Eigentlich sah der Plan des baden-württembergischen Kultusministeriums vor, dass für alle Klassen ab diesem Montag, 19. April, der Unterricht in Präsenz wieder stattfinden soll. Verknüpft damit soll die vom Land vorgegebene Teststrategie für eine möglichst hohe Sicherheit an den Schulen sorgen. Zusätzlich gilt bei der Sieben-Tage-Inzidenz der Grenzwert von 200. Wird dieser im betreffenden Landkreis an drei Tagen hintereinander überschritten, wird der Präsenzunterricht wieder unterbrochen. Im Zollernalbkreis liegt die Inzidenz derzeit bei zirka 160.
Das Gymnasium und die Eyachtalschule in Haigerloch haben sich dennoch dazu entschieden, den Präsenzunterricht vorerst noch nicht wieder aufzunehmen. Grund für die Entscheidung war offenbar die komplizierte Handhabung der Schnelltests.

Test mit sieben Komponenten

Bernd Heiner, Schulleiter der Eyachtalschule, erklärt: „Die Schnelltests vom Sozialministerium, mit welchen wir die Schülertestungen ab Montag durchführen sollten, wurden uns über den Schulträger angeliefert. Es handelt sich dabei um einen Test der Firma Roche. Diese Tests sind ursprünglich Langtests, die nun eine Sonderzulassung als ,Popeltests’ erhalten haben. Dazu wurden die Länge der Stäbchen verändert, alle anderen Komponenten bleiben erhalten.“

Schulleiter macht Generalprobe

Schuleiter Bernd Heiner selbst hat die Test-Kits vorab auf die praktische Umsetzung mit Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen zehn und 16 Jahren geprüft – mit folgendem Ergebnis: „Leider bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass ich mit dieser Testvariante die Schule am 19. April nicht öffnen kann.“ Die Kinder müssen, so Heiner, mit sechs Komponenten arbeiten, bei denen es schon beim ersten Schritt passieren kann, dass ein Kind beim Abziehen der Schutzfolie vom Röhrchen eine Flüssigkeit verschüttet. Einzelne notwendige Halterungen, die Schüler zwingend an ihrem Platz zur sachgerechten Anwendung unter Beachtung der Vorgaben zu Hygiene und Abläufe benötigen, seien entweder nicht vorhanden oder aus seiner Sicht nicht für einen Einsatz im Klassenzimmer geeignet.

Gymnasium: Testungen gestalten sich wie erwartet schwierig

Auch das Gymnasium Haigerloch unter Schulleiterin Karin Kriesell hat sich aus den genannten Gründen entschlossen, den Präsenzunterricht bis auf Weiteres noch nicht wieder aufzunehmen. Man habe die Entscheidung, die Schule nicht wie geplant zu öffnen, zwar sehr kurzfristig treffen müssen. Aber die Kommunikation über die verschiedensten Kanäle muss es dann doch geklappt haben. „Verirrte“ Schulkinder auf dem Campus habe es am Montag jedenfalls keine gegeben. Die Probleme lagen laut Karin Kriesell eher in der „Umsetzung der Logistik der Testdurchführung bei der Kursstufe“.
In beiden Schulen soll der Unterricht nun zunächst nach demselben Prinzip wie in der vergangene Woche ablaufen: Abschlussschüler kommen in den Präsenzunterricht (Wechselbetrieb mit A- und B- Gruppen). Alle anderen Schülerinnen und Schüler bleiben vorerst im Fernunterricht über MS-Teams, bis geeignete Tests zur Verfügung stehen.
Schulleiter Bernd Heiner: „Auch mir liegt eine schnelle Schulöffnung sehr am Herzen, daher habe ich versucht über den Schulträger, dem Staatlichen Schulamt und dem Sozialministerium eine andere Lösung zu erarbeiten. Hier geht es um die Zusage der Kostenübernahme, andere geeignete und bewährte Tests besorgen zu dürfen. Dies ist mir leider noch nicht gelungen. Sobald wir eine Lösung erwirkt haben, werden wir uns wieder melden.“

„Ministerium plant am Alltag vorbei“

Es ist für die Schulen nicht leicht, unter der Führung des Kultusministeriums durch die Corona-Krise zu manövrieren. „Wir werden zu kurzfristig informiert und viele Festlegungen entsprechen nicht dem realen Ablauf eines Schultages“, merkt die Leiterin des Haigerlocher Gymnasiums kritisch an, und nennt ein Beispiel: Die geteilten Gruppen sollen sich bei schriftlichen Leistungsfestellungen (alle sind ja dann an der Schule) auf dem Schulgelände nicht begegnen. Auf dem Weg zur Schule im Bus sitzt der Schüler aus Gruppe A und die Schülerin aus Gruppe B aber nebeneinander.

Schulleiterin: „Mehr Geld in Bildung investieren“

Sicher spricht Karin Kriesell für die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen, wenn sie feststellt: „Es wäre nach wie vor wünschenswert – auch ohne Corona – mehr Geld in die Bildung zu stecken, den Kindern ein zusätzliches Jahr zu ermöglichen oder zumindest für kommendes Schuljahr mehr Deputate für Förderstunden oder Teilungsstunden an die Schulen zu geben.“

Auch im Kreis Sigmaringen bleiben Schulen geschlossen

Im Zollernalbkreis gibt es außer in Haigerloch laut dem Staatlichen Schulamt Albstadt übrigens keine weiteren Sonderregelungen. Im Landkreis Sigmaringen, für den das Albstädter Schulamt ebenfalls zuständig ist, hingegen schon.
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