Es gibt so manches, was in der Hechinger Oberstadt verbessert werden könnte und seit langer Zeit in einen Dornröschenschlaf gefallen ist, von fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten bis hin zum Mittagstisch für Singles im Quartier (die HZ berichtete). Und so ähnlich wie bei der Auftaktveranstaltung des vom Land geförderten Hechinger Stadtentwicklungsprojekts „Wir in der Oberstadt Hechingen – Lebens- und Freiräume entwickeln“ im Mai 2019 zeigte sich die Brisanz solcher Themen auch beim jüngsten Bürgerstammtisch des Caritasverbands für das Dekanat Zollern.

Dieser Bürgerstammtisch fand am Mittwochabend im gemütlichen Café Klein statt. Die Caritas-Quartiersmanagerin Claudia Stelzig hatte zum dritten Mal dazu eingeladen. Doch die Besuchermenge blieb überschaubar. Eine Hechinger Seniorin, graues Haar und runde Brillengläser, war aber froh, dass Claudia Stelzig und Erwin Schäfer, ebenfalls von der Caritas, zuhörten, berieten und Lösungen gaben.

Auch die Caritas bringt sich in die Stadtentwicklung ein

Der Caritasverband für das Dekanat Zollern ist derzeit in viele Projekte rund um die Stadtentwicklung eingebunden. Seit 2019 feilen die Akteure der Stadt Hechingen gemeinsam mit der Bevölkerung an Ideen, wie die Oberstadt lebens- und liebenswerter werden kann. Viele Projekte wurden bekanntlich auch schon angeleiert, um die Gemeinschaft zu stärken, vom Urbanen gemeinsamen Gärtnern bis hin zu einem Chancenportal für Hechingen im Internet (die HZ berichtete). Zumindest für ein Jahr wird das Hechinger Stadtentwicklungsprojekt durch das baden-württembergische Ministerium für Soziales und Integration mit Landesmitteln unterstützt, die durch das Sonderprogramm „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten“ ermöglicht wurden. Die Caritas hatte mit Claudia Stelzig zusätzlich eine Quartiersmanagerin eingestellt, die sich auch in die Stadtentwicklung einbringt.

Pläne für Mittagstisch und Einkaufsfahrdienst

Und das tut sie – mit Leidenschaft. Sie rät der Hechinger Anwohnerin genauso wie allen anderen, die sich an sie wenden, sie auch während ihrer Sprechstunden mittwochs, 10 bis 12 Uhr, im Glücksgriff, dem Second-Hand­-Laden in der Schloßstraße 21, sowie donnerstags, 16 von 18 Uhr, im Seniorenheim Graf Eitel-Friedrich, Kornbühlstraße 10, in Hechingen zu besuchen.

Und nun haben die Quartiersmanagerin Stelzig und das gesamte Caritas-Team offenbar zwei ganz wichtige Teilprojekte in trockenen Tüchern: die Wiederbelebung des Mittagstisches im katholischen Gemeindehaus St. Jakobus sowie einen Fahrdienst für einkaufsfreudige Hechinger aus der Ober- in die Unterstadt.

Nachfolger für Giuseppe Modica gefunden

Wie Erwin Schäfer, Caritas-Mitarbeiter der Demenzagentur und Koordinator der Hechinger Hospizgruppe, betont, hat sich ein ehemaliger Koch aus St. Luzen wieder für den Mittagstisch im Gemeindehaus gefunden. Das habe ihm sein Geschäftsführer Elmar Schubert mitgeteilt. Das ist für die Hechinger Oberstadt ein echter Gewinn, denn dort war immer ordentlich etwas los. Ungefähr vier Monate lang kochte Giuseppe Modica, aktives Kirchengemeindemitglied und gelernter Koch, für den ersten „Mittagstisch für jedermann“ der Seelsorgeeinheit St. Luzius (die HZ berichtete). Dabei wurden aus übriggebliebenen Nahrungsmitteln des Hechinger Tafelladens der Caritas exzellente Gerichte, teilweise Drei-Gänge-Menüs – auf Spendenbasis für die Gäste – gezaubert. Giuseppe Modica sei dabei sehr ehrgeizig gewesen und kreativ vorgegangen. Manchmal vereinte er durch seine Ideen, die in kürzester Zeit entstanden, offenbar unvereinbare Lebensmittel wie Wirsing, Rotkohl und Kartoffeln zu einem traumhaften Menü, erinnert sich Claudia Stelzig.

Vorgänger kocht sich nun durch die Welt

Giuseppe Modica hatte sein Handwerk im Gasthaus „Lamm“ in Stein erlernt. Als der damals 23-Jährige den Stadtpfarrer Michael Knaus nach der erfolgreich beendeten Lehre fragte, wie er sich vor seiner Welt- und Weiterbildungsreise noch für die Kirchengemeinde und Stadt Hechingen zu engagieren, fiel Knaus ein, er könne doch für die Menschen kochen. Das war die Keimzelle für den Mittagstisch. Seit geraumer Zeit kocht sich Modica nun durch die Welt, und der erfolgreiche Mittagstisch war mehr oder weniger im Dornröschenschlaf.

Fahrdienst für größere Einkäufe

Verwaist ist die Oberstadt ebenfalls, wenn es um Einkaufsmöglichkeiten in der Oberstadt geht. So müssen auch ältere Mitbürger oder Menschen mit Handicap für größere Einkäufe schauen, wie sie in die Unterstadt gelangen. Claudia Stelzig wurde schon von den Hechingern angerufen, die signalisiert haben, dass ein Einkaufsdienst etwas für sie wäre.

Auch das ist nun in trockenen Tüchern. Wie Claudia Stelzig mitteilte, wird die Caritas auch bald einen Fahrdienst am Donnerstagvormittag anbieten. An drei Stationen in der Oberstadt wird dann angehalten. Auch Leute, die einen Rollator haben, können diesen in den Kofferraum des Caritas-Mobils stellen. „Ich hoffe, dass das übernächste Woche starten kann“, sagt Stelzig. Interessierte, die dann zu den Supermärkten in die Unterstadt gefahren werden möchten, können sich bei Stelzig vorher anmelden, dann kann die Route geplant werden.

Hilfe beim Reparieren von Puppenmöbeln gesucht

Auch für die Hechingerin, die am Mittwochabend zum Bürgerstammtisch kam, haben Stelzig und Schäfer Hilfe im Gepäck. Sie, als Oma, wolle eine Art Hilferuf auf dem neuen Chancenportal, das im Rahmen der Quartiers-Strategie gestartet wurde, verfassen. Sie suche Hobbybastler oder handwerklich begabte Menschen, die alte Holzmöbel aus ihrer Puppenstube reparieren könnten. Die Caritas-Mitarbeiter regten an, am Mittwoch, wenn Markttag ist, zwei Stunden eine Art Bastelstube zu eröffnen. Stelzig möchte der Hechingerin außerdem helfen, einen Eintrag auf dem Chancenportal zu verfassen. Die Puppenkleider könnten außerdem von den Mitarbeitern in Glücksgriff repariert werden.

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Bürgerstammtische hat die Caritas organisiert. Interessierte können am vierten Stammtisch am Mittwoch, 5. Februar, um 19.30 Uhr, voraussichtlich im Café Klein, teilnehmen.