Hechingen Rentner vergeht sich an Enkelin

Hechingen / HANNES MOHR 08.08.2012
Der Senior hat sich zwischen 2006 und 2010 mindestens zehn Mal an seiner Enkelin vergangen. Gestern erhielt er eine Bewährungsstrafe.

Erst fünf Jahre alt war die Enkelin, als sich der Großvater das erste Mal an ihr vergriff. Der 73-jährige Rentner räumte vor dem Hechinger Landgericht die ihm in der Anklage vorgeworfenen Taten voll ein. Er sei sich bewusst, einen großen Fehler gemacht zu haben, sagte er. Zunächst war die Rede von 33 Fällen des sexuellen beziehungsweise des schweren sexuellen Missbrauchs. Zweifelsfrei waren diese nicht nachzuweisen, worauf sich Gericht, Kläger, Nebenkläger sowie Verteidiger auf zehn Taten einigten - eine davon als schwerwiegender Fall. Das Motiv suchte das Gericht in den Tiefen der Psychologie und Neurologie. Der Mann hatte vor rund 50 Jahren einen s Motorradunfall, bei dem er sich ein schweres Hirntrauma zuzog. Seitdem ist er auf einem Auge blind, riecht nichts mehr und ist kognitiv gestört. Bereits mit 48 Jahren musste er wegen Erwerbsunfähigkeit in Rente gehen. Zudem bescheinigte der psychiatrische Gutachter dem Rentner eine "Störung in der Impulskontrolle" - auch in der sexuellen. Das seien laut des Fachmanns typische Symptome eines durch den Unfall hervorgerufenen "Frontalhirnsyndroms".

Deshalb - und wegen weiterer Krankheitsbilder wie epileptischen Anfällen, Depressionen mit Suizidversuchen und Bluthochdruck - hielten Staatsanwalt und Gericht den Mann als nicht haftgeeignet. Das Gericht sah deutlich eine verminderte Schuldfähigkeit durch die Impulsstörung. Weil der Angeklagte zudem nicht vorbestraft und voll geständig war, kam er mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie einer Geldbuße von 1000 Euro davon. Bewährungszeit: vier Jahre. Zudem befand das Gericht, dass der Mann bereits durch das Leben genug gestraft sei. Seit dem Missbrauch hat sich der Großteil seiner Familie von ihm abgewendet.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte übrigens eine andere Enkelin. Die 22-jährige Polizeianwärterin brach das Schweigen in der Familie und erntete dafür das Lob von Richter Herbert Anderer - und den Dank des Angeklagten. "Mein Großvater hat mir gesagt, dass er mir dafür dankbar und stolz auf mich ist", sagte die Enkelin als Zeugin.

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