Engstlatt Prüfungsfrust als Triebfeder?

KLAUS IRION 08.11.2013
Eine ehemalige Schülerin der Plettenbergschule soll den Prüfungsskandal gemeldet haben. Jetzt laufen die amtlich verfügten Wiederholungsprüfungen.

Wie kamen angehende Physiotherapeuten der Engstlatter Plettenbergschule vorab an Prüfungsfragen? Und wer hat den Skandal beim Tübinger Regierungspräsidium gemeldet? Die erste Frage ist weiter offen, die zweite scheint beantwortet. Wie aus sicherer Quelle zu erfahren war, soll es sich beim Tippgeber um eine ehemalige Plettenbergschülerin handeln, die mittlerweile wohl an einer anderen Physiotherapieschule ihre Ausbildung beenden wolle. Als möglichen Grund nennt der Insider deren Verärgerung nach einer offensichtlich nicht bestandenen Prüfung.

Turbulente Wochen liegen hinter der Plettenbergschule, der privaten, staatlich anerkannten Physiotherapieschule in Engstlatt. Anfang Oktober war dem Regierungspräsidium Tübingen (RP) zugetragen worden, dass der diesjährige Abschlussjahrgang offensichtlich vorab detaillierte Informationen zu den jeweiligen Prüfungsfragen gehabt haben soll (die HZ berichtete). Was folgte, war die Annullierung der Prüfungen und deren Neuansetzung durch die Tübinger Behörde.

Und damit nicht genug. Es wurde wohl auch verfügt, dass die möglichen Aufgaben jetzt nicht mehr - wie bei früheren Prüfungen üblich - von der Schulleiterin selbst ausgesucht und als Auswahl-Paket zum Regierungspräsidium Tübingen geschickt wurden. Vielmehr habe die Aufsichtsbehörde die möglichen Prüfungsfragen erst am Morgen der jeweiligen Prüfung direkt vor Ort in der Plettenbergschule offengelegt. In dieser Woche liefen die erneuten mündlichen Prüfungen, die schriftlichen folgen. Bleibt nach wie vor die Frage, wie die Schüler an die konkreten Informationen herangekommen sind. Hierzu gibt es von Seiten des Regierungspräsidiums mit Verweis auf das laufende Verfahren weiterhin keine Aussage. Sehr wohl aber zu der Frage, ob sich Ähnliches bereits vor früheren Prüfungen ereignet haben könnte. "Wir haben das auf Basis des fairen Umgangs mit der Schule und den ehemaligen Schülern untersucht und keine besonderen Auffälligkeiten gefunden", sagt RP-Sprecher Dr. Oliver Knörr.

Soll heißen: Prüflinge früherer Plettenbergschul-Jahrgänge scheinen keine nachträglichen Unannehmlichkeiten oder gar Prüfungsaberkennungen befürchten zu müssen.

Dass bei den mündlichen Prüfungen diese Woche statt eines Tübinger Regierungspräsidiumsmitarbeiters nun deren zwei in der Plettenbergschule anwesend waren, ist laut Dr. Knörr völlig normal: "Das kommt immer wieder einmal vor."