RANDNOTIZ: Schwäbisch machts

JUDITH MIDINET 11.08.2012

Wer hätte das gedacht: Noch vor ein paar Jahren munkelte man, dass der schwäbische Dialekt vom Aussterben bedroht ist. Die Kinderlein sprachen wie gedruckt und so richtig "schwätza" konnten nur noch die Älteren. Und außerhalb der Ländlesgrenzen belegte Schwäbisch den vorletzten Platz im Dialekt-Ranking. Nur der sächsische Singsang war noch unbeliebter. Doch das scheint sich jetzt zu ändern: Mit "Die Kirche bleibt im Dorf" läuft der erste bundesweite Kinofilm in schwäbischer Mundart an und auch Hannes Stöhr dreht ab Oktober seinen Film in Hechingen, "wo gschwätzt wird". Die Bayern haben es längst vorgemacht, dass Filme mit einer Prise Heimatverbundenheit funktionieren - und zwar überall in Deutschland. Dieser neue Trend kommt wohl daher, dass sich deutsche Filme in ihrer Kreativität deutlich von den amerikanischen Blockbustern unterscheiden müssen, wenn sie Erfolg haben wollen. Dass sie gerade den Dialekt wählen, ist kein Zufall. Das kommt an in einer Gesellschaft, die immer entwurzelter ist. Laut der Münchener Ethnologin Simone Egger werden "Werte wie Heimat und Tradition gerade dann wichtiger, wenn die Flexibilität weltweit anwächst". Die Kinobesucher freuen sich: Bitte mehr deutsche Filme, gerne auch in Mundart!

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