Hechingen Racheprozess: Kopf-ab-Geste jagt Angst ein

Das Landgericht verhandelt den Prozess um die Rachepläne.
Das Landgericht verhandelt den Prozess um die Rachepläne. © Foto: Archiv
Hechingen / SWP 14.02.2018
In der Verhandlung um die Rachepläne während des Mordprozesses hat einer der Verurteilten des Italiener-Trios ausgesagt.

Dir schneide ich den Kopf ab“, so beschrieb der 38-jährige Italiener – Deckname „Catania“ – die Geste, mit der ihn zwei Zuschauer am ersten Verhandlungstag des Mordprozesses bedroht haben sollen. Während der Italiener inzwischen verurteilt ist, muss sich einer der beschuldigten Zuschauer zwischenzeitlich selbst als Angeklagter vor Gericht verantworten. Vorgeworfen werden ihm und einem 20-jährigen Familienangehörigen des ermordeten Umut K., Rachepläne an den Italienern geschmiedet zu haben.

Der 38-jährige Italiener beschrieb, wie ihn die zwei jungen Männer, die in der zweiten Besucherreihe saßen, angeschaut und die Kopf-ab-Geste angezeigt hätten. „Klar hatte ich Angst“, sagte er am Mittwoch vor Gericht, „ich bin ja im Gefängnis, aber ich habe ja meine Familie hier.“ Dass die Bedrohungslage schon zuvor eskaliert sei, beschrieb ein Justizbeamter als Zeuge vor Gericht. Er hatte einen der italienischen Angeklagten von der Justizvollzugsanstalt Stuttgart nach Hechingen gefahren. Vor dem Gerichtsgebäude habe schon eine große Menge von Angehörigen gestanden. Als er das Auto geparkt habe, hätten zwei Menschen gegen die Scheibe geklopft, einer habe geschrien: „Du bist tot!“ Auch an die Kopf-ab-Geste erinnerte sich der Beamte, konnte sie allerdings nicht mehr zu 100 Prozent einer Person zuordnen. Die Atmosphäre während des Mordprozesses beschrieb er als emotional sehr aufgeladen. Nur einmal in seiner Berufslaufbahn habe er Ähnliches erlebt, und zwar während eines Mordprozesses vor dem Landgericht Stuttgart, in dem es um eine tödliche Auseinandersetzung in Esslingen ging zwischen den rivalisierenden Banden Black Jackets – eine multi-ethnische Gruppe – und Red Legion – mit Mitgliedern meist kurdischer Herkunft und seit 2013 verboten. Für eben diesen Vorfall interessierten sich auch Richter Hannes Breucker und Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Beiter, denn der Name des Esslinger Mordopfers fiel in den Telefongesprächen zwischen den zwei Angeklagten: Bei dem Fall damals habe „man auch nichts getan“. Der 23-jährige Angeklagte reagierte emotional auf die Ausführungen des Staatsanwalts, musste von seiner Anwältin Julia Mende zur Zurückhaltung gemahnt werden. In welchem Verhältnis er zu dem Mord­opfer damals stand, wurde in der Verhandlung am Mittwoch nicht klar. Thomas Mende, Verteidiger des zweiten 20-jährigen Angeklagten, vertrat jedenfalls in dem Esslinger Fall die Nebenklage.

Weiter geht’s am Mittwoch, 21. Februar, um 9 Uhr. Die Angeklagten haben angekündigt eine Erklärung abzugeben. Plädoyers und Urteil könnten schon folgen.

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