächst nur das Vorauskommando von rund zehn Mann am Einmarsch teilnehmen. Dafür waren aber viele andere Gruppen vertreten - ein buntes Potpourri von Römern, Alamannen und kampfeslustigen Amazonen. Sogar ein Bogenschütze aus Palmyra war bis nach Stein gekommen.

Was immer wieder beeindruckt: Die "Kostüme" sind keine lieblosen Phantasieprodukte, sondern authentische Nachbildungen. Man fühlt sich bei diesem Anblick tatsächlich in die Römerzeit versetzt. Das gilt für die römischen Legionäre ebenso wie für die verschiedenen Alamannengruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Besondere am Römerfest in Stein ist, dass an beiden Tagen jeweils eine ganze Geschichte erzählt beziehungsweise nachgespielt wird. In diesem Jahr war es eine alamannisch-römische Hochzeit im Jahr 233 n. Chr. Aurelia, die Witwe des Gutsbesitzers, heiratet den alamannischen Sippenführer Tagolf. Doch es wird eine Hochzeit mit Hindernissen: Denn konkurrierende Alamannensippen stören die völkerverbindende Idylle.

Zweimal gelingt es den Bewohnern der Villa und den "guten" Alamannen die "Bösen" zu vertreiben. Dann aber muss Hilfe her - Legionäre aus den benachbarten Garnisonen werden gerufen. Sie kommen und bringen den "bösen Alamannen" eine vernichtende Niederlage bei.

Tagolf bittet für die Unterlegenen um Gnade, denn am Tag seiner Hochzeit soll kein Blut fließen. Und so werden die Verwundeten in einem Lazarettzelt nach den im 3. Jahrhundert n. Chr. gebräuchlichen ärztlichen Kenntnissen versorgt.

Von der Hochzeitszeremonie über die Kämpfe bis zur Versorgung der Verwundeten, das alles machte einen äußerst authentischen Eindruck. Und die LEG I Italica war schließlich doch noch rechtzeitig in Stein angekommen, um auch schon am Samstag am Kampfgeschehen teilnehmen zu können. Doch nicht nur dafür waren die Italiener sehnsüchtig erwartet worden - schließlich stellten sie auch die Braut und den Priester, der die Hochzeitszeremonie leitete. . .

Der Besuch in der Römervilla lohnte sich an diesem Wochenende aber nicht nur wegen der Hochzeitsfeier und des Schlachtgetümmels. Das gesamte, große Areal war voll von Zelten und Buden, in denen man römisches Leben hautnah mitbekommen konnte. Dabei konnten nicht nur die Legionäre bestaunt werden, sondern auch zahlreiche Handwerker zeigten ihr Können. Wer mochte, konnte sich nach römischer Manier schminken und frisieren lassen. Beim Mosaiklegen konnte man Einblicke in diese Kunstgattung gewinnen.

Ein Bildhauer machte sich an der Skulptur einer römischen Göttin zu schaffen, ein Schmied ging in der Gluthitze seiner Arbeit nach. . . Kinder konnten auf "echt römischen" Eseln reiten, und natürlich gab es Schwerter, Schilde und Bogen zu kaufen, so dass am Ende des Tages die Zahl der Römer in Stein noch einmal deutlich zugenommen hatte.

Das Römerfest war auch in diesem Jahr wieder sehr gut besucht, wenngleich es wegen der Hitze ein paar Geschichtsbegeisterte weniger gewesen sein mögen.

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