Ein ganzes Dutzend! Insgesmt zwölf Kitze bereits bei ersten Kitzrettungseinsätze mit einer neuen Drohne hat die Kreisjägervereinigung Hechingen gerettet.

Retter müssen früh los

Es ist 4 Uhr morgens in Weilheim. Jäger und Landwirte werfen einen besorgten Blick in den Himmel, ob das Wetter wohl für den „Jungfernflug“ der neuen Drohne der Kreisjägervereinigung Hechingen passt. Jochen Ströbele, Drohnenpilot der Kreisjägervereinigung (KJV), gibt grünes Licht: „Der Wind könnte uns Probleme machen, aber ich denke, wir können es wagen.“

Und ab geht’s

Schneller als die anwesenden Jäger und Landwirte sich versehen, surren die Flügel der Drohne, und sie steigt in die Luft. Der Wind macht dem Fluggerät zu schaffen, aber es kann seinen Flug beginnen und nun systematisch die Wiesen, welche die Landwirte in den kommenden Stunden mähen wollen, absuchen. Rehe legen um diese Zeit im Jahr ihre Kitze im hohen Gras ab, und dies kann für die kleinen Tiere schnell tödlich enden, wenn gemäht wird.

Schon immer im Einsatz

„Kitzrettungseinsätze machen die zahlreichen Jäger der Kreisjägervereinigung schon lange. Bevor wir die Drohne mit Wärmebildkamera gekauft haben, sind die Jäger die Wiesen abgelaufen.“ erklärt der stellvertretende Kreisjägermeister Markus Schuler. Sobald die Landwirte signalisiert haben, dass sie mähen, wurden Scheuchen aufgestellt, akustische Kitzretter installiert und die Wiesen am Morgen vor der Mahd abgesucht. „Wir haben auch so Kitze retten können, klar. Aber durch diese Technik sind wir wesentlich effektiver.“ freut er sich.

Ups, doch kein Tier

Die Drohne steht in der Luft. Auf dem Monitor erscheint ein heller Punkt. „Hier ist eine Wärmequelle“. Die Helfer eilen zu der Stelle in der Wiese, doch dieser helle Punkt war nur ein von der Sonne erwärmter Stein. „Das ist das große Problem,“ erklärt Jochen Ströbele, „umso wärmer der Boden ist, desto schwerer finden wir die Kitze. Deshalb ist es so wichtig, dass wir früh starten. Um 8 Uhr ist es eigentlich rum.“ Entmutigen lassen sich die Helfer auch bei einem „Fehlalarm“ nicht, denn irgendwann ist ein Kitz dabei, und dafür lohnt es sich.

Es fehlen noch Mitstreiter

Es gibt viele Flächen im Gebiet der KJV Hechingen, die abgesucht werden müssen. „Leider können wir nicht überall sein“ bedauert Markus Schuler. Die Kreisjägervereinigung Hechingen hat die Drohne dank eines Zuschusses im Winter gekauft. Der Jäger aus Schlatt: „Der Landkreis hat die Anschaffung mit einer Förderung erst möglich gemacht. Wir sind dankbar für diese großzügige Unterstützung. Es zeigt auch wie wichtig dieses Thema ist.“ Nun haben sich bereits erste Spender gemeldet, damit man weitere Drohnen kaufen und dieses Projekt ausgebaut werden kann.

Nächstes Jahr schon weiter

Aber es fehlt im Moment nicht nur am Geld. „Wir brauchen dringend mehr Helfer. Unser Ziel ist es richtige Kitzretterteams aufzubauen. Wir brauchen Drohnenpiloten, die auch die entsprechenden Führerscheine haben und Helfer, die den Monitor beobachten und dann die Kitze aus dem Gras heraustragen, “ so Markus Schuler. „Im Moment ist es noch ein Test, wir können einfach noch nicht alle Anfragen abdecken, aber vielleicht sind wir da im kommenden Jahr schon einen Schritt weiter.“

Da ist es!

Am zweiten Wochenende sind Jochen Ströbele Markus Schuler in den frühen Morgenstunden mit ihren Helfern in Schlatt und Beuren unterwegs. Schon nach den ersten Minuten in der Luft wieder die Ansage „Wärmequelle.“ Schnell nähern sich die Helfer, die bereits Gummihandschuhe tragen. „Da ist es!“ wird geflüstert, um das Kitz nicht zu beunruhigen. Beherzt nimmt Diana Schuler, Jagdpächterin in Beuren, etwas Gras und schnappt das Kitz. Mit Handschuhen und Gras vermeiden die Helfer, dass das Kitz später für die Mutter nach Mensch riecht. So nimmt die Mutter ihr Kitz auch wieder an. Das ist auch der Grund warum die Jäger immer darum bitten, Kitze nicht anzufassen, wenn man sie zufällig beim Spaziergang findet. Die fälschliche Annahme, das Kitze verwaist sind, stimmt so gut wie nie, denn die Rehgeiß findet ihr Kitz immer wieder. Wenn das Kitz allerdings nach Mensch riecht, ist die Gefahr groß, dass die Mutter ihren Nachwuchs nicht mehr versorgt.

Ohrmarke inklusive

An diesem Morgen in Schlatt bekommt das Kitz noch eine Marke ins Ohr. Mit dieser erhebt die Wildforschungsstelle Aulendorf Langzeitdaten zur Ökologie des Rehwilds. Nun aber schnell in den angrenzenden Wald. Markus Schuler trägt das Kitz, das mit seinen eineinhalb bis drei Kilogramm kaum größer wie ein Schuhkarton ist, einige Meter in den Wald, damit es nicht wieder zurück auf die Wiese läuft. Das Kitz fiepst, der Ruf nach der Mutter. Gerade als das Kitz auf dem weichen Waldboden sein neues Lager gezeigt bekommt, kommt die Rehgeiß im Galopp auf das Kitzretterteam zu und biegt kurz vor den Helfern in den Wald ab. Alle schmunzeln, denn sie wissen, dass sie dafür gesorgt haben, dass ihr Nachwuchs sicher ist.

Weiter unterwegs

Insgesamt konnte das Team an den ersten beiden Wochenenden zwölf Kitze aus dem Wiesen tragen und somit retten. Auch in den kommenden Wochen wird das Drohnenteam der Kreisjägervereinigung unterwegs sein, um Wiesenflächen abzufliegen und Kitze zu finden.