Hechingen Prozess: 23-Jähriger schläft mit 13-Jähriger

Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht Hechingen.
Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht Hechingen. © Foto: Matthias Badura
Hechingen / Rosalinde Conzelmann 29.03.2018
Ein 23-Jähriger schläft mit einer 13-Jährigen. Das Gericht verurteilte ihn deshalb zu einer Bewährungsstrafe.

Gemeinsam kommen sie zur Gerichtsverhandlung nach Hechingen: Der heute 25-jährige Angeklagte, der sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten muss, und sein „Opfer“, ein heute 15-jähriges Mädchen.

Die Jugendliche wartet vor der Tür, bis die Verhandlung vorüber ist. Nach nur einer halben Stunde verlässt ihr Freund erleichtert den Saal. Das Amtsgericht unter dem Vorsitz von Richter Ernst Wührl verurteilt ihn zu einer Strafe von einem Jahr und drei Monaten, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Die Vorwürfe, die Staatsanwalt Karl-Heinz Beiter gegen den Angeklagten erhebt, wiegen schwer: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in drei Fällen. Laut Anklageschrift hatte dieser vom 15. Juli bis 15. September 2015 dreimal Geschlechtsverkehr mit der 13-Jährigen aus einer Kreisgemeinde. Das Mädchen wurde schwanger und ließ das Kind abtreiben. Das Jugendamt, das die Familie des Mädchens schon lange betreut, erstattete Anzeige.

Das sei alles so richtig, meint der schüchterne 25-Jährige bei der Befragung durch Richter Wührl, der ihm jede Einzelheit aus der Nase ziehen muss. Er erzählt, dass er das Mädchen seit drei Jahren kennt und zwei Jahre mit ihr liiert war. „Ja, es war was Festes“, sagt er. Die Familie habe Bescheid gewusst und keiner habe den Zeigefinger erhoben. Das erste Mal Sex sei halt so passiert. „In der Küche, als ich mit ihr eine Wohnung für mich angeschaut habe.“

Sie hätten nicht immer verhütet, räumt er ein. Er erzählt auch vom Ende der Beziehung, als seine Freundin schwanger wurde. „Es gab Streit mit ihrer Mutter wegen der Schwangerschaft.“ Die Mutter habe auf die Abtreibung bestanden. „Wir kommen beide bis heute nicht klar mit dieser Situation“, sagt er ganz leise. „Wir wollten keinen Abbruch.“

Auf Drängen ihrer Mutter habe sie den Kontakt zu ihm eine Weile abgebrochen. „Jetzt sind wir aber wieder zusammen“, erzählt er – ohne, dass dies die Mutter seiner Freundin wisse.

„Ich glaube Ihnen jedes Wort und zweifle Ihr Geständnis nicht an“, meint der Staatsanwalt und kündigt an, dass sein Antrag am unteren Rahmen sein wird. Beiter hält es aufgrund des Geständnisses auch nicht für notwendig, dass die junge Frau vernommen wird. Das Gericht ist damit einverstanden.

Der Angeklagte ist im Kreis Tübingen aufgewachsen und hat nach der Hauptschule eine dreijährige Ausbildung als Maler und Lackierer gemacht, ist aber durch die Prüfung gefallen und hat keinen Abschluss. „Derzeit bin ich arbeitssuchend und lebe von Hartz IV“, erzählt er. Seine Eltern hätten sich früh getrennt, zur Mutter habe er keinen Kontakt mehr: „Weil es nur Streit gibt.“

Der Staatsanwalt schiebt seinem Plädoyer eine Standpauke voraus: „Ihre Tat kann ich noch verstehen, aber dass Sie mit 25 Jahren ohne Job sind, kann nicht sein.“ Er fordert ihn auf, die Initiative zu ergreifen.

Was die Bestrafung betrifft, stellt Beiter klar, dass das Gesetz konsequent ist, wenn es um den Schutz von Kindern bei sexuellen Übergriffen geht: „Das Strafmaß sieht zwei Jahre pro Tat vor.“ Allerdings gebe es einen juristischen Ausweg. Da Täter und Opfer ein Liebespaar sind, könne von einem minderschweren Fall ausgegangen werden. Für den Angeklagten spreche zudem, dass er seiner Freundin eine Aussage vor Gericht erspart hat und dass sich das Verfahren ohne sein Verschulden lange hingezogen hat – „mit dieser Angst musste er zwei Jahre leben“.

Daher beantragt Beiter ein Jahr und drei Monate Haft, zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. „Damit ist die Tat angemessen bestraft“, betont der Ankläger. Er nimmt den jungen Mann nochmals ins Gebet – „ich mache jetzt eine Sozialberatung“ – und fordert ihn auf, eine Arbeit zu suchen. Deshalb wird ihm auch ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt: „Der kann Ihnen helfen bei der Arbeitssuche.“

Das Gericht entspricht diesem Antrag. Den Ausführungen des Staatsanwaltes sei nichts hinzufügen. „Was zu sagen ist, wurde gesagt“, stellt Wührl fest. Er teilt noch mit, dass aufgrund der Verfahrensverzögerung zwei Monate der Strafe als abgegolten gelten.

Dem Urteil stimmen alle Parteien noch im Gerichtssaal zu. Damit ist es rechtskräftig.