Auszeichnung Rangendinger „Rössle“ ist vorbildliches Dorfgasthaus

Rangendingen / Andrea Spatzal 09.11.2016

Jetzt ist es amtlich. Das Rangendinger „Rössle“ ist ein Gasthaus, wie es sein soll: urgemütlich, typisch schwäbisch, offen und gastfreundlich, fest im Dorfleben verankert. Vorbildlich eben. Das Prädikat „Vorbildliches Dorfgasthaus“ hat das „Rössle“ soeben erhalten. Das Schreiben des Regierungspräsidiums Tübingen ist taufrisch. „Die Auszeichnung hat mich überrascht“, gibt die junge Wirtin Erika Heck offen zu. Sie habe sich aber vor allem „saumäßig gefreut“, dass ihre Bewerbung die Jury auf Anhieb überzeugen konnte.

Eine Jury aus Mitgliedern des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen, Kulturwissenschaftlern, Experten des Ländlichen Raums und Gastronomiefachleuten hat über die Bewerbungen entschieden. Jetzt gab der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatpflege, Karlheinz Geppert, die Gewinner bekannt. Neben dem Rangendinger „Rössle“ wurden das Gasthaus „Neuhaus“ in Uttenweiler-Oberwachingen und das Gasthaus „Hirsch“ in Tübingen-Kilchberg als vorbildliche Dorfgasthäuser ausgezeichnet. Einen Sonderpreis für ein besonders nachhaltiges Konzept erhalten das Gasthaus „Adler“ in Vogt und das Gasthaus „Adler“ in Ratshausen, einen Sonderpreis für ein besonders innovatives Konzept erhält die Traufganghütte Brunnental in Albstadt-Laufen.

Über das „Rössle“ urteilte die Jury: „Ein urgemütlicher Gasthof am Rande des Zollernalbkreises, der sich seine typisch schwäbische Tradition trotz eines modernen Umbaus bewahrt hat.“ Besonders beeindruckt hat die Jury offenbar auch der Rössle-Stammtisch, „an dem sich Ein­­heim­ische zum Dämmerschoppen treffen“. Das Gasthaus „Rössle“, so heißt es in der Laudatio weiter, sei „durch die aktive Unterstützung des örtlichen Vereinslebens auch ein kultureller Treff“. Ob Ausstellungen von Kunstwerken regionaler Künstler oder die beliebten Strickabende der Landfrauen: „Mit seinen Rahmenveranstaltungen trägt das Gasthaus zum Austausch innerhalb der Dorfgemeinschaft bei“, stellen die Juroren fest. Lobend hervorgehoben wird außerdem das spezielle Seniorenangebot des „Rössle“: „Das Tagesmenü wird zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis über das Seniorennetzwerk Rangendingen nach Hause ausgeliefert.“

Das „Rössle“ befindet sich seit fünf Generationen im Besitz der Familie Heck. Erika Heck ist sich der Bedeutung des Gasthauses für die Dorfgemeinschaft wohl bewusst: „Das Rössle erfüllt sozusagen eine soziale Funktion in Rangendingen und darüber hinaus.“ Die Auszeichnung sei „eine Bestätigung und Anerkennung ersten Ranges unserer Arbeit über all die vielen Jahre“, freut sich die Rössle-Wirtin, unter deren Regie erst vor kurzem der Eingangsbereich des ortsbildprägenden Gebäudes in Herzen Rangendingens neu und barrierefrei ausgebaut wurde.

Die prämierten Dorfgasthäuser erhalten im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung eine Plakette und eine Urkunde. Schirmherr des aktuell zweiten Wettbewerbs ist Regierungspräsident Klaus Tappeser.

Immer mehr Dörfer sind ohne Gasthaus

Die Zahl der Dorfgasthäuser ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich zunehmend ein Bewusstsein für den Stellenwert entwickelt, den Dorfgasthäuser für die Identität von Gemeinden im ländlichen Raum und deren Bewohner besitzen. Um ihr Überleben zu sichern, sollen Dorfgasthäuser durch innovative Konzepte ihre Attraktivität als Begegnungsstätte erhalten und steigern. Zur Förderung dieser Entwicklung stiftete der 1985 gegründete Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen 2014 einen Preis für vorbildliche Dorfgasthäuser.

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