Großbrand Rangendinger Brandopfer von Solidarität überwältigt

Das Holzhaus in der Beethovenstraße in Rangendingen, das in der Silvesternacht in Flammenstand, hielt die Rangendinger Feuerwehr sowie Einsatzkräfte aus Hechingen viele Stunden auf Trab.
Das Holzhaus in der Beethovenstraße in Rangendingen, das in der Silvesternacht in Flammenstand, hielt die Rangendinger Feuerwehr sowie Einsatzkräfte aus Hechingen viele Stunden auf Trab. © Foto: Klaus Stifel
Rangendingen / Andrea Spatzal 02.01.2018

Diesen Jahreswechsel wird die fünfköpfige Rangendinger Familie nicht vergessen. Die jungen Eltern und ihre drei Kinder mussten in der Silvesternacht dabei zusehen, wie ihr Zuhause ein Raub der Flammen wurde. Gottseidank gab es bei dem verheerenden Brand keine Verletzten zu beklagen.

Die Familie war zum Feiern bei Freunden, als zirka zwei Stunden vor Mitternacht eine Silvesterrakete gegen die holzverschalte Außenwand ihres Eigenheims knallte und das Haus in Brand setzte. Am Neujahrsmorgen stand die kleine Familie und die nächsten Verwandten vor den Trümmern der Brandnacht, lag sich weinend in den Armen.

Am Dienstag war der erste Schock überwunden. „Es geht uns den Umständen entsprechen gut“, sagte der Familienvater mit gefasster Stimme. „Es wurde niemand verletzt, das ist die Hauptsache.“ Wie es dazu kommen konnte, dass eine einzige verirrte Feuerwerksrakete das Haus in Brand setzen konnte, kann sich der Hausbesitzer nicht erklären. Dabei ist der 35-Jährige als Schornsteinfegermeister und Brandschutzbeauftragter ein Experte auf diesem Gebiet.

Fakt ist, dass das Einfamilienhaus vom Schwiegervater in den 80er-Jahren in Holzständerbauweise errichtet wurde. Das Gebäude kann als „Öko-Haus“ bezeichnet werden, das sich durch einen hohen Anteil an Holz und anderen natürlichen Baumaterialien auszeichnet. Das Feuer fand also reichlich Nahrung.

Durch den Brand ist das Haus in der Beethovenstraße bis auf weiteres unbewohnbar. Die Familie hat  bereits ein Übergangsquartier gefunden. Das Ehepaar und seine drei Kinder im Alter von fünf, sieben und elf Jahren können die nächsten  Wochen in einer leer stehenden Doppelhaushälfte von Freunden in der Nähe von Rottenburg wohnen. „Dann sehen wir weiter“, sagt der Familienvater zuversichtlich.

Der Brand hat in Rangendingen eine große Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Die Gemeinde und die Feuerwehr haben eine Spendenaktion gestartet (siehe Kasten). Aber auch von privat kommen Hilfsangebote und Sachspenden. „Wir sind überwältigt von dieser enormen Solidarität“, sagt der 35-Jährige.

Dass die Silvesterrakete den Brand ausgelöst hat, steht für die Polizei außer Frage. „Die Brandursache ist klar, entsprechende Zeugenaussagen liegen uns vor“, stellt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen fest.

Es war am Sonntag um 22.33 Uhr, in den meisten Wohnstuben und Gasthäusern stimmte man sich gerade auf den Jahreswechsel ein, als der Alarm bei der Feuerwehr Rangendingen einging. Wie Feuerwehrkommandant Christian Herrmann berichtet, handelte es sich um eine F4-Alarmierung, was bedeutet, dass auch Personenrettung erforderlich ist. Sagenhafte vier Minuten nach der Alarmierung war die komplette Feuerwehr Rangendingen am Einsatzort. Das Haus habe da bereits in Flammen gestanden. „Vollbrand“, sagt Hermann.

Vor Ort hätten die Einsatzkräfte erfahren, dass zwar keine Personen im Gebäude sind, wohl aber die Haustiere der sehr tierlieben Eigentümerfamilie, drei Hunde und eine Katze. Die Tierrettung gestaltete sich für die Atemschutzträger, die sich ins Gebäudeinnere vorgekämpft hatten, schwierig. Ein Hund konnte noch relativ problemlos aus dem Haus geschafft werden, der zweite rettete sich aus eigener Kraft ins Freie. Aber der dritte größere und ausgewachsene Vierbeiner begann, sein Revier zu verteidigen, wollte die Feuerwehrmänner nicht an sich ranlassen. Erst als das Herrchen, mit einer Fluchthaube vor Rauch und Feuer geschützt, seinem Hund über eine Fensteröffnung zurufen konnte, gelang die Rettungsaktion. Auch nach der Katze musste in den völlig verrauchten Räumen zunächst gesucht werden. Sie wurde schließlich kauernd und verängstigt hinter einer Tür aufgefunden und in Sicherheit gebracht.

Eine „große Herausforderung“, sagt Rangendingens Feuerwehrkommandant Christian Herrmann, seien die Löscharbeiten an dem Holzhaus gewesen. Nach der  Errichtung der Riegelstellungen zum Schutz der Nachbargebäude und gezielten Löschangriffen habe man das Feuer nach etwa einer Stunde „im Griff“ geglaubt. Was sich um etwa 23.30 Uhr aber noch nicht abgezeichnet habe, seien die umfangreichen Nachlöscharbeiten gewesen, die noch folgen sollten. Immer wieder seien innen und außen, aber vor allem im Hausdach mit seinen vielen verschiedenen Holz- und Dämmschichten zum Teil aus Lehm und Stroh, neue Glutnester aufgeflammt. Mehrmals musste die Drehleiter der Feuerwehr Hechingen Stadt neu in Position gebracht werden. Am Ende musste die Feuerwehr das Dach mit Hilfe des Kranwagens aus Hechingen förmlich aufbrechen.

Das Feuer in der Silvesternacht hatte viele Rangendinger aufgeschreckt. Die Rauchwolke war in weitem Umkreis sichtbar. Zahlreiche Bewohner sowie auch Bürgermeister Johann Widmaier und Pfarrer Frank Steiner verfolgten am Straßenrand die Löscharbeiten. Das DRK und die Polizei sorgten im Umfeld der Brandstelle für Sicherheit. Christian Herrmann, der bei dem schwierigen Einsatz das Kommando hatte, zeigte sich beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Nachbarn. „Uns wurden Türen und Häuser geöffnet“, berichtet er. Auch hätten die Einsatzkräfte im  Feuerwehrhaus Hilfe, Verpflegung und Unterstützung erhalten. Von 22.30 Uhr am Silvesterabend bis 10 Uhr am Neujahrsmorgen waren die Wehrmänner von kurzen Ruhepausen abgesehen im Dauereinsatz, wurden von Nachlöscharbeiten und Brandwache auf Trab gehalten. Auch am Dienstag stand die unberechenbare Brandruine noch unter Aufsicht. Weil der Einsatz die komplette Rangendinger Wehr sowie Feuerwehrleute aus Hechingen – insgesamt waren es zirka 60 – in Anspruch nahm, stand die Abteilung Stein in Rangendingen und die Abteilung Boll im Gerätehaus in Hechingen für den Notfall bereit. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Joachim Rebholz war ebenfalls kurz vor Ort.

„Es war alles sehr gut koordiniert“, ist Christian Herrmann überzeugt. Der Brand in der Silvesternacht habe aber auch wieder gezeigt, wie wichtig das Feuerwehrwesen ist. „Nach so einer Nacht bekommen wir auf Facebook natürlich viele Likes“, sagt Hermann, „aber was uns wirklich freuen würde, wären interessierte Männer, Frauen und Kinder, die bereit sind, aktiv bei der Feuerwehr mitzumachen“,

Spendenaufruf für Brandopfer

Die Gemeinde, die Feuerwehr sowie die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Rangendingen möchte die Brandopfer beim Neustart nach dem Feuer unterstützen und der jungen Familie bei einer schnellstmöglichen Rückkehr in die Normalität helfen. Über die evangelische Kirchengemeinde sind unter dem Betreff „Spende Brandopfer“ zwei Spendenkonten eingerichtet: Sparkasse Zollernalb IBAN: DE04 6535 1260 0079 0088 06 oder Voba Hohenzollern-Balingen IBAN: DE56 6416 3225 0389 6830 00.

Auch Wohnungsangebote für die Familie können der Gemeindeverwaltung unter der Telefonnummer 07471/ 997910 oder E-Mail: v.dieringer@rangendingen.de gemeldet werden.

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