Hechingen Robo-Banker verwalten Millionen

Hechingen / Andrea Spatzal 14.06.2018
Die Volksbank Hohenzollern-Balingen hält mit der rasanten Digitalisierung Schritt – hält aber zugleich die Balance zwischen Tradition und Moderne.

Wandel war ein viel benutztes Wort am Dienstagabend bei der Vertreterversammlung der  Volksbank Hohenzollern-Balingen in der Hechinger Stadthalle „Museum“. Im dritten Jahr nach der Fusion präsentierten die Vorstände Joachim Calmbach, Arndt Ständer und Franz Steinhart den Mitgliedern und der Öffentlichkeit nicht nur eine erneut ausgezeichnete Jahresbilanz 2017 (wir berichteten), sondern gewährten auch einen Blick in die Zukunft des Bankenwesens – die wohl vor allem eins sein wird: digital.

Die Situation auf den Finanz- und Kapitalmärkten ist rosig: Die Wirtschaft boomt, der Konsum ebenfalls, auf dem Arbeitsmarkt läuft’s, der Dax erlebt ein Allzeithoch und sogar die Europäische Zentralbank hat ihre ultra-lockere Geldpolitik zurückgefahren.

Die Banken könnten frohlocken, tun sie aber nicht. Dafür gibt es zu viele Herausforderungen und Baustellen. „Wir sind sehr vorsichtige Kaufleute“, betonte Bankvorstand Joachim Calmbach den Unterschied zischen einer Genossenschaftsbank wie der Volksbank Hohenzollern-Balingen und weniger seriösen Mitbewerbern, die zum Beispiel millionenschwere Imagekampagnen fahren oder Investoren anheimfallen.

Zu den größten Herausforderungen zähle die Digitalisierung. „Wir alle sehen die Veränderungen“, so Calmbach. Jeder Zweite nutze Online-Banking. Im Durchschnitt betrete ein Kunde seine Bankfiliale nur noch einmal pro Jahr. Auf dem Markt tummelten sich Anbieter, die mit Smartphone-Girokonten in kürzester Zeit Tausende von Kunden gewinnen. Überhaupt könne Geld bequem und schnell über das Smartphone versandt werden. Auch Vereine setzten heutzutage auf Crowdfunding, anstatt bei ihrer Hausbank um einen Kredit anzufragen.

Diesen rasanten Entwicklungen trage die Volksbank Hohenzollern-Balingen „mit Augenmaß und hoher Qualität“ Rechnung, betonte Calmbach. So stehen den Kunden in den Volksbankfilialen seit kurzem sogenannte E-Tutoren für Fragen rund um die Digitalisierung zur Verfügung.

Auch bei der Vermögensverwaltung sei die Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten. Calmbach schätzt das Vermögen, das solche Robo-Banker in Deutschland inzwischen verwalten, auf mehr als zwei Milliarden Euro. Bei der Volksbank Hohenzollern-Balingen nennt sich der neue  Anlageassistent VRMeinInvest. Seine Kernbotschaft sei die Einfachheit, „eine erlebbare und leicht verständliche Anlageberatung“, wie Calmbach sagt.

Auch mit der Videoberatung beschreitet die traditionsreiche Genossenschaftsbank, deren Gründerväter Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch heute 200 Jahre alt wären, Neuland. „Die Kunden entscheiden, wann, wo und über welchen Zugang sie Kontakt mit unserer Bank aufnehmen wollen“, fasste Calmbach zusammen.

In die Zukunft gerichtet war auch eine Nachfrage eines Genossenschaftsmitgliedes an den Bankvorstand: Wird es weitere Fusionen geben? Wird die Volksbank Hohenzollern-Balingen weitere Filialen schließen? Weitere Fusionen seien „sicher ein Thema“ , antwortet Calmbach. Die Zukunftsfähigkeit des Hauses im Blick, werde man sich neuen Interessenten nicht verschleißen. Die Kosten- und Filialstruktur werde ebenfalls „ständig überprüft“. Das Kundenverhalten ändere sich rasant. „Aber aktuell gibt es keine Schließungspläne“, versicherte Calmbach.

Ein „ganz, ganz gutes Gefühl, dass das Zukunftsgestalten gelingt“, hat Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn. In seinem Grußwort dankte er der Volksbank Hohenzollern-Balingen, dass „sie vor Ort stark vertreten ist“. Die Bank sei als Wirtschaftsunternehmen und Arbeitgeber in der Region von hoher Bedeutung, stehe für Stabilität und darüber hinaus für eine stets großzügige und gerechte finanzielle Unterstützung sozial wichtiger Projekte.

Aufsichtsrat nur noch mit elf Mitgliedern

Aufsichtsrat Wie bei der Fusion 2015 beschlossen, hat die Volksbank Hohenzollern-Balingen ihren Aufsichtsrat jetzt auf elf Mitglieder (von 17) reduziert. Vorsitzender ist Hans-Jörg Schwab. Rainer Radke, Katharina Stauß, Andrea Winnesberg-Scharf wurden am Dienstag wiedergewählt. Verabschiedet wurden Egbert Schink, Reinhold Schäfer, Thomas Maas, Gregor Biesinger, Ursula Bailer und Andreas Wannenmacher. Gregor Biesinger aus Hart gehörte 25 Jahre, Andreas Wannenmacher aus Rangendingen zwölf Jahre dem Gremium an.

Satzungsänderung Einstimmig beschlossen wurde am Dienstag eine Aktualisierung der Satzung. Unter anderem wurden die Optionen im Immobilienbereich ausgeweitet oder auch das Wort Ehegatte um die Bezeichnung eingetragener Lebenspartner ergänzt. spa

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