Hechingen Revolutionär der Malerei

Gerhard Henzler überreicht der Manet-kundigen Referentin Helga Pooch Blumen. Man freut sich jetzt schon auf das nächste "französische" Thema des Partnerschaftskomitees Joué-lès-Tours. Foto: Ruth Birmann-Maier
Gerhard Henzler überreicht der Manet-kundigen Referentin Helga Pooch Blumen. Man freut sich jetzt schon auf das nächste "französische" Thema des Partnerschaftskomitees Joué-lès-Tours. Foto: Ruth Birmann-Maier
SWP 24.01.2012
Zum Auftakt der schon zur Tradition gewordenen Vortragsreihe über "französische" Themen lud das Partnerschaftskomitee Joué ins Hohenzollerische Landesmuseum ein. Das Thema war der Maler Manet.

"Edouard Manet - neue Wege in der Malerei" war der Titel des Vortrages über den französischen Neuerer und Wegbereiter der modernen Malerei, den die Komiteevorsitzenden Helga Pooch mit reichem Bildmaterial vor rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer hielt.

Wie immer wurden das Gehörte und Gesehene nach dem Vortrag bei Chinon-Wein und Käsehäppchen locker diskutiert. Was Wunder, dass man sich jetzt schon auf den nächsten Vortragsabend über Claude Bernard (1813-1878), den französischen Physiologen, Forscher und Philosophen am Freitag, 3. Februar,wieder um 20 Uhr und wieder im Hohenzollerischen Landesmuseum freut.

Doch zurück zu Edouard Manet. Er wurde am 23. Januar 1832 in Paris geboren und starb am 30. April 1883 ebenda. Er studierte von 1850 bis 1856 in Paris bei Thomas Couture. Auf Reisen nach Holland, Deutschland, Österreich, Spanien und Italien setzte er sich vor allem mit den Alten Meistern auseinander, beschäftigte sich aber auch intensiv mit den Werken Eugène Delacroix und Gustave Courbets. Den größten Teil seines Künstlerlebens erlebte Edouard Manet Ablehnung seitens der Gesellschaft. Erst gegen Ende seines Lebens fand Manet als Porträtist Anklang.

Edouard Manet hinterließ ein umfangreiches Werk von 420 Ölgemälden, 114 Aquarellen sowie ungezählte Pastelle und Radierungen und eben die "Entdeckung", das Gewahrwerden, dass ein Gemälde in erster Linie eine zweidimensionale Fläche ist, die mit Farben bedeckt ist, die in einer vom Maler festgelegten Ordnung zueinander gruppiert sind. Perspektive, in den frühen Werken noch eher sichtbar, scheint im späteren Werk verzichtbar, weil Linien und Farbflächen ausreichen. Das berühmte Bild "Der Pfeifer" von 1866 mag dafür ein gutes Beispiel sein.

Gleichfalls berühmt sind auch "Das Frühstück im Grünen" von 1863 und die "Olympia" aus demselben Jahr - berühmt und berüchtigt, denn beide wurden von der Salon-Jury abgelehnt, was dazu führte, dass Kaiser Napoléon III. den "Salon des Refusés", den der Abgelehnten also, in dem nun auch Manet und Künstlerkollegen wie Cézanne und Pissarro ausstellen konnten.

Berüchtigt sind die Bilder auch, weil Manet einen weiblichen Körper nackt malt, und zwar ohne einen moralisierenden, mythologischen oder zumindest literarischen Zusammenhang. Akte sind Thema der Malerei und Plastik mit langer Tradition. Sogar im kirchlichen Umfeld bot die Darstellung der Sünde (Paradies, Jüngstes Gericht), der Reue (Maria Magdalena) oder des Schöpfungsaktes - daher der Begriff! - hinreichend Gelegenheit zur Darstellung nackter weiblicher oder männlicher Körper. Manet aber entriss seine Frauenfiguren diesen Zusammenhängen und präsentiert sie in banalen bürgerlichen Zusammenhängen. Das sorgte Empörung und mit Kaiserin Eugenie, die zusammen mit ihrem Ehemann Napoléon III. die Ausstellung der Abgewiesenen besuchte, fanden viele das Bild "Das Frühstück im Grünen" schlicht schamlos.

Bei der Rezeption der "Olympia" mischte sich zu diesen Gefühlen noch das des Argwohns gegenüber einer Frauenrolle, die im 19. Jahrhundert in besonderer Weise und gelegentlich emanzipatorisch gesehen wurde. Der mit einem schmalen Halsbändchen und Pantöffelchen "bekleideten" Olympia gesellt Manet noch ein schwarzes Kätzchen hinzu, das sphinxenhaft für die Betonung von Gefühl, Instinkt Unbeherrschtheit und Unbeherrschbarkeit steht.