Hechingen Philipp Hahn untermauert Favoritenrolle

Hechingen / Ernst Klett und Hardy Kromer 19.04.2018
Drei von vier Hechinger Bürgermeister-Bewerbern haben bei der städtischen Kandidatenvorstellung um Stimmen gekämpft.

Äußerst kontrastreich geriet die Vorstellung der Hechinger Bürgermeisterkandidaten unter Regie der Stadt: Da der Erste Beigeordnete Philipp Hahn, der seine Erfahrung betonte und konkrete Projekte in nächster Zukunft nannte. Dort die Balinger Diplom-Verwaltungswirtin Petra Koch, die auf sehr bürgernah setzte, und die Burladinger Wirtschaftstrainerin Sabine Abbasi, die jede Menge Ziele nannte, aber sehr allgemein blieb.

Jeder Kandidat hat 20 Minuten Redezeit, wenn ein Bewerber spricht, sind die anderen draußen, Reihenfolge laut Stimmzettel, und es gibt keine Fragen aus dem Publikum: Das ist Standard, wenn Städte und Gemeinden bei Bürgermeisterwahlen zur Präsentation bitten. Nach dem bestens frequentierten HZ-Wahlpodium war auch die Kandidatenvorstellung der Stadt am Donnerstagabend im „Museum“ sehr gut besucht. Es moderierte der stellvertretende Bürgermeister und Freie-Wähler-Stadtrat Klaus Jetter. Die Bewerber machten es ihm leicht, und er rief gleich zwei Mal dazu auf, von seinem Wahlrecht bitte Gebrauch zu machen. Was man schon wusste: Dauerbewerberin Fridi Miller aus Sindelfingen war nicht da.

Hahn will die Fußgängerzone

Philipp Hahn, Hechingens Erster Beigeordneter seit Oktober 2013, dauererprobter Bürgermeisterstellvertreter und nach wie vor mit Abstand aussichtsreichster Bewerber bei der Wahl am übernächsten Sonntag, 29. April, lieferte gleich mehrere Themenknaller, mit denen er als Bürgermeister Hechingen weiter voran bringen will. Der neu gestaltete Obertorplatz (ohne Tiefgarage, wenn das Bauvorhaben auf dem HZ-Gelände realisiert wird, aber mit Blutbuchen) und die schöne, neue und verkehrsberuhigte Zollernstraße sollen kombiniert werden durch ein platzartiges Ensemble bis auf Höhe der Villa Eugenia. Der Obertorplatz selbst soll nochmals in die Bürgerwerkstatt: Hahn will viel mehr Raum für Fußgänger. Ebenfalls ganz frisch, erstmals genannt beim HZ-Podium: Hahn und seine neue Liebe zu einer Fußgängerzone vom Kirchplatz bis zum Rathaus („Warum soll eine Fußgängerzone nur in Balingen funktionieren?“). Bei der Zwangsversteigerung der früheren Hof-Apotheke am Marktplatz Ende Juni will die Stadt zuschlagen; das ist halbwegs bekannt. Neu sind aber Philipp Hahns Ideen für die Nutzung: Kultur im Erdgeschoss und Wohnungen drüber, barrierefreie Volkshochschule oder Arztpraxis. Das Wort „Vision“ kann auch der 38-jährige Erste Beigeordnete: Die hat der Kandidat, wenn’s um eine erneute Bewerbung Hechingens für eine Kleine Landesgartenschau geht. Die soll für noch mehr Grün in der Stadt sorgen.

Starke Zukunftsmusik also auf dem Silbertablett für die vereinte Wählerschaft. Die konfrontierte Hahn mit seiner langjährigen Erfahrung vor und vor allem natürlich während seiner Zeit im Hechinger Rathaus. Dort kann er sich als eigene Projekte insbesondere den Glasfaserausbau und ökologische Vorhaben wie das Konzept für den Fürstengarten auf seine Fahnen schreiben. Sein Erfolgsmotto dabei: „Zukunftsthemen aufgreifen, alle nötigen Fördermittel abgreifen und die Maßnahmen zügig umsetzen.“ So soll es weitergehen in Hechingen, aber mit noch mehr Druck, denn „es gibt noch so viel mehr zu tun.“

Koch bringt Kohl ins Spiel

Petra Koch, der Paradiesvogel unter den vier Bewerbern aus Mannheim und zuhause in Balingen, blieb sich treu: Die Vorstellung war vor allem die ihres Lebenslaufs und ihrer Familiengeschichte, gewürzt mit großen Namen wie dem von Helmut Kohl. Ansonsten machte sie es knapp, nutzte auch die Redezeit nicht annähernd aus. Petra Koch als Bürgermeisterin, das würde insbesondere bedeuten, dass die Hechingerinnen und Hechinger über eine „Entscheidungssoftware“ direkt abstimmen könnten über Projekte. Erklärung Koch: „Die Mehrheit entscheidet.“ Bürgermeister und Gemeinderat hätten trotzdem ein Wörtchen mitzureden. Versprechen wollte die 62-Jährige gar nichts. Sie führte anderes für sich ins Feld: Sie ist sozial engagiert, sie ist für Mülltrennung, sie kennt sich in allen Belangen aus und steht mit beiden Beinen im Leben.

Sabine Abbasi, 37-jährige Wirtschaftsjuristin und Wirtschaftspsychologin, präsentierte Wort für Wort ihr Wahlprogramm, das sie am Dienstagabend in der „Bar Central“ vorgestellt hatte und das die Hechinger in den nächsten Tagen per Broschüre schriftlich erhalten sollen. „Als Bürgermeisterin möchte ich gestalten und nicht verwalten“, schickte sie ihren Grundtenor vorweg und formulierte abermals ihre „Visionen“ für ein „einzigartiges und unverwechselbares Hechingen“. Eine „lebendige Innenstadt mit Charme“ will die Burladingerin unter anderem durch Grünflächen und Sitzgelegenheiten am Obertorplatz schaffen, aber auch durch freies WLAN an allen öffentlichen Plätzen. Zu konkreten Innenstadt-Streitpunkten, wie etwa zur Tiefgarage, äußerte sie sich nicht.

Abbasis Fragezeichen bleiben

Die Wirtschaft fördern will Sabine Abbasi durch eine regelmäßige regionale Wirtschaftsmesse und durch ein jährliches Zukunftsforum. Eine „soziale Stadtgesellschaft“ möchte sie durch einkommensabhängige Kita-Gebühren und eine verbindliche 20-Prozent-Quote für öffentlich geförderten Wohnraum voranbringen. Im Sinne einer „Stadt der kurzen Wege“ schwebt ihr ein halbstündiger Bus-Takt aus allen Ortsteilen in die Kernstadt vor. Mit einer „durchdachten Marketingstrategie“ will die Kandidatin mehr Tagestouristen nach Hechingen bringen, mit Carsharing-Angeboten und E-Bike-Ladestationen den Kohlendioxid-Ausstoß verringern und mit einem digitalen Bürgerservice die Stadtverwaltung moderner und bürgerfreundlicher machen.

Auffallend kurz fasste Sabine Abbasi an diesem Donnerstagabend, der dann nach 45 Minuten auch schon wieder zu Ende war, die Ausführungen zu ihrer Person. Obwohl sie von Stadträten nach dem HZ-Wahlpodium dazu aufgefordert worden war, Unklarheiten in ihrem Lebenslauf auszuräumen (etwa frühere Arbeitgeber zu nennen), ging sie überhaupt nicht auf ihren Lebenslauf ein. Ihre Bereitschaft zum Umzug nach Hechingen, worüber sie bislang widersprüchliche Aussagen gemacht hatte, thematisierte die Frau aus Burladingen ebensowenig wie sie wissen ließ, auf welchem Wege man an der Universität im tschechischen Brünn zu einem Doktortitel kommt.