Die Zollernstadt kann kulturell bekanntlich aus dem ziemlich Vollen schöpfen. Sogar ein Bühnenensemble führt den Namen Hechingen in seinem Namen: Das Theatertrepple ist auch dieses Jahr wieder fleißig gewesen und bringt pünktlich zum Herbst ein neues Stück auf die Bühne. Mit „Die Neigung des Peter Rosegger“ bedienen sich die Laienspieler unter der bewährten Regie von Henriette Lüdenbach eines hoch aktuellen Themas: dem allgemeinen Rechtsruck. Der Stoff stammt aus Österreich, das den Deutschen in diesem Sinne deutlich vorausgegangen ist.

Nichts Laienhaftes mehr

Seit 1997 steht die Schauspieltruppe des Theatertrepple auf der Bühne und begeistert ihr Publikum mit Stücken, die sich einerseits anspruchsvollen und kritischen Themen widmen gleichzeitig aber auch Darstellern wie Zuschauern Spaß machen. Dreh- und Angelpunkt des Theatertrepple ist Henriette „Henny“ Lüdenbach, die sich kenntnisreich, mit leidenschaftlichem Tatendrang und organisatorischem Talent der Theaterarbeit widmet und  ihr Team immer wieder zu reifen schauspielerischen Leistungen animiert. Seit sie 2005 Organisation, Intendanz und Spielleitung übernommen hat, ist die Truppe alles andere als laienhaft, sondern treibt einen erheblichen, geradezu professionellen Aufwand, auch hinsichtlich der Kostüme, der Requisite und der Ausstattung.

Hechingen

Mit dem Stück „Die Neigung des Peter Rosegger“ bringen die Mimen am Samstag, 14. September, um 20 Uhr, in der Hechinger Stadthalle  eine Satire des österreichischen Autors Thomas Arzt (Jahrgang 1983) auf die Bühne. Wie kaum ein anderer österreichischer Dichter hat Peter Rosegger (1843-1918) in seinem Werk der bäuerlichen Lebenswelt – dem einfachen Leben auf dem Land – ein literarisches Denkmal gesetzt und damit ein spezifisches Bild von Heimat geschaffen. Heimat als Idylle, als heile Welt der Vertrautheit und Aufgehobensein, die es gegen allgegenwärtige  Bedrohungen von außen zu schützen galt.

Suche nach der Grenze

Doch wo genau liegt die Grenze zwischen legitimer Sehnsucht nach einem „Daheim“ und der Angst vor dessen Verlust einerseits und Nationalismus respektive rechter Gesinnung andererseits? Fasziniert von der Thematik des Stückes, der humorvollen Erörterung des widersprüchlichen Begriffs „Heimat“, und der Art und Weise wie Thomas Arzt den omnipräsenten, gesellschaftlichen Rechtsruck in ein steinernes Sinnbild, eine „eingefrorene“ Person übersetzt und genüsslich in seine Einzelteile zerlegt, entschied sich Henriette Lüdenbach für dieses Bühnenstück und erwarb die Aufführungsrechte dafür, indem sie sich direkt an den Autor wandte, der ihr Ansinnen wertschätzend befürwortete.

Zeitstimmung im Netz

Thomas Arzt sagt von seinen Stück: „Ich wollte eine Zeitstimmung einfangen, gewissermaßen Sprache vergrößern, die Lupe auf all das halten, was auf den Straßen gesprochen und politisch kommuniziert wird. Es ist die Geschichte einer ländlichen Gemeinschaft, die zerfällt, sich zur Gewalt wendet.“

Es ist keine leichte Aufgabe gewesen für die sieben Darsteller. Denn jeder sollte die Rolle bekommen, die ihm auf den Leib geschrieben und der Zahl des Ensembles angemessen ist. Für die Erarbeitung des Schauspiels galt die Prämisse „Probieren geht über Studieren“. Jede Szene kann durch unterschiedliche Interpretation und Variationen eine neue Bedeutung gewinnen, über deren Einsatz das Ensemble gemeinsam diskutierte und dabei ein Gespür für die Feinheiten des Stücks entwickelte, und bei dem sich die Akteure am besten in ihre Rolle hineinfühlen und sie mit Leben erfüllen konnten.

Für das Bühnenbild zeichnen Simone Saedler und Anna-Maria Rager verantwortlich. Kostüme und Requisiten liegen bereit. Der intensiven Probenarbeit widmete sich die Schauspieltruppe mit großem Eifer, enormer Konzentration und Ausdauer bei regelmäßigen Treffen und Workshops. Man darf gespannt sein auf die Premiere!

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Dem lieben Volk aufs Maul geschaut


Schonungslos Auf dem Marktplatz einer österreichischen Kleinstadt hängt plötzlich der Heimatsegen schief. Die Statue des steirischen Dichters Peter Rosegger neigt sich gefährlich nach rechts. Die Bürgermeisterin fürchtet um die Sicherheit der Bürger, die Hauptstadt schickt einen Professor, der  tektonische Verschiebungen europäischen Ausmaßes für die Schieflage verantwortlich macht. Wiesinger, Inhaber eines traditionsreichen Familienunternehmens und großzügiger Förderer der Gemeinde, will vor allem Aufregung vermeiden, schließlich steht der Besuch einer Unesco-Delegation an, die den Stadtkern zum Kulturerbe ernennen soll.

Sehr aktuell „Die Neigung des Peter Rosegger“ ist eine Politsatire, die den allgegenwärtigen Rechtsruck in ein steinernes Sinnbild übersetzt und genüsslich in seine Einzelteile zerlegt. Rosegger (1843-1918) dient dabei als Lieferant eines widersprüchlichen Heimatbegriffs, wie er ihn in seinem literarischen Werk postuliert hat: ländliche Idylle und bescheidene Naturverbundenheit, aber auch Abschottung und Schutz gegen vermeintliche Bedrohungen von außen.

Made in Austria Der junge österreichische Autor Thomas Arzt geht mit heiklen Themen schonungslos, aber unverkrampft um und schaut dem Volk sprachgewitzt aufs Maul.

Die Preise Für eine Eintrittskarte ins „Museum“ bei der Premiere am Samstag, 14. September, um 20 Uhr zahlt man zwölf Euro. Ermäßigt ist man mit zehn Euro dabei. hz