Hechingen Reines Gold in der Mülltonne

Hechingen / Matthias Badura 18.08.2018
Sogenannter Elektroschrott gehört aus vielen Gründen in die Sammelstelle. Dafür wirbt der Zollernalbkreis jetzt verstärkt.

Täglich werfen deutsche Bürger,  auch im Zollern­albkreis, gedankenlos Gold in die Abfalltonne. Nämlich dann, wenn sie sich auf diese Weise ihrer alten Elektro- oder Elektronikgerät entledigen. Jedes dieser Geräte enthält teils Spuren von echtem Gold, teils sind die darin verarbeiteten Metalle „Gold wert“. So etwa Kupfer oder das seltene Koltan, zwei Metalle, ohne die kein Handy oder Auto funktionieren würde.

Schon deshalb ist es ebenso Frevel, die Geräte einfach wegzuwerfen wie auch sie ungenutzt herumliegen zu lassen, nach dem Motto: Vielleicht kann man’s ja irgendwann mal noch brauchen. Es ist aber auch Frevel, weil die Bodenschätze dieser Welt nur begrenzt vorhanden sind.

Mit seiner Kampagne „Gib’s ab“ will das Abfallwirtschaftsamt des Landratsamtes die Menschen im Zollernalbkreis dafür sensibilisieren, ihren sogenannten „Elektroschrott“ an den Sammelstellen abzugeben und sie so der Wiederverwertung zuzuführen. Prospekte und Flyer wurden in jüngerer Zeit in die Haushalte verteilt. Am Donnerstag fand auf der Kreismülldeponie im Hechinger „Sauloch“ zudem eine Infoveranstaltung statt – mit präsentiert von der HZ, die mit voller Überzeugung hinter der Kampagne steht. Mit dabei waren neben Landrat Günther Martin-Pauli und Friedrich Scholte-Reh, Leiter des Kreisabfallamtes, über 100 Interessierte, darunter viele Leser der HZ. Sie alle hatten alte Elektrogeräte mitgebracht, die sie bei der Gelegenheit gleich ablieferten.

Filme auf einer Leinwand und Geschichten der Balinger Märchenerzählerin Sigrid Maute führten an das Thema heran. Während man bei den psychologisch feingesponnenen Erzählungen der Märchenfrau noch schmunzeln konnte, ging Manfred Fahrner das Thema in seinem Vortrag frontal an.

Fahrner ist Werksleiter der ALBA Electronics Recycling GmbH. Der Betrieb baut in Eppingen bei Heidelberg auch die im Zollernalbkreis eingesammelten Altgeräte auseinander, trennt noch Brauchbares von Unbrauchbarem.

Um eine Tonne Stahl herzustellen, sagte Fahrner, benötige man 200 Tonnen Erz. Die müssten auf herkömmliche Art erst mühsam abgebaut und verhüttete werden. Bergbau verlaufe in Entwicklungsländern oft unter unmenschlichen Bedingungen, unter Missachtung aller Umweltstandards und unter Hinnahme einer enormen Produktion von Treibhausgasen. Man könne diese Tonne Stahl, so Fahrner weiter, aber auch aus drei Tonnen ausgedienter Waschmaschinen gewinnen. Ebenso wie sich aus 1000 Tonnen alter Computer ein Kilo Gold herausholen lasse. (“Das ist kein Problem. So was machen wir in drei Tagen.“) Im üblichen Abbau müssten dagegen 240 000 Tonnen Material abgegraben werden.

Hochspezialisierte Arbeit

In den Wiederverwertungsfirmen, versuchte Fahrner eine landläufige Redeweise zu entkräften, werde ganz gewiss nicht „alles zusammengeschmissen und verbrannt“. Es handle sich vielmehr um hochspezialisierte Arbeitsgänge. 93 Prozent eines Haushaltsgerätes könnten wieder verwertet werden, nur sieben Prozent blieben als echter Abfall übrig. In Schwellenländern, das berichtete Fahrner aus eigener Anschauung, würden Elektrogeräte tatsächlich verbrannt. Zwar ebenfalls mit dem Ziel, an die Wertstoffe heran zu kommen, die Menschen – vielfach Kinder –, die auf diesen gewerbsmäßig betriebenen Deponien arbeiten, seien jedoch extremen Giftstoffen ausgesetzt. „Die haben kein Rentenproblem, die werden meist nicht alt“, meinte er bitter.

Es gebe noch weitere moralische Gründe, mit Rohstoffen nachhaltig umzugehen oder sie nach europäischem Standard zu recyceln: Koltan, Kupfer oder weitere seltene Erden werden überwiegend in Dritt- und Entwicklungsländern gefördert. Sie unterliegen zumeist der Kontrolle von Diktatoren, korrupten Regimes und Konsortien, die vielfach nicht nur ihre Arbeiter gnadenlos ausbeuten, sondern auch Raubkriege um die Fördergebiete führen. In diesem Sinne, redete Fahrner seinen Zuhörern ins Gewissen, seien die Industriestaaten „wir alle“ durch ihren gedankenlosen Umgang mit Rohstoffen mit verantwortlich an diesen Kriegen.

„Was kann man tun?“, fragte Fahrner und gab den Rat: „Wenn Sie Elektrogeräte kaufen, dann kaufen Sie etwas Gescheites, etwas, was möglichst lange hält. Dann haben auch wir Wiederverwerter mehr davon als von Billigprodukten.“ Der zweite Tipp lautete: „Geben Sie ihre Altgeräte zur Sammelstelle, die kennen sich damit aus.“

Brandsätze im Haus

Man solle das jeweils „möglichst bald“ tun. Ausgebrauchte Elektrobatterien und Akkus neigen laut dem Experten dazu, sich nach einer gewissen Zeit selbst zu entzünden – eine der Hauptursachen, warum es in Recyclinganlagen öfters brenne.

Am Schluss folgten noch Einzelfragen, und man sah doch das eine oder andere nachdenkliche Gesicht. Wer sonst noch Fragen zur Kampagne hat, erhält im Internet Infos unter www.gibs-ab-im-zak.de.

Gewinnen Sie eine Fahrt ins Recyclingwerk

Zehn mal zwei Tickets Die Hohenzollerische Zeitung unterstützt als Medienpartner die Elektroschott-Aktion des Abfallwirtschaftsamtes. Gemeinsam mit der Landkreisbehörde verlosen wir zehn mal zwei Tickets für eine Busfahrt, die am Mittwoch, 17. Oktober, zur Recyclingfirma Alba in Eppingen bei Heilbronn führt. Dort besteht die Möglichkeit, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie der angelieferte Elektroschrott sortiert und gegebenenfalls der Wiederverwertung zugeführt wird. (Die genaue Abfahrtszeit wird noch festgelegt.)

Wer mitfahren will: Schicken Sie uns einfach eine E-Mail (hoz.
redaktion@swp.de) oder gerne auch Postkarte (Hohenzollerische Zeitung, Obertorplatz 19, 72379 Hechingen) mit dem Stichwort „E-Schrott“ versehen. Adresse nicht vergessen. Einsendeschluss ist Freitag, 24. August, 18 Uhr. Wir werden die Gewinner in unserer Ausgabe am Samstag, 25. August, veröffentlichen.

Tickets für die Busfahrt  gibt es nur über das Gewinnspiel. Eine reguläre Anmeldung ist nicht möglich.

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