Für manche Hechinger Stadträte, die sich dringend eine Erweiterung des Parkhauses an der Neustraße um 60 Stellplätze gewünscht hatten, begann der (nicht öffentliche) Rundgang zum Großthema Parkplatz-Schaffen am frühen Mittwochabend mit einer enttäuschenden Nachricht: An Ort und Stelle, im Parkhaus, informierten Bürgermeister Philipp Hahn und Reinhold Dieringer, Chef der Stadtwerke (die die Großgarage betreiben), darüber, dass alle Anbau-Pläne erst einmal begraben werden müssen. Denn: Andreas Ermantraut, Geschäftsführer der Firma EJL Immobilien, der das benachbarte City-Park-Areal gehört, hatte Dieringer in einem Telefonat am Dienstagmorgen wissen lassen, dass die EJL das für einen Parkhaus-Anbau benötigte Grundstück nicht hergeben will. „Die wollen sich nicht einschränken lassen, weil sie noch nicht wissen, was sie mit dem ganzen Objekt vorhaben“, berichtete Dieringer. „Das müssen wir respektieren.“

Ohne EJL keine Erweiterung

Da half dann alles Nachhaken seitens der Räte, ob nicht wenigstens ein kleiner Anbau oder ein solcher auf Stelzen oder ein Schrägbau möglich wäre, nichts. Bernd Beer, Fachplaner von der Firma AMP Parking Holding, stellte klar: Ganz ohne einen Teil des EJL-Grundstückes sei hinter dem Stadtbauamt nichts Sinnvolles zu machen. Die Frage, ob nicht ersatzweise eine Aufstockung des Parkhauses denkbar wäre, verneinte wiederum Dieringer: Das gebe die Statik nicht her.

Die Parkhaus-Erweiterung ist also vom Tisch. Was Bürgermeister Philipp Hahn dem neuen Gemeinderat in dessen konstituierender Sitzung am kommenden Donnerstag aber vorschlagen will, ist eine grundlegende bauliche „Optimierung“ des Parkhauses. Dieses ist wegen seiner Enge bekanntlich seit eh und je äußerst unbeliebt. Verbessern ließe sich die Situation laut Planer Beer, wenn die bestehenden Auf- und Abfahrtsrampen und die dazugehörigen Brüstungen komplett abgerissen und durch neue, breite Rampen ersetzt würden. Auf diesen (und im kompletten Parkhaus) würde dann Gegenverkehr herrschen. Kostenpunkt: 367 000 Euro. Der Fachmann empfahl diese Maßnahme eindeutig, gab freilich zu bedenken: „Es wäre eine Verbesserung, aber immer noch eng.“ Und es gingen einige wenige Stellplätze verloren.

Die Tiefgarage wird wohl kommen

Wie auch immer: Deutlich wurde, dass der Gemeinderat geneigt ist, diesen Eingriff nächste Woche zu beschließen. Das gilt genauso für das zweite Projekt, das die Räte besichtigten: die Tiefgarage unter der Fürstenwiese bei der Stadthalle „Museum“. Dort können für rund 2,24 Millionen Euro 44 bis 49 (je nach Breite) unterirdische Stellplätze geschaffen werden. Die Architekten Jürgen und Thilo Sprenger stellten die Pläne dafür vor und versicherten auf Nachfrage des Freien Wählers Werner Beck, dass der Spaziergänger, der aus dem Fürstengarten kommt, nach dem Bau einer Tiefgarage weitgehend dieselbe Optik vorfinde wie heute. Das Gesamtbild werde sich sogar „eher verbessern“, stellte Stadtbaumeisterin Helga Monauni in Aussicht. Schließlich soll gegenüber der Johanneskirche eine Allee angelegt werden, die einen einladenden Eingang in den Stadtpark schafft.

Der neue Kinderspielplatz, unter dem die Tiefgarage gebaut wird, müsste freilich für 60 000 Euro ab- und wieder aufgebaut werden, was CDU-Stadtrat Lutz Beck sauer aufstößt: „Das ist nicht schön, wenn man so mit Steuergeldern umgeht.“

Drei Interessenten für Orangerie

Und die Orangerie? Die werde keinesfalls abgerissen, versicherte Bürgermeister Philipp Hahn. Im Gegenteil: Helga Monauni berichtete, dass das Denkmalamt eine Tiefgarage nur genehmige, wenn die Stadt gewährleiste, „dass die Orangerie nicht in die Baugrube fällt“, und ein Sanierungskonzept für das historische Gebäude vorlege. Hahn ergänzte, dass die Stadt drei verschiedene Interessenten für eine Nutzung der Orangerie habe. Man sei „vorsichtig optimistisch“, dass sogar eine öffentliche Nutzung des fürstlichen Gewächshauses in aufgewertetem Ambiente gelingen könnte.

Zweite Etage viel zu teuer

Überschlagen hatte das Büro Sprenger auf Antrag aus dem Gemeinderat, was eine zweigeschossige Tiefgarage kosten würde. Das Ergebnis war eindeutig negativ: Ein weiteres Untergeschoss, das eine Gesamtsumme von 73 neuen Stellplätzen brächte, würde die Kosten pro Platz von 36 000 auf 46 000 Euro erhöhen. Philipp Hahn fand dies deutlich zu teuer und erinnerte: „Wir haben die Obertorplatz-Tiefgarage nicht gebaut, weil wir dort 60 000 Euro pro Stellplatz hatten.“

Fertigstellung im Frühjahr 2021

Fertig sein könnte das neue Parkdeck unter der Erde, wenn es denn nächste Woche beschlossen wird, frühestens im Frühjahr 2021. Das, so meint man im Stadtbauamt, würde aber gut passen, denn: neuer Obertorplatz, neue Tiefgarage, Sanierung der Zollernstraße – das ginge dann alles in einem Rutsch.

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Hechingen

Entscheidung am kommenden Donnerstag


Noch vor der Sommerpause sollen in Sachen Parkplatz-Schaffen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Gleich in der konstituierenden Sitzung des neuen Hechinger Gemeinderates am Donnerstag, 25. Juli, stehen die Themen zur Entscheidung an. Die Stadtverwaltung wird laut Bürgermeister Philipp Hahn den Bau einer (eingeschossigen!) Tiefgarage unter der Fürstenwiese beim „Museum“ vorschlagen. Außerdem soll eine grundlegende bauliche Verbesserung des Parkhauses an der Neustraße beschlossen werden. Eine Erweiterung des Parkhauses ist dagegen einstweilen kein Thema mehr. hy