Hechingen Publikum schwelgt im „Weißen Rössl“

Hoch her ging es „Im weißen Rössl“ im Hechinger „Museum“, wo sich das Liebeskarussell schwungvoll drehte und die berühmten Ohrwürmer nicht fehlen durften.
Hoch her ging es „Im weißen Rössl“ im Hechinger „Museum“, wo sich das Liebeskarussell schwungvoll drehte und die berühmten Ohrwürmer nicht fehlen durften. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 07.05.2018
Die ganze Welt ist himmelblau, wenn sich „Rössl“ das Liebeskarussell dreht. In Hechingen kam das Singspiel auf die Bühne.

Vogelgezwitscher, die pittoreske Kulisse eines Gasthauses im Salzkammergut und ganz viel ohrwurmträchtige Musik: Das berühmte „Weiße Rössl“ präsentiert sich in der Fassung „bar jeder Vernunft“ als rasant-komödiantische Operetten-Show mit viel Charme und Witz. Aus einem vermeintlich angestaubten Volksstück wird hier ein höchst amüsantes musikalisches Lustspiel. Zu verdanken ist das nicht zuletzt einem großartigen Ensemble aus Schauspielern und Musikern, das mit temporeichem Spiel, Gesang und flotten Tanzeinlagen auf der Hechinger Museumsbühne die Herzen des Publikums eroberte.

Die Zuschauerzahl war bei der Aufführung am Freitagabend zwar überschaubar, die, die gekommen waren, ließen es sich aber nicht nehmen, zumindest zaghaft bei den berühmten Liedern mitzusingen und den Akteuren immer wieder Szenenapplaus zu spenden.

„Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür“, heißt es im wohl bekanntesten Stück des Singspiels, das unter anderem mit Musik von Benatzky, Stolz, Gilbert aufwarten kann. Doch bevor die Protagonisten die Pforte weit öffnen, um das Glück einzulassen, haben sie allerlei Irrungen und Wirrungen zu durchleben.

Im Mittelpunkt steht dabei Zahlkellner Leopold, der seine Chefin, die „Rössl“-Wirtin Josepha, liebt. „Es muss was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden“, singt Leopold voller Inbrunst. Zunächst allerdings vergebens, denn Josepha hat nur Augen für Rechtsanwalt Siedler, der für einige Tage im Gasthaus abgestiegen ist. Der wiederum interessiert sich für Ottilie, Tochter des Berliner Fabrikanten Giesecke, die aus firmenpolitischen Gründen eigentlich den schönen Sigismund heiraten soll. Aber auch Sigismunds Herz ist vergeben, und zwar an die lispelnde Professorentochter Klärchen. Genug Stoff also für Herzeleid und Liebesfreud.

Wer leidet nicht mit dem unglücklichen Leopold, wenn er in bestem Österreichisch „Zuschau‘n kann i net“ schmettert und sich dann entschließt, zu kündigen, denn „ein Kellner ist schließlich auch nur ein Mensch.“ Marillenknödl und Mehlspeis sollen im „Rössl“ künftig andere servieren, hat er doch von seiner Josepha höchstens eine kräftige Watsch’n, aber kein Busserl zu erwarten.

Dass die Inszenierung des vom Euro-Studio Landgraf präsentierten Stückes sich nicht ausschließlich an der ursprünglichen „Rössel“-Vorlage orientiert, sondern durchaus auch mit zeitgemäßen Einwürfen gewürzt ist, zeigt die Antwort Leopolds auf die Frage, wo er denn hinwolle: „America first“, denn „wegen Trump muss man doch nicht so weinen.“ Bei „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ lässt es sich aber heute wie damals exzellent im Dreivierteltakt schwelgen.

Äußerst charmant gibt sich der kahlköpfige Fabrikantensohn  Sigismund, der bei seiner Angebeteten mit dem Lied „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“, punktet. Auch einem kleinen Flirt mit dem Publikum ist der Hallodri nicht abgeneigt. Besonders angetan hat es ihm „die wunderschöne Elisabeth“ aus der ersten Reihe. Und wie findet die den Mann mit der Glatze? „Super, so einen habe ich auch zu Hause.“ Eine Bemerkung, die im ganzen Saal für Erheiterung sorgt.

Dass am Ende drei Liebespaare zueinander finden, ist keinem Geringeren zu verdanken als Kaiser Franz Joseph. Er steigt im „Rössl“ ab und rät der Wirtin: „Seien’s g’scheit, hören’s auf ihr Herzerl.“ In das hat sich Kellner Leopold längst eingeschlichen. So kommt es zum Happy End, jedes Töpfchen hat sein Deckelchen gefunden. Grund genug also, gemeinsam „Im Salzkammergut, da kamma gut lustig sein“, anzustimmen.