Hat da jemand geglaubt, der neue Obertorplatz sei das wichtigste Thema der Hechinger Kommunalpolitik? Seit Mittwochabend weiß man es besser: Die Obertorplatz-Kommission, die den nächste Woche zu fassenden Baubeschluss des Gemeinderates vorbereiten sollte, musste eine geschlagene Stunde warten, bis sie an der Reihe war. Denn der Bauausschuss brauchte doppelt so lange wie geplant, um sich über „Kiss & go“-Zonen bei der Grundschule und Fahrradstellplätze beim Schwimmbad zu fetzen. Die Räte aller Fraktionen waren unverkennbar im Wahlkampfmodus und lieferten sich Kampfabstimmungen in Serie. Die Erste Beigeordnete Dorothee Müllges als Sitzungsleiterin bemühte sich vergeblich um mehr Tempo – und kriegte am Ende noch einen Rüffel aus der Ratsmitte ab. „Höchst ärgerlich“ nannte Almut Petersen (Bunte Liste) die „viel zu enge Sitzungsplanung“. Anlass für Petersens Frust: Für den unter „Verschiedenes“ geplanten Zwischenbericht der Verwaltung über die Schlaglöcher – ein Top-Wahlkampfthema der Bunten Liste – war nach zwei Stunden keine Zeit mehr geblieben.

Denn allein 50 Minuten brauchte das Gremium, um sich über Details der Neugestaltung des Fahrradparkplatzes vor dem Schwimmbad einig zu werden. Für die CDU hielt Dr. Regina Heneka fest, die recht pauschal genannte Kostensumme von 240 000 Euro „kommt uns unglaublich hoch vor“. Für die Freien Wähler hielt Rolf Ege dagegen: „Wir haben fürs Schwimmbad fast zehn Millionen ausgegeben. Jetzt sollten wir nicht die letzten Kröten am Fahrradparkplatz sparen.“ Einig war man sich gleichwohl, dass es abschließbare Fahrradboxen wie am Bahnhof beim Schwimmbad gewiss nicht brauche. Gestrichen, 7000 Euro gespart! Dafür setzten Rolf Ege und Almut Petersen gemeinsam durch, dass nicht nur 34, sondern mehr als 50 Fahrradabstellplätze überdacht werden. Es mache für den Allerwertesten schon einen gewaltigen Unterschied, ob der Sattel auf der Heimfahrt nass oder trocken sei, hielten sie es mit Stadtbaumeisterin Helga Monauni. Jürgen Fischer (SPD) hatte dies in Abrede gestellt.

Die Sozialdemokraten setzten wiederum durch, dass die ganz nah am Eingang geplanten Stellplätze für Behindertenbusle noch einmal mit Experten angeschaut werden, um die Fahrer nicht „in die Sackgasse“ zu schicken. Und Almut Petersen bekam schließlich eine klare Mehrheit für ihren Vorstoß, „lange Bügel“ zum Anketten der Räder zu verbauen, so wie es sie schon in der Neustraße gibt, und einen Teil der knapp 200 Fahrradstellplätze für eine flexible Nutzung zu öffnen, damit auch Mopeds mehr Platz haben. Jürgen Schuler (CDU) machte sich schließlich erfolgreich dafür stark, dass zusätzliche Ladestationen für E-Bikes geprüft werden. Gebaut werden soll der dergestalt optimierte Parkplatz zwischen Oktober und Dezember.

Bereits zwischen Juni und November angelegt wird ein neuer Parkplatz für Autos an der Schloss­ackerstraße oberhalb der Grundschulwiese. 20 Stellplätze sollen dazu beitragen, das Verkehrschaos zu den Zeiten von Schulanfang und -ende ein wenig zu entschärfen. Die uferlose Debatte rankte sich hier um die Fragen, wie viele Stellplätze es braucht, ob vor allem „Kiss & go“-Plätze für Mama-Taxis oder doch eher Dauerparkplätze für Lehrer benötigt werden und ob diese längs oder senkrecht zur Straße angelegt werden. Nach einer Reihe von Abstimmungen blieb es beim Vorschlag der Verwaltung: 20 Stellplätze, senkrecht zur Straße angelegt, mit noch näher zu definierender Nutzungsdauer. Die einzige wirksame Änderung setzte Almut Petersen durch: Zur Sicherheit der Kinder wird der Gehweg um den neuen Parkplatz herumgeführt.