Hechingen Prozess: Mitarbeiter geben Umweltsauerei zu

Er habe sich immer einen Kanal gesucht, von dem aus es nicht weit bis zur Kläranlage gewesen sei, so einer der Fahrer.
Er habe sich immer einen Kanal gesucht, von dem aus es nicht weit bis zur Kläranlage gewesen sei, so einer der Fahrer. © Foto: Thomas Kiehl
Hechingen / Stephanie Apelt 07.06.2018
Um Zeit und Geld zu sparen, soll sich eine Entsorgungsfirma Fäkalien, Fetten und Ölen illegal entledigt haben.

Statt, wie von den Kunden beauftragt, Fettabscheider­inhalte, Fäkalien oder Ölschlammgemische ordentlich zu entsorgen, soll eine in der Region beheimatete Firma die Flüssigkeiten einfach weggekippt haben, mal in die Kanalisation, mal ins Gelände. Fünf Angeklagte haben sich wegen „gemeinschaftlichen unerlaubten Umgangs mit Abfällen“ vor dem Amtsgericht Hechingen  zu verantworten.

Gegen drei von ihnen wurde das Verfahren am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch gegen Geldauflagen in Höhe von einmal 4000 Euro, einmal 1080 Euro, einmal 300 Euro eingestellt. Zwischen Staatsanwalt, Verteidigern und Richter war es zu einer Verständigung gekommen. Voraussetzung natürlich: Die Vorwürfe werden zugegeben.

Der vierte Angeklagte, der Mitarbeiter mit der meisten Erfahrung, legte ebenfalls ein Geständnis ab. Er wird, so die Verständigung, mit einer Strafe zwischen einem Jahr und sechs Monaten bis einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, zu rechnen haben. Hinzu kommt auch hier Geldstrafe.

Bleibt der Chef der Entsorgungsfirma. Während sich der Leitende Oberstaatsanwalt Jens Gruhl am ersten Verhandlungstag noch eine Freiheitsstrafe mit Bewährung hätte vorstellen können, wäre Richter Ernst Wührl, wie er am Mittwoch vorschlug, nur mit einer Strafe zwischen zwei Jahren und drei Monaten bis zwei Jahren und sechs Monaten zufrieden gewesen. Hinter Gitter aber will der Firmenchef nicht. „Dieses Strafmaß ist für uns völlig unvorstellbar.“

Also geht es für ihn nun weiter im Verfahren.

Die Mitarbeiter gaben am Mittwoch einen groben Einblick,  wie die Entsorgung der flüssigen Abfällen in zumindest doch einigen Fällen, bei denen sie mit dabei waren, so gelaufen sei.

Nein, eine Ausbildung zum Umwelttechniker oder ähnliches habe er nicht, gab der Mitarbeiter an, der am längsten für die Firma arbeitet. Er sei angelernter Arbeiter mit entsprechender Erfahrung. Zu seinem Chef habe er ein gutes Verhältnis. Und der habe ihn auch nicht jedes Mal ausdrücklich eine Anweisung gegeben, wie mit den flüssigen Abfällen zu verfahren sei, „das war einfach Vorgabe“.  Bei Termindruck oder wenn der Tankwagen nicht voll genug war, wurden die Fäkalien in die Kanalisation gepumpt. Die entsprechenden Entsorgungsbelege fehlten dann natürlich.

Klar, so der Mitarbeiter, heute bereue er das. Aber gerade bei den Fäkalien habe er gedacht, die seien, wenn sie über die Kanalisation in die nächste Kläranlage schwappen, doch gut aufgehoben. „Ich habe den Kanal danach immer gründlich nachgespült, damit es besser fließt und nicht so stinkt.“

Bei den Fettabscheidergemischen, die im Gelände abgelassen wurden, habe er da schon ein schlechteres Gewissen gehabt. Aber er habe „lieber getan, was verlangt wird, ohne groß darüber nachzudenken“. Er habe „bewusst die Augen geschlossen und getan, was von mir erwartet wurde“. Er wollte seinen Job nicht verlieren.

Nachdem die illegale Abfall­entsorgung durch Polizeikontrollen aufgeflogen sei, habe er viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Heute sei er froh, dass keine größeren Umweltschäden eingetreten sind.

Was wussten die jeweiligen Mitfahrer? Denen habe er gesagt: „Es galt: Es ist besser, nichts zu wissen, als dumme Fragen zu stellen.“

Einer, der als Fahrer dabei war, bestätigte: Er habe halt das gemacht, was der andere ihm gesagt habe.

Keine größeren Umweltschäden

Und auch ein weiterer Mitarbeiter gab an: „Wir sind halt irgendwo hingefahren und es wurde erklärt, was zu tun ist.“ Da habe er nicht groß nachgefragt. Das Arbeitsamt hatte ihn zu der Firma geschickt, für ihn sei alles komplett neu gewesen. „Ich war froh, dass ich einen Job hatte.“ Im Nachhinein sei dieser bedenkenlose Umgang mit dem Abfall „falsch“ gewesen.

Mal sehen, was der Chef der Entsorgungsfirma zu sagen hat. Der Prozess wird fortgesetzt.